Über mich und meinen Weg

Ich habe einen langen Weg der Stimmsuche hinter mir. Ich verlor meine Stimme als kleines Mädchen und sah mich jedoch immer als Sängerin auf der Bühne. Ich lernte verschiedene Instrumente, wie beispielsweise Altflöte, die ich bis zur Konzertreife beherrschte. Hinzu kam Klavier, Violine und Gitarre. Dem Gesang widmete ich mich erst in den späteren Jahren, als ich mich in einer Krise befand und mich an meinen Traum erinnerte. 

Ich bin klassisch ausgebildete Altistin und lernte die verschiedensten Gesangsmethoden und auch Pädagogen kennen. Insgesamt habe ich 12 Jahre Aus- und Fortbildungen in Gesang besucht und hatte dennoch das Gefühl nicht gut singen zu können und keinen Zugang zu meiner Stimme zu haben. Ich suchte immer nach einer Tiefe, die mir keine Gesangspädagogik so richtig lieferte bis ich auf das Lichtenberger Institut im Odenwald traf. Diese Begegnung veränderte mein Leben. Nicht nur, weil ich begann alles was ich bisher glaubte wie Leben und Stimme funktionieren, zu hinterfragen, auch weil ich einen Zugang zu meiner Stimme bekam. Ich bin dem Lichtenberger Institut, insbesondere Gisela Rohmert und Susann Arbogast, sehr dankbar für ihre wundervolle Arbeit. Ich verfolgte insgesamt 8 Jahre die Lichtenberger Stimmphysiologie, besuchte fast alle Themenseminare, sowie die Fortbildung und nahm über einen langen Zeitraum wöchentlich Einzelunterricht bei Susann Arbogast. 

In all den vielen Jahren der Gesangsausbildungen und Gesangsfortbildungen widmete ich mich den Rückert-Liedern von Gustav Mahler und liebe diese Musik. “Urlicht” und “O Mensch gib Acht” erfreuten im besonderen Maße mein Herz. Die Musik, vor allem die alte Musik hat es mir bereits als Kind angetan. So schwelgte ich mich in ein schönes Leben, sobald ich Musik hörte, um zu überleben. Die Musik ist daher sicher auch mein Lebensretter und nicht nur das – sie ist meine größte Liebe, die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Fast vergessen, erinnerte ich mich während eines Seminares beim Lichtenberger Institut wieder an sie. Es war wie das Wiedersehen einer alten großen Liebe. Dann hatte sie mich wieder und ich konnte nicht anders, als dieser Liebe zu folgen. 

Mit Mitte 40 begann ich Cello zu lernen und nahm Unterricht. Ein Instrument, das mich zutiefst berührt. Gleichzeitig brachte ich mir das Chalumeau spielen bei. Ebenfalls ein Instrument mit einem wunderschönen Klang. Ich widmete mich verstärkt der Improvisation, sicher auch, weil ich in der Musik den Augenblick sehnte, in der die Zeit still steht und in der ich in die Tiefen der Stille eintauche. Es fordert ein wirkliches HÖREN, ein wirkliches Einlassen auf mich und den Mitmusikern. Improvisation ist wie das Leben selbst, nicht zu wissen was kommt und sich auf den Moment einzulassen und immer wieder zu empfangen, was schon längst da ist und auf uns wartet, zum Ausdruck gebracht zu werden. Es ist ein Hauch von Liebe, welcher wie ein Luftstrom durch mich hindurch fließt. So liebe ich die zarten, die leisen Töne, die uns meistens zu unserer Kraft führen, in einer so lauten und lärmenden Welt. 

Seit der Regulation meines autonomen Nervensystems erlebe ich Wunder, die es vorher schon gab, die ich jedoch nicht wahrnehmen konnte. In dieser Regulation fügte sich eine verlorene Resonanz zu meinem ICH, zu meinem SELBST wieder zusammen und alles änderte sich von alleine, was ich versuchte über viele Jahre mühselig zu verändern. Dieser zarte Luftstrom der Liebe, hat sich auch ausgeweitet in Begegnungen, in Menschen, die in mein Leben traten. So traf ich auf einmal auf Menschen, die mit einer ähnlichen Leidenschaft an ähnlichen Themen arbeiten. Mir begegnete Respekt und Achtung, ein offener Austausch auf Augenhöhe und ich erkannte, dass ich mit dem was ich erforschte und dachte, wohl doch nicht so alleine bin. Als Pionierin hat man oft das Los von Einsamkeit gezogen, denn es gibt nicht so viele, die das verstehen, was in einem vorgeht. Oft war ich verunsichert, ob all das stimmt, was ich erforscht und erfahren habe und ich war einfach überwältigt, wie viele Bestätigungen ich bekommen habe und bekomme. Ich bin sehr dankbar über den Kontakt zu Stephen Porges und seine geniale Entdeckung des ventralen Vagusnervs. 

