Das Institut für angewandte Improphysis®

Das Institut für angewandte Improphysis® wurde von der Sängerin, Gesangspädagogin, Trauma- und Systemtherapeutin Iris Hammermeister gegründet.

Die technischen Errungenschaften der vergangenen Jahre führten dazu, dass Menschen immer mehr als Maschinen betrachtet und behandelt wurden. Dies führte dazu, dass sich immer mehr Menschen von ihrer wahren Natur entfernten, ebenso von der natürlichen Stimmfunktion. Es folgte eine Entfremdung. Dazu gehört auch die Stimme, die weiter wegrückte. Der Mensch und die menschliche Stimme werden immer noch nicht, als ein ganzheitliches Körper-Geist-Seele System betrachtet. So werden in der Gesangspädagogik auch nur Teile eines Menschen angesprochen. 

Das Spezialgebiet von Iris Hammermeister war es als Trauma- und Systemtherapeutin die Auswirkungen der beiden Weltkriege auf unsere Stimme zu erforschen. Sie widmete sich intensiv der transgenerationalen Traumaweitergabe und stellte fest, dass es auch in der Kultur- und Musikbranche erhebliche Einflüsse gab. Prof. Dr. Wolfgang-Andreas Schultz beschreibt in seinen Fachartikeln und Büchern sehr eindrücklich, welchen Einfluss die beiden Weltkriege auf unsere kulturelle Entwicklung hatte. Künstler nach dem 2. Weltkrieg zeigten eine Art Verpanzerung und hatten nicht mehr die Verbindung zur Musik, weil sie sich immer mehr als getrennt von ihrer wahren Natur betrachteten. So entstand eine Musik, die eher verkopft, akademisiert und distanziert wurde. Die Spiritualität und transformierende Kraft der Musik wurde vergessen.

Unser geschichtliches Erbe zeigt sich in einem Menschenbild und einer Gesangspädagogik, die die Stimme getrennt von der Körper-Geist-Seele Einheit betrachtet. Das Individuum mit seinem wahren Selbst wurde verbannt. So versucht man die Stimmen der Sänger an ein gängiges Schönheitsideal anzupassen und achtet weniger auf den ganz eigenen individuellen Klang. Hier stellt sich die Frage nach einer Identität. Womit identifiziert sich ein Sänger? Was geschieht, wenn er sich an äußere Erwartungen anpasst? In der Gesangspädagogik finden die Auswirkungen der beiden Weltkriege keine Berücksichtigung. Wenn Sänger jedoch berichten, dass sie keinen Zugang mehr zu ihrer Stimme bekommen und das Gefühl haben gegen gläserne Mauern zu singen, dann stehen wir genau den Auswirkungen der beiden Weltkriege gegenüber. 

Hinzu kommt, dass die Kreativität und Schönheit aus der Musik verschwunden ist. Nicht nur das, Sänger können kaum noch fühlen, was sie singen, geschweige denn, mit einem verbundenen Herzen singen. Sie sind letztendlich auf der Suche nach einer Verbindung zu sich selbst und da können wir die spirituelle Dimension der Kunst nicht außen Acht lassen. Jeder Sänger entscheidet sich aus Liebe zu seinem Beruf. Er steckt jedoch oft in dem Dilemma, dass er diese Liebe nicht leben und zum Ausdruck bringen kann. Die Abhängigkeit zu Wirtschaft und Staat mit den damit verbundenen kommerziellen Interessen, lässt jede künstlerische Freiheit im Keim ersticken.

