Heilung der Mutterwunde über die eigene Stimme
In dem Interview „Emanzipation mal anders betrachtet“ beschreibt Apotheker Carsten Pötter seine Sicht auf Frauenleiden und deren Hintergründe, die sich ganz augenscheinlich nicht auf „aus dem Ruder gelaufene Hormone“ reduzieren lassen . Iris Hammermeister sieht das ähnlich. Sie absolvierte klassische Ausbildungen in Klavier, Violine, Gesang, Gitarre und Flöte. Zudem ist sie Pädagogin und Wirtschaftsinformatikerin. Ihr eigener Prozess schließlich führte sie an Themen wie Trauma und ungelebte Weiblichkeit heran. Stetige Weiterbildungen rund um Stimmbildung, ganzheitlichen Gesangsunterricht sowie körperorientierte Traumaarbeit und systemische Familientherapie trugen zu einem umfassenden Wissen über Körper, Geist und Seele des Menschen bei. Die Bedeutung von transgenerationalen/transgenerationellen traumatischen Erfahrungen in der Kausalkette von Erkrankungen gehört zu ihren Forschungsgebieten. Iris Hammermeister ist seit Jahren als Therapeutin, Dozentin, Autorin von Fachartikeln und Veranstalterin von Seminaren tätig. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Auseinandersetzung mit der „Mutterwunde“. Was sie darunter versteht, welche Schlussfolgerungen sie aus ihrer umfassenden Arbeit mit Menschen zog, und was die eigene Stimme als therapeutisches Mittel bewirken kann, ist der Themenschwerpunkt dieses Beitrages.
FRIEDA im Gespräch mit Iris Hammermeister
FRIEDA:
Wie kamen Sie von der Wirtschaftsinformatik zu dem , was Sie heute machen?
Iris Hammermeister:
Die Wirtschaftsinformatik war das Ausleben meiner Begabung mit Zahlen. Häufig haben musisch begabte Menschen ja auch mathematische Fähigkeiten. Ich nutzte diese Kenntnisse eher im Bereich der Existenz- und Unternehmensberatung, die ich im Auftrag von Arbeitsagenturen durchführte. Als ich sehr erfolgreich war, gab es traumatische Erlebnisse, die dazu führten, dass ich krank wurde und mein Leben hinterfragte. Trotz vieler Erfolge spürte ich eine Leere und war nicht wirklich glücklich. Materielle Güter führten nicht zu einer Zufriedenheit, wie ich zunächst gedacht hatte. Da fragte ich mich, was noch im Leben kommen muss, damit ich zufriedener werde, denn die Bestätigung und Anerkennung meiner Arbeit reichte nicht aus. Ich arbeitete immer mehr. Irgendwann rutschte ich in einen Burnout und war völlig erschöpft. Dann machte ich einen Schnitt und gab alles auf. Nicht freiwillig, ich konnte nicht mehr, mein Körper war am Ende. Ich erkannte, wie sehr ich mich mit der Rolle der erfolgreichen Unternehmerin identifizierte und glaubte zu sterben, wenn ich das alles aufgäbe. Es war eine harte Zeit der Erkenntnis der Illusionen, die mir bewusst wurden.
FRIEDA:
Sie haben sich intensiv mit Traumata beschäftigt, ein Thema, das meiner Ansicht nach viel zu wenig bei der Diagnostik von seelischen und körperlichen Problemen in Betracht gezogen wird. Wie Sie im Vorgespräch erwähnten, begann die Auseinandersetzung damit bei Ihnen mit dem Thema Kriegs-Trauma. Nicht nur aus der familiensystemischen Aufstellungsarbeit ist ja heute bekannt, dass traumatische Erfahrungen von Generation zu Generation weitergegeben werden können. Was haben Sie dazu herausgefunden?
