Mißbrauch durchzieht unser System

Was mir auffällt
Ich gebe gerne mein Wissen weiter, weil ich es wichtig finde. Meine Arbeit, meine Methoden, wenn man sie überhaupt so nennen kann, habe ich über viel Forschung, Arbeit an mir, viele Aus- und Fortbildungen, fortwährendes Entdecken,… entwickelt. Ich habe viel Geld und Zeit in mein Wissen investiert, mache im Grunde immer eine Fortbildung oder bilde mich ständig weiter. Dieses umfangreiche Wissen kommt nicht einfach so oder von alleine, sondern braucht viel Einsatz und Energie. Ich bin eine Vorreiterin, eine Pionierin meiner Branche.

Mangelnde Wertschätzung und Respekt

Es ist eine heilige Arbeit, wie die vieler Menschen, die mit Menschen arbeiten. Sie fordert meine ganze Präsenz, meine ganze Hingabe an den Menschen, mit dem ich gerade arbeite. Ich stelle mich als Instrument zur Verfügung, muss gut für mich sorgen, mich ständig reinigen,…
Ich biete kostenfreie Webinare an, früher viele Seminare, empfangene Rituale,… und häufig bekomme ich mit, wie die Übungen aufgeschrieben werden, um sie dann in die eigene Stimm- oder Körperarbeit einzusetzen, ohne wirklich eine Ausbildung bei mir gemacht zu haben. Das mißfällt mir und manchmal überlege ich dann, eben diese kostenfreie Angebote einzustellen und nur noch die Ausbildungen anzubieten, einfach, weil es dieses umfangreiche Wissen braucht, um gut mit diesen Übungen umgehen zu können. Aber, es zeigt mir auch, dass die meisten Menschen den Respekt vor heiligen Ritualen oder dieser besonderen Arbeit, die ich nun mal anbiete, verloren haben und das ist nicht nur bei mir so, sondern zeichnet sich immer mehr ab in unserer schnelllebigen Gesellschaft, in der man mal schnell was mitmacht, um es dann hoffnungsvoll gewinnbringend in die eigene Arbeit einfließen zu lassen. Das passiert auch mit Aufstellungen oder Schwitzhütten. Da besuchen die Menschen 2 Schwitzhütten und bieten sie dann selbst an. Meine Arbeit basiert nicht auf verschiedene Übungen, sondern ist ein Lebenswerk, ein Entdecken wie die Natur, wie wir Menschen funktionieren.
Ich bin mit meinem Wissen immer großzügig umgegangen, aber der Umgang damit lässt mich nachdenken, ob ich das so beibehalten werde.
Es braucht diese lange Ausbildung bei mir, um gut mit diesen wirkungsvollen Übungen umgehen zu können.
Es ist mein geistiges Gut, dass ich gut behandelt wissen will. Es ist mein Heiligtum, mein Schatz, welchen ich hüte und beschützen möchte, vor allen Dingen vor Mißbrauch.

Anfragen, die den Markt und das System spiegeln

Ja, es stimmt, dass meine entwickelte Stimmbildung Traumata auflösen kann. Das tut auch jede andere Stimmbildung, die den Körper miteinbindet und den Klang nach Innen führt. Es gibt auch andere ganzheitlich entwickelte Stimmbildungs- oder Gesangsmethoden, die diese Wirkung haben. Der Fokus meiner Arbeit liegt jedoch nicht darauf, Traumata zu lösen, sondern die Selbstorganisation der Stimme anzuregen, damit die Person leicht und frei singen und schwingen kann. Dass Stimmbildung letztendlich mehr als Stimmübungen sind, weiss jeder Stimmbildner, der sich mit Persönlichkeitentwicklung beschäftigt. Die Wirkungskraft von Stimmbildung wird völlig verkannt. Sie hat auch keinen sensationellen Namen und wird einfach profan Stimmbildung genannt, ohne den Zusatz Therapie etc., dabei ist sie oftmals viel wirkungsvoller, als Therapie. Ich erhalte häufig Anfragen von Frauen, die ihre Traumata aus der Kindheit heilen wollen und nach Einzelstunden fragen. Auch mit der Erwartung, dass es dann max. 3 Stunden, manchmal auch 1 Stunde reichen soll. Schnelle Lösungen werden gesucht. Wenn man über viele Jahre viel ausprobiert hat und sich noch in der Wiederholungsschleife bewegt, ist das auch nachvollziehbar. Erwartet wird auch, dass ich das Trauma löse, da ich schließlich viel Erfahrung und Wissen mitbringe. Dazu möchte ich sagen, dass meine Arbeit nicht den Fokus hat Traumata zu heilen. Das ist ein Nebengeschehen. Mein Fokus liegt auf Klang, auf die Selbstorganisation der Stimme, auf kreativen und künstlerischen Ausdruck. Ich biete keine Therapie an, sondern Stimmbildung. Ich kann sowieso keine Traumata für andere auflösen. Das kann nur Jeder / Jede selbst für sich tun.

