Die Polyvagaltheorie in der funktionalen Stimmbildung

Eine 5-teilige online Fortbildung

Die Polyvagaltheorie klingt erst einmal sehr technisch und kompliziert. Es handelt sich hier um das autonome Nervensystem, welches wie ein Autopilot unser Leben bestimmt.

Wenn Sängerinnen erzählen, dass sie keinen Zugang zu ihrem stimmlichen Potential bekommen oder das Gefühl haben gegen gläserne Mauern zu singen, dann  ist das autonome Nervensystem dafür verantwortlich. Ebenso für Auftrittsängste und dem Gefühl keinen Zugang zur eigenen Stimme zu haben. 

Mit dem Wissen, was die Polyvagaltheorie überhaupt ist und wie wir unser autonomes Nervensystem regulieren können, lassen sich ziemlich viele Probleme auf einmal lösen. Nicht nur, dass wir unseren Gesang und unser Sprechen auf eine natürliche Weise lernen und somit zu einer gesunden Stimmfunktion zurückkehren, wir regulieren damit auch das autonome Nervensystem. Die Regulation setzt am Körper an, denn dort ist unser Erfahrungsraum, der in den ersten Lebensjahren unser autonomes Nervensystem gebildet hat.

Im Leistungssport fängt man nun an, dieses Wissen zu nutzen, denn Leistungssportler müssen nicht nur Höchstleistungen erbringen, sie sind auch großem Stress ausgesetzt. So ist das auch bei Berufssängern oder Berufsmusikern, die unglaubliche Leistungen erbringen müssen und Stress jeglicher Art erleben. Hinzu kommt, dass die beruflichen Rahmenbedingungen der Künstler gerade in der jetzigen Krisenzeit schwer sind und es nicht einfach ist, entspannt und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Viele freischaffende Künstler sind von ihrer Existenz bedroht. Wenn die Bedingungen wieder besser werden, sitzt der Schock immer noch tief im ganzen Körpersystem. 

In dieser Fortbildung richten wir den Fokus auf die Kontrolle unserer Stimme bzw. unseres Kehlkopfes. Es gibt zwar Gesangsschulen, die behaupten, dass der Kehlkopf nicht kontrollierbar ist, daher willentlich nicht beeinflussbar scheint. Wenn wir die Muskulatur der Stimmfunktion trainieren und diese miteinander koordiniert arbeiten und es ein Zusammenspiel zwischen den Muskelsystemen und den Vokalen gibt, erlernen wir nicht nur eine natürliche und gesunde Stimmfunktion, wir regulieren damit auch unser autonomes Nervensystem. Hinzu kommt das funktionale HÖREN. Das hat mit der Zurückeroberung der Eigenermächtigung zu tun. Dazu braucht es anatomisches Wissen über die Muskultur der Stimmgebung und deren Nervenversorgung. Das bedeutet, dass wir mit diesem Wissen auch die Kontrolle über unsere Stimme und dem Kehlkopf erlangen, so wie wir sie auch über unser Leben zurückerobern, wenn wir unser autonomes Nervensystem regulieren. Das hat nicht nur Auswirkungen auf unser Singen und Sprechen, dass damit mit weniger Aufwand und Druck geschieht, es hat auch Auswirkungen auf unsere Psyche, die primär auf unsere Stimme Einfluss hat. 

Frau Hammermeister erforschte nicht nur die Auswirkungen erster Kontakt- und Bindungserfahrungen auf unsere Stimme, sondern auch über die Parallelorgane des Stimmapparats und des weiblichen / männlichen Geschlechtsorgans (Beckenboden). So gibt es auch parallele Muskelsysteme zwischen der Hals- und Kehlkopfmuskulatur und des Psoasmuskels und der Beckenbodenmuskulatur. Den Psoasmuskel nennt man auch Traumamuskel. Hinzu kommt die Arbeit mit Reflexen, die unterdrückte Lebenskraft befreien kann.

Die ersten Kontakt- und Bindungserfahrungen bilden nicht nur das autonome Nervensystem, sondern auch die Stimme. So reagieren bestimmte Muskeln mit Kompensationen darauf, die zu Stimmproblemen führen können.

