Über mich und meinen Weg

Schon als kleines Mädchen liebte ich die Musik und sah mich auf der Bühne als Sängerin. Ich war ein sehr lebendiges, freches, quirliges, rebellisches  und ausdrucksstarkes Mädchen. Dann gab es einen Punkt in meinem Leben, wo sich das total umdrehte und ich meine Stimme verlor. Da war ich ca. 5 Jahre alt und ich hörte auf zu sprechen, zu lachen und wurde ein stilles, angepasstes und liebes Mädchen. Ich schloss mich in einen Kokon, um zu überleben, trennte mich von allem ab und kehrte in mich. Mit dem Verlust meiner Stimme, ging so ziemlich alles, was mich ausmachte mit. Meine Lebendigkeit, meine Freude, mein Lachen, mein Ausdruck,…

Es war eine lange Suche nach mir selbst, nach meiner Stimme und zunächst begriff ich gar nicht, dass ich nach meiner Stimme suchte. Ich wollte meine Geschichte begreifen und begab mich auf den Weg, mehr darüber zu erfahren. Ich nahm Kontakt zu meinem Vater auf, fuhr nach vielen Jahren in meine Geburtsstadt, eine Stadt im Schwarzwald und versuchte zu begreifen, was mit mir geschah. Als Trauma- und Systemtherapeutin forschte ich Jahrzehnte über die transgenerationale Traumaweitergabe und wollte wissen, was eigentlich mit den Soldaten aus dem ersten und zweiten Weltkrieg passierte, als sie zurückkehrten. Zu meinem Erstaunen fand ich nichts darüber. Erst Jahre später kamen Bücher über Kriegskinder, Kriegsenkel,… die das bestätigten, was ich herausgefunden hatte. Mein Fokus richtete sich hauptsächlich auf das Bindungs-, Symbiose- und Entwicklungstrauma. Mein Vater war ein Flüchtlingskind, ein Kriegskind und schwer traumatisiert. Das zeigte sich in seiner Unfähigkeit Kontakt aufzunehmen oder zu halten oder auch Beziehungen zu pflegen. Sein Leben war gekennzeichnet von vielen körperlichen Erkrankungen und einem Einsiedlerdasein. In den letzten Stunden seines Lebens machte er uns Kindern und Enkeln die größte Liebeserklärung, die er machen konnte. Er wartete solange mit seinem Wechsel in die andere Welt, bis alle seine Nachfahren an seinem Bett standen und bei ihm waren.

In meinen größten Lebenskrisen erinnerte ich mich an meinen Kindheitstraum und begann wieder Gesangsunterricht zu nehmen. Ich suchte immer nach einer Tiefe, die ich jedoch über die verschiedensten Gesangsmethoden nicht fand. Ich fand sie auch nicht in vielen therapeutischen Verfahren oder spirituellen Werkzeugen. Ich suchte auch nach Heilung meiner chronischen Krankheiten und fand heraus, dass chronische Traumata, wie ein Bindungs- und Entwicklungstrauma, eine Hauptrolle bei chronischen Erkrankungen spielen. Alle Betroffenen hatten auch keinen Zugang zu ihren Stimmen. Ich beschäftigte mich insbesondere mit den Auswirkung von Traumata auf die eigene Stimme, denn es war ja meine eigene Geschichte.

In meinem Leben war ich immer in diesem inneren Konflikt mit der Frage „Bin ich Therapeutin oder bin ich Sängerin“? Ich sah meine therapeutische Qualifikationen und die Auseinandersetzungen mit Trauma immer als Klotz am Bein, der mich an der Musik hinderte. Bis ich erkannte, dass ich genau dieses Wissen und die Erfahrung mitbringe, die im gesangspädagogischen und im therapeutischen oder spirituellen Bereich fehlen und genau das mein Potential ist.

