Veröffentlicht am 13.09.2019 in Newslichter

Was kann Stimme mehr, als unser wahres Sein ausdrücken?

Ich kann mich noch gut an dieses quirlige, lebendige, freudige und freche Kind erinnern. Es war ein sehr ausdrucksstarkes Kind, doch oftmals mögen Eltern solche lebendigen Kinder nicht besonders, zumindest nicht in meiner Generation der Kriegsenkel.

So versprach es mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache und ich hörte schon früh auf zu sprechen und damit verlor ich nicht nur meine Stimme, sondern auch meinen wahrhaftigen Ausdruck. Zum Ausdruck gehörte mein ganzes Wesen, mein ganzes Sein, meine Präsenz, meine Liebe, Freude und Lebendigkeit, die sich nach Innen vergrub. So wurde aus dem Ausdruck ein Innendruck.

Die Befreiung über die eigene Stimme

Das was mit mir passierte, ist kein Einzelfall und erleben die meisten Menschen. Bei mir war es sicher sehr ausgeprägt, was damit zu tun hat, dass sich meine Seele für dieses Leben vorgenommen hatte, mein wahres Selbst zu erinnern und über meine Stimme, über den Gesang, zu befreien. Dabei kann uns nichts anderes wirkungsvoller von unserem Gefängnis befreien, als die Stimme.

So geht es gerade bei vielen Frauen darum, ihre Stimme zu erheben, ihre Wahrheit zu verkünden, überhaupt erst einmal einen Zugang zur inneren Stimme zu bekommen.

Als Sängerin weiß ich, wieviel Glück und Liebe das Singen bedeuten kann, aber auch Angst und Scham. Zu singen vor den Menschen oder auf einer Bühne, braucht die Überwindung des eigenen Überlebensmusters, das Herauskommen aus dem Versteck, wenn man als Kind seinen eigenen Ausdruck nicht leben konnte.

Viele Sänger haben das Gefühl, daß sie gegen eine gläserne Wand singen, daß sie trotz guter Ausbildung nicht wirklich an ihr Potential kommen und dieses nicht leben können. Das ist auch mit Technik nicht möglich, hinter der sich viele Sänger verstecken.

Es geht um den wahrhaftigen künstlerischen Ausdruck, der uns aus unserem Gefängnis holen kann. Aber, es gibt kaum Lehrer, die das wissen und so unterrichten, dass das eigene Potential zumindest erkannt wird. Ich hätte mir, auf meinem stimmlichen Weg einen Lehrer oder eine Lehrerin gewünscht, die mich in meinen wahrhaftigen Ausdruck begleitet, denn wenn es uns gelingt unser wahres Sein auszudrücken, dann vollzieht sich eine totale Wandlung im Leben. Dazu braucht es den Mut und die Bereitschaft sich ganz auf sich selbst einzulassen und auf Gefühle, die in uns schlummern.

Die tiefe Liebe in uns leben und zum Ausdruck bringen, ist unsere Befreiung

Irgendwann hatte ich begriffen, daß das Singen mich so an meine Gefühle bringt, daß es mich immer wieder Überwindung kostete, zu üben. Zunächst dachte ich, daß es um die Angst geht sich zu zeigen oder um Scham oder Verurteilung, vor der ich Angst hatte. Ich begriff jedoch, daß meine größte Angst war, dieser tiefen Liebe zu begegnen. Dieser unbeschreiblichen bedingungslosen Liebe, die ich für die Musik, insbesondere für den Gesang empfinde. Es gibt einfach kein Entrinnen, mein Herz reagiert unweigerlich auf meinen Gesang und ich kann es nicht kontrollieren.

Letztendlich geht es darum, diese Liebe über den Gesang zum Ausdruck zu bringen. Ich glaube, daß es bei allen Menschen darum geht, sich an diese bedingungslose Liebe zu erinnern und sie auszudrücken. Dazu hat jeder Mensch eine bestimmte Gabe mitgebracht und seine ganz eigene Geschichte erlebt, die damit geheilt werden will.

Ich tue das über die Stimme und begleite Menschen in ihren wahrhaftigen künstlerischen Ausdruck und zeige ihnen, wie sie ihr Potential befreien und ihre Kreativität leben können.

Wenn wir uns ganz auf diese Liebe einlassen, dann wandelt sie unser Leben und hebt das Gefühl der Trennung auf. Zu diesem Wendepunkt gehört, daß wir uns selbst mit all unserer Liebe dem Leben hingeben und andere mit unseren Gaben beschenken. Wir beginnen zu Teilen, zu Be-Schenken. Das ist genau der Punkt, bei dem Co-Creation entsteht, bei dem wir unsere Schöpferkraft leben. Wie das gelingt, lehre ich in einer neuen Improvisationsmethode – der Improphyis®, die auf der Physiologie basiert. Schließlich ist der Körper selbst unsere verkörperte Schöpfung. In ihm ist das Universum abgebildet, in ihm wartet das Potential, unser wahres Selbst auf die Befreiung. So wird in der Improphysis® das Potential der Kreise, der Gemeinschaft genutzt. Dort findet gelebtes Wissen, gelebtes Sein, statt. Dort leben wir gemeinschaftliche musikalische Schöpfungsprozesse, in denen wir eine tiefe Verbindung zu uns selbst, unserer Stimme, unserem Körper, den anderen, dem Universum und Gott, erfahren. Es ist gelebte Liebe du Schönheit, die ihren Ausdruck durch eine Gemeinschaft findet.

Im April 2020 findet erstmals im Frauenlandhaus Charlottenberg die Fortbildung in der Stimm-Improphysis® statt. Sie ist für Frauen, die ihren wahren künstlerischen Ausdruck finden wollen, als auch ihre Liebe zur Musik, Kunst, Tanz,… erinnern und leben wollen und damit ihre Schöpferkraft und Kreativität befreien werden.

Mehr Infos dazu gibt es unter: www.frauenlandhaus.de