Ein individueller authentischer Klang ist erst möglich, wenn die Muskulatur der Stimmgebung gut trainiert ist und koordiniert zusammen arbeitet. So ist das auch mit dem autonomen Nervensystem. Erst dann beginnt die Kunst, die Freiheit einer Stimme oder das Spielen. 

Es gibt noch einen weiteren Aspekt der Polyvagaltheorie in der Gesangsarbeit. Es geht nicht nur um “genervte” Sänger, sondern auch um das Zusammenspiel. Kämpfen und bekriegen wir uns, wenn wir zusammen Musik machen, oder sind wir harmonisch und in einem guten Kontakt? Häufig herrscht in der Gesangsbranche oder bei Orchestern, Ensembles,… harte Konkurrenz. Ist das autonome Nervensystem im Kampf- Flucht- oder Erstarrungsmodus, dann bekämpfen wir uns und haben keine Verbindung zu uns selbst, zur Musik und den Mitmusikern. Kreatives Zusammenspiel,  Leichtigkeit und Freude, sind dann erst möglich, wenn wir entspannt sind und unser Nervensystem reguliert arbeiten kann. 

Den Zugang zu unserem stimmlichen und persönlichen Potential ist erst möglich, wenn wir eine gesunde und natürliche Stimmfunktion erlernt haben, die frei von Kompensationsmustern ist und dazu gehört auch zu wissen, an welchen Muskeln ich arbeiten muss, um meine Stimme zu regulieren. Es ist ein lösungsorientierter Weg, der dem Sänger oder dem Künstler zeigt, wie er welches Problem lösen kann. Er erhält somit die Eigenermächtigung zurück. Seine Handlungen sind wirkungsvoll und eine jahrelange Suche nach Lösungen für vielfältige Stimmprobleme haben hier ein Ende. 

Die Stimme ist dann frei. Es geht in der Kunst immer um die Freiheit eines Künstlers. Erst dann kann er wirklich künstlerisch schöpfen und wirken. Dazu braucht er ein Instrument, dass wirklich frei ist. Wenn der Sänger weiss, wie er sein Handwerk nutzen kann, stehen ihm alle Türen offen.

Zielgruppe: 
Die Fortbildung richtet sich an Sänger, Gesangspädagogen, Stimmbildner, Sprecher und Schauspieler. Der Fokus liegt auf der künstlerischen Praxis. Das Ziel ist die Kunst wieder mit der Spiritualität und regulierenden Aspekten (Selbstheilung) zu integrieren. Das war schon immer der Ursprung und die Aufgabe der Künste. 

Frauen, die am Stimmtrainingsprogramm teilgenommen haben, steht diese Fortbildung ebenfalls offen. 

Wer nicht künstlerisch tätig ist, jedoch Interesse an Stimmarbeit in Verbindung mit der Polyvagaltheorie hat und aus einem therapeutischen, pädagogischen, gesundheitlichem oder ganz fremden Berufsfeld kommt, erhält mit dem  Stimmtrainingsprogramm eine gute Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Fortbildung. Die Basiskurse I und II beinhalten ausschließlich theoretische Inhalte und sind auch für Interessierte offen. 

Die Fortbildung zählt als 2. Teil der Ausbildung in “Neuro-funktionale Stimmbildung” nach Iris Hammermeister. 

Die Fortbildung besteht aus 5 Teilen:

Basis-Kurs I

Inhalte:

Theorie:
Polyvagaltheorie nach Steven Porges.
Verbindungen zwischen Körper und Gehirn.
Traumaspuren im Gehirn, Körper und Geist.
Verlust des Selbstes / Ich.
Die eigene Stimme finden. 
Wie funktioniert das autonome Nervensystem?
Die Bedeutung des Vagusnervs. 
Reaktion der Psyche auf die Muskulatur und die Verbindung zum autonomen Nervensystem.
Auswirkungen auf Gesundheit und Immunsystem.
Die Existenz- und Bedürfnisphase nach Lisbeth Marche (Bodynamic).