Ich erkannte universelle Gesetzte und habe eine Stimmarbeit entwickelt, in denen diese zur Anwendung kommen. Ich erkannte auch, dass es ganz einfach ist, seine Stimme wieder zu finden, Kontakt zu ihr und zu sich selbst wieder zu erlangen, wenn man diese Prinzipien anwendet. Das Hauptprinzip ist Bindung und Beziehung, denn ich sehe die Ursache aller Probleme in ein und derselben Ursache. Das ist das Gefühl von Trennung. Das sind unsere ersten Bindungserfahrungen, die uns unser ganzes Leben prägen und die einen erheblichen Einfluss auf unsere Stimme haben. Dazu gehört für mich der verlorene Ausdruck, denn unsere größten Wunden liegen in unserem Ausdruck. Wir werden gebremst und alles was uns ausmacht, ist zwar noch da, aber unterdrückt. Was zu einem Innendruck führt und zu gestauten Energien. Das geht einher mit dem Verlust von Lebensenergie. Ich habe auf meinem langen Weg Begleiter vermisst, die mit mir an meinem Ausdruck gearbeitet hätten, denn der Zugang zu meiner Stimme gelang mir irgendwann, aber mich zu zeigen auf einer Bühne, war für mich unmöglich. Der Kokon war einfach zu dick, um mich da hinaus zu trauen. Meine Stimme selbst zeigte mir den Weg in die Freiheit,  aus der Enge und irgendwann löste sich der Kloß in meinem Hals und ich begann alles was in mir war, auszudrücken. Mit diesem Ausdruck wurden Energien freigesetzt, die meine Lebendigkeit zurückholten, meine Freude und auch dieses spielerische Kind von damals wieder zum Leben erweckte.

Ein Ausschnitt über meine Qualifikationen

Ich wurde in klassischem Gesang, Violine, Blockflöte, Gitarre und Klavier ausgebildet und  konzertierte mit Altblockflöte mit Stücken von Telemann. Seit ca. 5 Jahren lerne ich Cello und habe mir das Chalumeauspiel selbst beigebracht. Zudem habe ich eine Chorleiterausbildung gemacht und bei Wolfgang Saus die Obertongesangsausbildung absolviert. Als ausgebildete Pädagogin absolvierte ich Zusatzqualifikationen in der Systemnischen Familien- und Traumatherapie und Systemischen Supervison bei der ISGT und dem HSI Heidelberg. Ich forschte jahrelang über die Auswirkungen des 1. und 2. Weltkrieges auf die nachfolgende Generationen. Insbesondere das Entwicklungs- und Symbiosetrauma fand mein Interesse. Zudem besuchte ich eine Heilpraktikerschule und bildete mich in anatomischen Wissen aus. Die Verbindung zwischen stark traumatisierten Familiensystem und chronischen Erkrankungen hat mich jahrelang beschäftigt. Ich habe etliche Fortbildungen in Teamtraining, Aufstellungsarbeit, Improvisation, Circle Singing, Lichtenberger Stimmphysiologie, uvm. besucht.

Meine Besonderheit liegt sicher in meiner Wahrnehmungsfähigkeit. Insbesondere das Hören des Klanges bzw. welche Informationen er bereit hält und wo er im Körper gerade ist oder welche Ungleichgewichte er mir zeigt, ist eine Begabung, die ich mitgebracht habe. Manchmal erzählen Klänge auch viele Geschichten. Dazu gehört, dass ich den Klang nicht nur höre, sondern auch sehe und wie dieser im Körpergewebe wirkt und wie sich dadurch das Gewebe verändert. Eine weitere große Fähigkeit ist meine Kreativität, die sich in allen Bereichen meines Lebens zeigt. Viele Teilnehmerinnen schätzen mein großes Einfühlungsvermögen, mein ganz beim anderen sein können und damit Raum zu geben, ohne zu bewerten. Letztendlich ist meine große Liebe zu den Menschen und allen Lebewesen in allem zu spüren.

© Fotos: Wolfgang Vogt / Marc Lennartz