Seit letztem Jahr bilde ich mich im Estill-Voice Training weiter. Ich habe die Level I und II Kurse, als auch Kurse in Artikulaltion und Belting bei Dr. Stefanie Rummel besucht und nehme an einer Übungsgruppe zur Vorbereitung der Zertifizierung teil.

Der Austausch und unsere kleine Forschungsgruppe mit Stephanie Maurer (Schweiz) und Niki Beelen (Niederlanden) bedeuten mir sehr viel. Wir sind eine Frauengruppe voller Leidenschaft, großem Forschergeist und bringen alle 3 Ausbildungen in klassischem Gesang, Musikpädagogik und Traumatherapie mit. Wir glauben, dass das Ohr in Verbindung mit der Stimme eine große Bedeutung für die Regulation des autonomen Nervensystems hat und verschlingen Bücher, bilden uns fort und lernen voneinander. Daraus entstand auch der Podcast mit Stephanie Maurer, der weitergeführt wird.  

Mein Hintergrund war als ausgebildete System- und Traumatherapeutin, die transgenerationale Traumaweitergabe. Ich wollte wissen, wie stark die ersten Kontakt- und Beziehungserfahrungen in unserem Leben, die Stimme beeinflussen und kam zu dem Ergebnis, dass sie letztendlich die erste Ausbildung der Stimme sind. Diesen Erfahrungen begegnen wir immer wieder im Gesangsunterricht. Darüber wissen allerdings die Pädagogen nur sehr wenig. Kenntnisse über die Entwicklungspsychologie, Neurobiologie und Polyvagaltheorie sind hier elementar und spielen in der Gesangsausbildung keine Rolle. 

Alleine der Begriff Stimmbildung zeigt, dass wir etwas ausbilden müssen, was noch nicht gut funktioniert. Ich weiss jedoch, dass wir bereits vollkommen und perfekt zur Welt kommen und auch unsere Stimme dazu gehört. Wir kommen mit unserem Selbst auf die Welt, welches unser Potential, Fähigkeiten, Aufgabe, Berufung, Stimme,… beinhaltet. Aufgrund unserer Erziehung verlieren wir jedoch den Zugang zu diesem Selbst und damit auch zu unserer Stimme. Das liegt an unseren ersten Beziehungserfahrungen. Beziehung anstatt Erziehung wäre die Lösung. Wir entwickeln ein falsches Selbst oder ein ICH, welches voller Konditionierungen ist, aber zu einem falschen Leben gehört. Es ist so normal, dass wir glauben, dass dieses falsche Selbst ich selbst bin. Auf Basis dieser falschen Annahme werden dann auch Gesangsmethoden entwickelt, die jedoch davon ausgehen, dass etwas fehlt oder ausgebildet werden muss, denn in diesem falschen Selbst sind wir nicht vollständig und fehlt uns auch immer etwas – im Grunde unser wahres Selbst, was wir nicht erkennen können. So wird am falschen Selbst oder ICH gearbeitet und die Stimme ausgebildet, letztendlich an den Konditionierungen versucht zu verändern, was nicht funktionieren kann. In all den vielen Techniken stecken meistens die gleichen Zwänge, die wir in unserer Kindheit erlebt haben.

So kommen immer mehr Gesangsstudenten oder Sänger, die durch ihr Gesangsstudium traumatisiert wurden und die Hoffnung auf ein freies Singen und einen Zugang zu ihrer Stimme, fast schon aufgegeben haben, in mein Institut. 

Ich erlebe immer wieder wunderschöne, tiefe Begegnungen, manchmal fließen auch Tränen oder es wird laut gelacht. Alles was eben zum Leben gehört. 

Die Zeit ist jetzt reif, dass dieses Wissen gehört und gesehen wird, um MenschSEIN zu begreifen und die Entfernung zu unserer wahren Natur, immer mehr zu erkennen. 

Lassen wir endlich die Schönheit in unser Leben hinein. 

Ihre, Iris Hammermeister