Zielgruppe: Für alle Berufsgruppen geeignet, die sich für die Polyvagaltheorie interessieren

Hinweis: Dieser Kurs entspricht dem Tagesworkshop (online) “Die Polyvagaltheorie in der Stimmpraxis – Baiskurs I”. Dieser findet Live (online) statt. Hier geht es um theoretische Inhalte, nicht um praktische Stimmübungen! Dieser Tagesworkshop ist eine gute Einführung in das Thema.

Termin:
10.07.21

Der Tagesworkshop beginnt um 10.00 Uhr und endet um 18.00 Uhr.

Preis: 149,00 Euro Brutto

Basis-Kurs II

Inhalte:

Theorie:

Anatomie der Muskulatur für die Stimmgebung.
Kehlkopfinnervation: Das Arytaenoid-Muskelsystem / Cricothyreoid-Muskelsystem.
Welche Nerven versorgen die Kehlkopfmuskulatur und welche neuronalen Verbindungen gibt es zu den Gehirnarealen.
Der Einfluss von Frequenzen und Rhythmus auf Ohr und Haut, die das polyvagale Nervensystem beeinflussen.
Anatomie und Bedeutung der Mittelohrmuskulatur.
Anatomie und Bedeutung des Innenohrs.
Die Auswirkungen unserer ersten Kontakt- und Bindungserfahrungen auf Ohr und Stimme.
Bewusste Kontrolle über ein unwillkürlich arbeitendes Muskelsystem.
Zurückeroberung der Kontrolle und Eigenermächtigung.
Aktivierung des ventralen Vagusnervs.
Parallele Muskelsysteme und parallele Prozesse – Psoasmuskel

Hinweis: Voraussetzung Basis-Kurs I

Dieser Kurs entspricht dem Tagesworkshop (online) “Die Polyvagaltheorie in der Stimmpraxis – Basiskurs II.”

Zielgruppe: Für alle Berufsgruppen geeignet, die sich für die Polyvagaltheorie in Verbindung mit der Stimme interessieren.

Dieser Kurs ist ein Live Tagesworkshop (online). Hier geht es um theoretische Inhalte. 

Termin:
18.09.21

Der Tageworkshop beginnt um 10.00 Uhr und endet um 20.00 Uhr.

Preis: 199,00 Euro Brutto

Practitioner-Kurs I

Inhalte:
Umsetzung der theoretischen Inhalte in die Praxis.

Training der Muskulatur für die Stimmgebung.
Arytaenoid-Muskelsystem / Cricothyreoid-Muskelsystem Training in Verbindung mit den Vokalen.
Aktivierung und Energetisierung des ventralen Vagusnervs. 
Arbeit mit Reflexen.
Gestaute Energie wird befreit.
Rhythmus und Regulation.
Den Klang fühlen. 
Erhöhung der Lebenskraft und Klangenergie. 
Selbstregulation – Selbstorganisation der Stimme.
Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler /Co-Regulation

Hinweis: Voraussetzung Basis Kurs I & II

Zielgruppe: Sänger, Gesangspädagogen, Schauspieler, Sprecher und Stimmbildner

Der Kurs ist eine Live Online Veranstaltung. Es wird mit jedem Einzelnen gearbeitet. Die Teilnehmerzahl ist auf 8 TN begrenzt.

Termin: 
16.10. – 17.10.21

Der Kurs beinhaltet eine Veranstaltung von Freitag 10.00 Uhr – 17.00 Uhr und Samstag 10.00 Uhr – 16.00 Uhr.

Preis: 289,00 Euro Brutto

Ausgebucht! 

Die Basiskurse I und II stehen ab September als Streamingvideo zur Verfügung und sind daher ohne feste Termine verfügbar. Neue Termine für die Practitioner-Kurse gibt es ab Januar 2022. Diese stehen bald auf der Webseite.

Practitioner-Kurs II

Inhalte:
Umsetzung der theoretischen Inhalte in die Praxis.