Iris Hammermeister:
Ich war ein sehr lebendiges, wildes und lachendes Kind, das voller Lebensfreude war. Dann gab es mit ca. vier Jahren einen Bruch in meinem Leben und ich verstummte. Mir sind zwei Brüche im Laufe des Lebens wieder passiert. Bei einem ging es um meine erste große Liebe und beim anderen um eine
berufliche Erfahrung, die mir passierte, als ich sehr erfolgreich war. Bei beiden Brüchen kam es zu körperlichen Symptomen. Beim ersten Bruch rutschte ich in eine Schilddrüsenunterfunktion und beim zweiten brach eine Hashimoto Thyreoiditis bei mir aus. Es hatte bei allen Brüchen immer mit Verrat zu tun. Ich kann mich erinnern, wie mein Körper förmlich erstarrte. Auch schon als vierjähriges Kind gab es eine Situation, die so traumatisch war, dass ich mich noch an den Schock in mir erinnere.
Immer wenn ich laut und lebendig war, auch erfolgreich als Unternehmerin, habe ich von meinem Umfeld eine „Ohrfeige“ bekommen, so als ob ich keine Freude empfinden oder keinen Erfolg haben darf. Hinzu kamen Verhaltensweisen und Empfindungen, die mir aufgefallen waren. Beispielsweise einen Angst vor Hunger, so dass ich Konserven hortete und auch Lebensmittel wegwerfen musste, weil ich sie vergaß und nicht nutzte. Bis heute gibt es in mir das Gefühl, dass ich da, wo ich lebe, nicht bleiben kann, und immer auf der Suche nach einem neuen Platz bin. Meine Brüche haben dazu geführt, dass ich mich auf die Suche nach meiner eigenen Familiengeschichte begab. Ich hatte über viele Jahre keinen Kontakt zu meinem Vater. Er existierte quasi nicht in meinem Leben. So nahm ich Kontakt zu ihm auf und besuchte ihn regelmäßig. Er erzählte viel von seinen Kriegserlebnissen, davon, dass er hungern und als kleiner Junge mit seiner Familie aus Westpreußen flüchten musste. Ich träumte manchmal Szenen von Flucht, die ich selbst nicht erlebt hatte, die mir jedoch sehr nachgingen. Es waren Szenen, die mein Vater mir dann später erzählte, die er erlebte! Da ich schon immer eine Suchende war und den Dingen auf den Grund gehen will, machte ich mir Gedanken, was wohl mit all den Soldaten des 2. Weltkrieges passiert ist, die den Krieg überlebt haben und zurückgekommen sind. Ich fragte mich, wo all diese traumatischen Erlebnisse geblieben sind. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Literatur oder Forschungsergebnisse finden und war sehr überrascht , dass es dazu nichts gab und die Soldaten wohl sich selbst überlassen wurden. Jahre später gab es dann Bücher von Sabine Bode oder Fachtagungen zu Traumata, auch Ausbildungen. Zu meiner Zeit der Ausbildung in Familientherapie waren Traumata oder die transgenerationale Weitergabe von Traumata kein Thema. Noch später dann wurden Bücher von Prof. Dr. Franz Ruppert veröffentlicht, der viel über die mehrgenerationale Psychotraumatologie geschrieben hat, etwa auch über das Symbiosetrauma. Endlich bestätigten sich meine Ahnungen und ich selbst erkannte mich mit meinen Symptomen und Mustern wieder und der großen Schwierigkeit, ein autonomes Leben zu führen. Ich erkannte mein Überlebensmuster und mein Symbiosetrauma. Es war ein langer und schmerzvoller Weg der Erkenntnis auf der Suche nach mir selbst. Ich verließ meinen Wohnort, zog in die Eifel, weit weg von meiner Mutter, und brauchte Ruhe und Erholung, weil ich in all den Jahren des vielen Arbeitens und Flüchtens in diesen Burnout rutschte. Ich hatte einfach das Gefühl, wenn ich jetzt nicht gehe , dann werde ich von meiner Mutter völlig aufgefressen und verschwinde ganz. Ich las Bücher von Alice Miller „Das Drama des begabten Kindes“ und nahm mir endlich Zeit für mich selbst. Ich wollte herausfinden, was mir meine Krankheit sagen möchte, was ich überhaupt im Leben möchte und warum ich hier bin.
