Schwerhöriggkeit ist heilbar!!

Ein Gastbeitrag von Ursula Huggenberger

Liebe Leserinnen und Leser!

Es gibt sehr viele Sichtweisen und Meinungen, nicht wahr? Da mein persönliches Interesse den vielen leidenden Menschen gilt, die an einer Hörthematik leiden, trete ich jetzt mit meinem ersten Blogartikel „Schwerhörigkeit ist heilbar“ an die Oeffentlichkeit.

Kennen Sie schon den Ausspruch von Anton Stucki „Unser Gehör ist kein Reifen der sich abfährt“? Es ist ein Titel vieler seiner Vorträge. Er ist einer meiner Lehrer zum Thema.

Plausibilität ist das Wichtigste
Plausibilität ist wichtig, damit wir in eine neue Richtung denken können. Darum möchte ich mit Ihnen zuerst über Sichtweisen und Meinungen sprechen, zu denen Sie über Ihre Erfahrungen gekommen sind. Wir Menschen kommen in Wirklichkeit nicht allein über unsere Erfahrungen zu unseren Sichtweisen, sondern vor allem auch über die Interpretation dieser Erfahrungen. Ich möchte dies verdeutlichen, indem ich das Wort „Schwerhörigkeit“ mit Ihnen gemeinsam genauer unter die Lupe nehme. Schlecht hören ist eine Erfahrung. Und diese belastende Erfahrung wird von betroffenen Menschen innerhalb von relativ kurzer Zeit plötzlich mehrmals gemacht. Wenn jemand schlecht hört und schlecht versteht, müsste das aber  von uns nicht unbedingt so interpretiert werden, dass eine Schwerhörigkeit im Sinne einer Krankheit vorliegt. Womöglich versteht ein Mensch manchmal schlecht und manchmal sehr schlecht, manchmal aber auch besser. Das heisst, die Fähigkeit zu verstehen ist nicht immer genau gleich. Ein Gehörtest widerspiegelt natürlich auch nicht das was wir im Alltag erleben. Das Wort Schwerhörigkeit impliziert aber bei den meisten Menschen, dass eine unheilbare Krankheit vorliegen würde. Wir hören hier also in Wahrheit einen Begriff, der eine Diagnose darstellt. Wir glauben dann an eine Diagnose, glauben, dass unser Gehör nachlassen würde, dass es sich um eine Degeneration im Innenohr handeln würde, und dass das mit dem Alter zu tun habe, etc. Aber lassen Sie mich zwei Fragen stellen: 

Warum sind nicht alle älteren Menschen schwerhörig?

Und warum hören Menschen, die nicht gut hören manchmal besser und manchmal schlechter?

So möchte ich also fragen, ob das Wort Schwerhörigkeit  also eindeutig zu einer bestimmten Sichtweise gehört. Modellieren wir diesen Begriff einmal etwas um: nehmen wir einmal an, Schwerhörigkeit würde bedeuten, dass Sie manchmal sehr schlecht und manchmal etwas besser verstehen. Das bedeutet ja dann, dass das Symptom nicht immer gleich ist. Und ein Symptom ist auch keine Krankheit, oder? Symptome tauchen im Rahmen einer Krankheit auf, und Krankheiten sind meist, oder sagen wir, sehr oft heilbar. Da ich mich mit Trauma beschäftigt habe, möchte ich folgende Aussage treffen: Symptome kommen und gehen, ausser es liegt ein Trauma vor, so dass der Körper nicht zu seinem Urzustand zurück finden kann. Schwerhörigkeit könnte demnach etwas Aehnliches wie eine Allergie sein. Unser Körper hat in sehr vielen Fällen die Fähigkeit, sich zu heilen. Wenn das Symptom nicht immer gleich ist, könnte das bedeuten, dass die Ursache nicht ein Defekt im Innenohr ist, sondern dass ein Problem in der Verarbeitung einer Hörinformation vorliegt. Es könnte also sein, dass meine Fähigkeit, einen Mitmenschen perfekt gut zu verstehen, in erster Linie eine Leistung meines Verarbeitungssystems ist. 

Erleben Sie oft Stress, weil Sie sich als betroffene Person vor der nächsten Situation fürchten, bei der Sie nicht gut verstehen? Darf ich Ihnen erzählen, wie eine Frau, die wegen ihrer Schwerhörigkeit bei mir Hilfe suchte, plötzlich viel besser hörte, als ich sie von diesem Stress befreit habe? Und darf ich Ihnen erzählen, was dann geschah? Nun, wir hatten schon ein paarmal miteinander gearbeitet um feststellen zu können, dass die Schwerhörigkeit nicht immer gleich ist. Wir hatten das MUNDUS-Basisverfahren zur Hörregeneration”® von Anton Stucki (Ein Hörtraining, wo man das Orten einer natürlichen Schallquelle trainiert) angewandt und Gespräche geführt. In den Gesprächen ging es darum, was für ein Erlebnis möglicherweise traumatisierend war und zu einer Hörverminderung geführt haben könnte. Durch das Hörtraining, dem MUNDUS-Basisverfahren zur Hörregeneration”® haben wir erleben können, dass sich ihre Fähigkeit zu verstehen relativ rasch verändern kann. Um sie vom Stress zu befreien, habe ich sie also in einer neuerlichen Sitzung gebeten sich folgendes vorzustellen: 

Ihr rechtes Ohr, welches ihr „schlechteres“ war, solle sie sich in ihrer linken Fusssohle vorstellen. Ich bat sie also mit ihrem rechten Ohr der Musik zu lauschen, das sich also in ihrer Vorstellung auf der linken Fusssohle befand. Und was geschah? Sie hörte die Musik sofort lauter und konnte sogar erstmals die Sängerin problemlos verstehen. Wir haben mit dieser Intervention das physische Ohr räumlich von seinem Ort getrennt, also in der Vorstellung uns ein zusätzliches Ohr vorgestellt, das in der Fusssohle ist. Das hat vom gewohnten Erleben abgelenkt.
In der hypnosystemischen Therapie nennt man ein solches Vorgehen ein räumliches Trennen, oder Dissoziation. Als weitere Anregung schlug ich vor, in der Vorstellung eine Person in den Raum kommen zu lassen, die das Problem mit der Schwerhörigkeit noch nicht hatte. Diese Person haben wir als ansteckend (Ansteckende Gesundheit) betrachtet und haben uns bei ihr so richtig mit Wohlbefinden aufgeladen. Dann haben wir in unserer Vorstellung noch jene Person in den Raum kommen lassen, welche unter Schwerhörigkeit sehr leidet. Auch diese Person haben wir dann mit der ansteckenden Gesundheit aufgeladen. Und was geschah? Das können Sie sich jetzt sicher gut vorstellen! Im Alltag meiner Patientin folgten immer mehr Situationen, wo sie problemlos verstehen konnte was gesprochen wurde. Das geschah vor allem dann, wenn sie gar nicht die Absicht hatte gut zu verstehen. Hm, wie ist das nun mit der Schwerhörigkeit? Dürfen wir da nicht mit Recht und mit etwas Humor fragen: „Welche Schwerhörigkeit?!“

Copyright Text & Foto: Ursula Huggenberger

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Huggenberger zur Veröffentlichung freigegeben.