Die Bedeutung des Hörens.
Die Feebackschleife zwischen Mittelohr und Kehlkopf. Eine unterbrochene Resonanz wird wieder hergestellt. 
Das Individuum und die authentische Stimme.
Der Künstler als Gefäß.
Das Safe and Sound Protocoll von Stephen Porges.

Hinweis: Voraussetzung Basis I & II und Practitioner I

Zielgruppe: Sänger, Gesangspädagogen, Schauspieler, Sprecher und Stimmbildner

Der Kurs ist eine Live Online Veranstaltung. Es wird mit jedem Einzelnen gearbeitet. Die Teilnehmerzahl ist auf 8 TN begrenzt.

Termine: 
11.12. – 12.12.21

Der Kurs beinhaltet eine Veranstaltung von Freitag 10.00 Uhr – 17.00 Uhr und Samstag 10.00 Uhr – 16.00 Uhr.

Preis: 289,00 Euro Brutto

Ausgebucht!

Masterclass

Die höchste Kunstform: Improvisation
Liedgesang.
Die Arbeit an mitgebrachten Liedern oder freier Improvisation.
Abschluss mit einem Streaming Konzert.

Hinweis: Voraussetzung Basis I & II und Practitioner I & II

Der Kurs ist eine Live Online Veranstaltung. Es wird mit jedem Einzelnen gearbeitet. Die Teilnehmerzahl ist auf 8 TN begrenzt.

Termin: 
12.02. – 13.2.22

Zielgruppe: Sänger, Gesangspädagogen, Schauspieler, Sprecher und Stimmbildner

Der Kurs beinhaltet eine Veranstaltung von Freitag 10.00 Uhr – 17.00 Uhr und Samstag 10.00 Uhr – 16.00 Uhr.

Das Streaming Konzert findet um 18.00 Uhr statt. 

Preis: 289,00 Euro Brutto

Ausgebucht!

Zusatzkurs
Optional

Inhalte:
Praktische Arbeit mit Ensembles, Orchestern, Chören.

Gemeinsam oder Gegeneinander?
Das kollektive Nervensystem.
Co-Regulation innerhalb einer Gruppe.
Musik ist Kommunikation.

Die Polyvagaltheorie in der Arbeit mit Gruppen

Zielgruppe: Chorleiter, Chorsänger, Bands, Ensembles, Mitglieder von Bands und Ensembles. 

Das ist eine Präsenzveranstaltung, die in der Landesmusikakademie Neuwied stattfindet. 

Ein Termin wird bekannt gegeben, sobald Präsenzveranstaltungen wieder möglich sind. 

Dieser Kurs findet von Freitag 18.00 Uhr bis Sonntag 14.00 Uhr statt. 

Preis: 330 Euro zzgl. Übernachtung und Verpflegung

Für Absolventinnen des Stimmtrainingsprogramms /Komplettbuchung

Komplettbuchung:

Iris Hammermeister

Iris Hammermeister ist klassisch ausgebildete Sängerin, Gesangspädagogin, Trauma- und Systemtherapeutin. Sie hat über viele Jahre erforscht, wie sich die ersten Kontakt- und Bindungserfahrungen auf unsere Stimme auswirken. Dazu gehörte auch die Polyvagaltheorie nach Steven Porges. Das autonome Nervensystem und die Ausbildung der Stimme können nicht voneinander getrennt werden. Sie sieht in diesem Wissen ein unglaubliches Potential für Sänger und Künstler den Weg in die Freiheit zu erlangen. 

Die Besonderheit ihrer Stimmarbeit ist nicht nur ihr feines Gespür und besondere (Hör) Wahrnehmung, auch ihr umfangreiches Wissen aus den verschiedenen Disziplinen der Stimmphysiologie, Pädagogik, Anatomie, Medizin. Neurobiologie, Psychotraumatologie, Entwicklungspsychologie,… führt sie zu einem Ganzen zusammen. Sie verbindet Wissenschaft und Praxis und ist eine gefragte Expertin. Ihre Seminare und Fortbildungen werden von Sängern aus dem In- und Ausland besucht.