Irgendwann wurde mir bewusst, dass meine therapeutische und sozialpädagogische Arbeit die Fortführung meines Überlebensmusters war. Für andere zu sorgen, Dinge zu regeln und sich selbst völlig aus dem Blick zu verlieren war das Eine. Das Andere war, dass ich diesen Job auch machte, um Liebe und Anerkennung zu bekommen, letztendlich von meinen Klienten. Liebe und Anerkennung, die ich mir im Grunde von meinen Eltern gewünscht hatte. Damit wurde mir bewusst, dass ich versuchte, einen scheinbaren Mangel aufzufüllen und ich damit etwas ersehnte, was ja auch meine Klienten suchten und von mir haben wollten – letztendlich eine Mutter. In der Mutterrolle war ich gut und geübt, hatte ich schließlich von Kindesbeinen an die Mutterrolle für meine Mutter eingenommen. Schmerzlich war für mich zu erkennen, dass ich meine Klienten damit missbrauchte und die Beziehung zu ihnen abhängige Muster zeigten, letztendlich symbiotische Muster. Ich konnte daher die Arbeit nicht mehr fortführen und wollte aus dem helfenden Bereich aussteigen. Ich wiederholte mit meinen Klienten mein Symbiosetrauma, letztendlich wiederholten auch meine Klienten ihr eigenes Symbiosetrauma
mit mir. Ich begab mich auf der Suche nach Heilung und probierte alles aus, was der esoterische, aber auch der sonstige alternative Markt so hergaben. Egal ob nun Schulmedizin, Psychotherapie, Geistheilung, energetische Heilweisen, Homöopathie – ich weiß nicht mehr, was ich alles ausprobierte, doch es half nur vorübergehend. Heute weiß ich auch warum. Im helfenden Bereich arbeiten sehr viele Menschen, insbesondere Frauen, die vom Symbiosetrauma betroffen sind, es selbst jedoch nicht wissen. Es gibt kein Bewusstsein über Trauma oder die transgenerationale Weitergabe von Traumata. Häufig suchen Menschen in helfenden Bereichen selbst Heilung. Es gibt in der Gesellschaft auch kaum ein Bewusstsein über den Körper und über die Weitergabe traumatischer Erlebnisse über unsere Gene, über neurobiologische Zusammenhänge, über Körperweisheit und Körperwissen (…). Der Körper wird oftmals vergessen, gerade im spirituellen oder esoterischen Bereich, was wiederum ein typisches Symptom für Trauma ist. Es werden gute Gefühle verkauft oder Methoden, die Heilung versprechen – und man merkt nicht, dass die meisten Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, oft nicht wissen, was sie tun, und was Heilung eigentlich bedeutet. Dazu könnte ich noch vieles schreiben, denn auch im sogenannten alternativen Heilungsmarkt werden vermännlichte, patriarchale Muster deutlich, die nicht zur Heilung führen können, wenn man begreift, woher Krankheit kommt.
Wichtige Schritte auf meinem Heilungsweg waren eine Entgiftung, eine körperliche Reinigung, die ich über sechs Jahre ayurvedisch durchführte. Hinzu kam das Singen, eine physiologische Stimmbildung des Lichtenberger Instituts für angewandte Stimmphysiologie, die die Selbstregulation meines Körpers wieder in Gang brachte.
FRIEDA:
Was haben gerade Schilddrüsen- und Autoimmunerkrankungen, die ja eklatant zugenommen haben, denn mit intergenerationellem Trauma und ungelebter Weiblichkeit (der Mutter) zu tun?
I. H.:
In meiner Arbeit konnte ich bei Frauen, die Schilddrüsen-, Autoimmunerkrankungen oder Krebs haben, immer eine Verbindung zu traumatisierten Familiensystemen ziehen. Chronische Erkrankungen nennt man auch Systemerkrankungen. Es ist der ganze Mensch erkrankt, wobei ich Krankheit als solche auch noch anders definiere. Wenn wir nicht nur den Körper, den Geist und die Seele als ein System betrachten, sondern auch Familien als ganze
Systeme oder die Gesellschaft, dann drückt das für mich sehr deutlich aus, dass es sich um kranke Systeme handelt, die der Körper oder die Seele  versucht über Krankheiten auszudrücken. Letztendlich ist Krankheit immer ein Versuch etwas zu heilen, oder auf ein Ungleichgewicht hinzuweisen.