In unserem Heilungsmarkt werden oft schnelle und einfache Lösungen verkauft. Möglichst Lösungen, wo der andere nichts tun muss, sondern man konsumieren kann. Am besten man kauft ein paar Kurse, lässt sich besingen oder Hände auflegen. Ich glaube nicht an diese Art der Heilung. Es ist eine alte Form der Heilkunst und entspricht nicht mehr dem neuen Paradigma. Wir müssen einfach selbst tun, unsere Komfortzone verlassen, Eigenveratwortung zeigen. Das ist leider mit viel Arbeit verbunden und auch unbequem, aber daran erkennt man auch, wer wirklich will. Es braucht das richtige Einlassen, letztendlich auf sich selbst. In der Gesangsbranche werden derzeit auch viele Methoden verkauft, die schnelle Lösungen versprechen, Kurzausbildungen, die mit Druck arbeiten. Dass wir so laut und kräftig singen können, stelle ich nicht in Frage, sondern, welche Langszeitfolgen werden diese schnellebigen Gesangsmethoden mit sich bringen? Auch hier, es muss schnell gehen und darf nicht viel kosten.

Kreativer und künstlerische Ausdruck

Darum geht es in meiner Arbeit und so ganz nebenbei, heilt er auch unsere größten Wunden, ohne den Fokus darauf legen zu müssen. Ich glaube einfach, dass unsere größten Wunden in unserem kreativen Ausdruck liegen. Wir wurden so zurechtgestutzt, dass uns Kreativität, Freiheit, Authentizität und Indvidualität abhanden gekommen sind und das macht auf Dauer einfach krank. Eine Folge dieses Zurechtstutzens ist auch der verlorene Zugang zum eigenen Körper. Die Massenanpassung an das System geschieht in allen Lebensbereichen und macht auch vor der künstlerischen Branche keinen Halt. Solange wir die Künste von Therapie oder Heilungsarbeit trennen und dies sich in Bezeichnungen wie Musiktherapie, Kunsttherapie, Heilgesang,… ausdrückt, haben wir immer noch vergessen, welche ursprüngliche Aufgabe die Künste mitbringen.

In meinen Seminaren oder auch in den Fort- und Ausbildungen erkenne ich viele Sängerinnen, die in der Tiefe ihres Herzens Sängerinnen sind, jedoch psychotherapeutisch arbeiten und ausgebildet sind. Der Gesang oder die Künste öffnen das Tor zu unserem eigenen Licht und die Berührung mit unserer Essenz. Das ist das, was letztendlich heilt. Wenn dieses Licht oder die Liebe wieder fließen kann. Die Aufgabe der Künste ist es, den göttlichen Funken zum Ausdruck zu bringen, das was wir wirklich sind. Wenn wir dann noch unseren Körper einbinden, ihn als Instrument betrachten, als Gefäß der Schöpfung, dann werden wir selbst zu Schöpferinnen. Ich sehe unseren Körper als Bewahrer und Beschützer unseres Lichtes. Wir erschaffen bei der verkörperten Improvisation – Improphysis jeden Augenblick neu, sind im Hier & Jetzt. Das ist die Königsdiziplin, die absolut größte Kunst und stärkste Kraft, die höchste Form künstlerischen Wirkens.

Copyright Iris Hammermeister