Iris Hammermeister sieht die Lösung in der Polyvagaltheorie, die von Stephen Porges entwickelt und 1994 bekannt gemacht wurde. Stephen Porges hat entdeckt, dass das autonome Nervensystem evolutionsbedingt einen weiteren Nervenstrang hinzubekommen hat, welcher entscheidend für all die beschriebenen Themen ist. Dieser ist für Bindung, Sicherheit, Kontakt, Empathie,… zuständig und bei den meisten Menschen nicht aktiv, so dass sie in der Regel ein dysreguliertes autonomes Nervensystem haben. Das autonome Nervensystem wird in den ersten Lebensjahren anhand der gemachten Erfahrungen in unserem Umfeld, gebildet. Zudem versorgt dieser Nervenstrang genau die Muskeln, die wir für die Stimmfunktion brauchen. Autonomes Nervensystem und Stimmfunktion sind also symbiotisch miteinander verwoben, was die Chance einer Regulation in sich birgt. Dazu braucht es das Wissen, welche Auswirkungen die ersten Bindungs- und Kontakterfahrungen auf unsere Muskulatur haben, die auch unsere Stimmfunktion beeinflussen. 

Gesang und Sprache ist ein umfangreicher Vorgang, der Wissen aus den verschiedenen Disziplinen fordert. Dem hat Iris Hammermeister Rechnung getragen und eine Stimmarbeit entwickelt. Sie schlägt die Brücke zu den verschiedenen Disziplinen der Entwicklungspsychologie, Psychotraumatologie, Mystik, Medizin, Polyvagaltheorie, Neurobiologie, Stimmphysiologie und Gesangspädagogik. Sie führt Sänger, Musiker und Laien mit ihrem einzigartigen Wissen, außergewöhnlichem Hörvermögen und Wahrnehmungsgabe, zurück zu einer tiefen Anbindung an ihre Stimme, ihrem Selbst und ihrem Potential.

Welche Haltung und Philosohie verbirgt sich hinter dieser Stimmlehre?

Bei der Stimmbildung nach Iris Hammermeister erfolgt eine differenziert geführte Stimulation, um eine Beziehung zum Klang-, Körper- und Nervensystem aufzubauen, die die Erweiterung der individuellen Wahrnehmungsfähigkeit entwickelt. Dabei spielt die Verfeinerung der Hörwahrnehmung, der Entwicklung des Klangpektrums und die Reaktionsfähigkeit des Körpers auf den Klang eine wichtige Rolle. Klang-Rückkoppelungen haben dabei einen zentralen Stellenwert. Das Ermöglichen von Klang-Vibrationen im Körpergewebe leitet die Selbstorganisation der Stimme und des ganzen Körpers. Es geht dabei immer um Prozesse und Erfahrungen bzw. die Beschreibung des Erlebten. So entsteht eine innere Orientierung auf deren Basis ein ständiges Weiterarbeiten und Weiterentwickeln möglich ist. Je tiefer wir in diese inneren Räume eintauchen, desto näher sind wir unserer Essenz oder dem wahren Selbst.

Das Lernen geschieht hauptsächlich über die Stimulation der Sensomotorik. Dabei geht es darum weniger zu TUN oder zu MACHEN, vielmehr darum Wahrzunehmen, zu fühlen und zu hören. Es ist eine Entdeckungsreise zu sich selbst. Wo begrenze ich mich durch Gewohnheiten, durch Zurückhaltung oder Leistungsdruck?

Die Stimmbildung basiert auf Erfahrungen. Das bedeutet, dass der Sänger in einen Prozess von Erfahrungen geführt wird, in dem Lernen nicht mit Aneignung von Wissen zu tun hat, sondern durch erlebbare Erfahrungen gelernt wird. Das Lernen lehrt sich quasi selbst. 

Bei der Stimmbildung nach Iris Hammermeister geht es nicht um eine Gesangstechnik, keine Optimierungsstrategie oder gesangsästhetische Ausrichtung. Vielmehr geht es darum die Entfaltung der Stimme anzuregen, ohne Anstrengung und Leistungsdruck. Sie beinhaltet musikalisches bzw. künstlerisches Denken. Das bedeutet neues Sehen, aus etwas Bekannten hinauszutreten, so dass ein Prozess geöffnet wird. Dazu gehört, dass die Einzigartigkeit eines jeden Künstlers ausgedrückt wird und diese aus dem wahren Selbst herauskommt. In dieser Stimmarbeit geht es nicht nur darum Gefühle auszudrücken, sondern in tiefere Räume einzutauchen, in dem die eigene Geschichte, die Emotionen, die mit Erinnerungen gekoppelt sind, keine Rolle mehr spielen. Es bedarf hier wesentlich mehr Tiefe und den Mut sich auf unbekanntes Terrain einzulassen. Es ist eine Reise zurück zu unserem Ursprung.

Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist hier elementar, denn es bedarf von beiden Seiten ein tiefes Einlassen auf das Unbekannte, welches die Schönheit einer jeden Kunst erst möglich macht. In diesem Unbekannten, diesem Geheimnis finden wir unsere wahre Natur, nach der wir uns alle sehnen. Hier braucht es ein gutes Gespür von Seitens des Lehrers, wann er in einen Prozess eingreift und wann er Impulse setzt. Es ist ein Prozess des Loslassens aller Konditionierungen und auch Wissen. Das ist für studierte Sänger nicht ganz einfach, weil sie sich von Vielem, was sie sich mühevoll antrainiert haben, wieder verabschieden müssen. Die große Kunst eines Lehrers ist es, den Schüler immer wieder in die Freiheit zu führen, damit er sich in seinem Spiegel selbst erkennen kann. In dieser Freiheit kann der Schüler eigene Programme und Muster selbst entdecken und taucht gemeinsam mit dem Lehrer in tiefere Schichten, wo er seinem wahren Selbst begegnet. Genau dort befindet sich unsere Stimme, die bereits perfekt in uns angelegt wurde, nur keinen Raum bekam sich zu entfalten und zu wachsen.

In den meisten Gesangsmethoden wird an den Konditionierungen bzw. am falschen Selbst gearbeitet. Das betrifft auch Programme aus der Hypnotherapie oder dem NLP. Diese halten ein paar Jahre an und müssen dann wieder erneuert werden. Diese Stimmlehre hingegen, führt in tiefere Schichten, die unterhalb der Konditionierungen sitzen und die das Gefühl von Trennung aufhebt. Somit haben Sänger dann nicht mehr das Gefühl gegen „gläserne Mauern“ zu singen, weil sie mit ihrem wahren Selbst verbunden sind. Die einzigartige und authentische Stimme befindet sich im wahren Selbst, auch das Potential eines ganzen Menschen. 

Die Physiologie spielt eine wichtige Rolle in der Stimmbildung, reicht aber nicht aus, um tiefe psychische Strukturen zu verändern bzw. Verlorenes wieder zu integrieren. Wichtige Kenntnisse der Entwicklungspsychologie und der Polyvagaltheorie nach Stephen Porges sind elementar, um den Sänger in sein wahres Selbst zu begleiten. Die Regulation des autonomen Nervensystems ist die Basis aller Veränderungs- bzw. Entfaltungsprozesse, da die Stimme sich selbst erst entfalten kann, wenn der Vagusnerv aktiviert wird. Die Aktivierung des ventralen Vagusnervs spielt in dieser Stimmlehre ebenso eine wichtige Rolle, wie die Arbeit mit den Muskelsystemen und dem faszialen Gewebe. Die Stimme ist ein selbstregulierendes System. So sind auch alle Körperfunktionen, als auch unsere Natur selbstorganisierte Systeme, die wieder aktiviert werden können, wenn wir nicht in regulierende Prozesse eingreifen, sondern dem System genügen Freiheit und Impulse geben, sich selbst zu regulieren. Darin liegt die Kunst in dieser Stimmlehre, die ein sehr gutes Gehör und Gespür für den Klang und den Sänger braucht, um ihn individuell begleiten zu können. 

Letztendlich geht es darum, den Schüler in die Freiheit zu begleiten, in dem alte Konditionierungen nicht mehr wirken. Somit befreit der Sänger sich selbst, seine Stimme und den Klang / Ton.