Bei all diesen Erkrankungen konnte ich immer eine schwierige Verbindung zur Mutter feststellen bzw. traumatisierte Mütter, die keine Verbindung zu sich selbst hatten aufgrund ihrer eigenen Traumatisierung oder des traumatisierten Familiensystems. Wenn Mütter keine Verbindung zu sich selbst haben und sich abgetrennt erleben, dann können sie auch keine emotionale Bindung zu ihrem Kind aufbauen. Letztere ist jedoch für ein Kind lebensnotwendig, so dass diese Bindungsstörung schon früh zu einem Überlebenskampf des Kindes führt. Wenn ein Kind kein Gegenüber hat, weil die Mutter emotional nicht anwesend ist, dann läuft es mit seinen Handlungen immer ins Leere. Für die eigene Entwicklung braucht es jedoch einen Spiegel, ein Gegenüber. Diese Kinder fühlen sich in ihrer Existenz oft bedroht, sehr einsam und verlassen. Der Körper führt ein Notfallprogramm aus und versucht das Überleben zu sichern. Das bedeutet schon sehr früh im Leben eines Kindes chronischen Stress, letztendlich chronische Traumatisierungen und Überlebensstrategien. Das ganze System dieses Menschen steht unter Stress und das über viele Jahre. Heute weiß man, dass die Hauptursache für Krankheiten Stress ist. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen konnte ich immer diesen Stress in ihrem System spüren, wobei ja auch Diagnosen alleine Stress bedeuten. Spürbar sind für mich auch immer ganz große Ängste, Sterbensängste, Angst vor dem Alleinsein, Versagensängste und eine chronische Anspannung. Die Angst vor dem Tod ist oft ausgeprägt, sicher auch, weil dieser Mensch schon früh sein Überleben sichern musste und die Situation ja tatsächlich lebensbedrohlich war. Menschen mit Krebs haben häufig schon Jahre vor dem Krebs häufig Angst vor Krebs gehabt. Diese Menschen bleiben in ihrem Überlebensmodus. Jedoch hat man ja auch erforscht, dass Traumata über die Gene weitergegeben werden und die Erfahrungen und Muster der letzten drei Generationen in unserem Körper gespeichert sind. Das bedeutet, dass bereits im Mutterleib oftmals schon Überlebensinformationen über die Gene im Körper des Kindes angelegt wurden. Das bedeutet ferner, dass man mit bestimmten Informationen auf die Welt kommt und eine traumatisierte Mutter, die ebenfalls im Überlebensmodus weilt, nicht in der Lage ist, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen – und so wiederholt sich das Bindungstrauma von Generation zu Generation. Wenn wir nun die deutsche Geschichte anschauen wird deutlich, dass beispielsweise in meiner Generation (ich bin 1967 geboren) der 1. und 2. Weltkrieg in meinen Zellen gespeichert ist. Wenn ich Deutschland betrachte, dann sehe ich eine kollektive Traumatisierung. Zum Überleben gehört, dass man das Fühlen unterdrückt und sich tot stellt. Wenn nun Kinder sehr lebendig und lebensfroh waren und sie vor Lebensfreude strotzten, ist das für eine traumatisierte Mutter nicht auszuhalten, weil sie dadurch an ihre verlorene Lebendigkeit und Freude erinnert wird. Mir wurde als sehr wildes Kind schnell meine große Lebendigkeit und Freude ausgetrieben, bis ich verstummte und aufgab. Dass ist mir im späteren Leben immer wieder passiert, wenn ich mich zeigte, erfolgreich, lebensfroh und stark, gab es immer Personen, die versuchten, mir dieses zu nehmen, bis ich dieses Muster selbst fortführte und mir selbst meine Freude nicht gestattete oder boykottierte. Es ist ein innerliches Sterben und Erstarren. Da spielt die Mutter eine erhebliche Rolle, denn Kinder sind immer solidarisch zu ihren Eltern. Kinder lieben ihre Eltern bedingungslos. Kinder spüren den Schmerz ihrer Eltern und versuchen, diesen für sie zu tragen, denn sie haben Angst, ihre Mutter oder ihren Vater zu verlieren. Töchter haben häufig Loyalitätskonflikte und Probleme damit, erfolgreicher, schöner oder glücklicher zu sein als die Mutter. Es ist ein absolutes Tabuthema, aber unbewusst gibt es eine Konkurrenz zwischen Mutter und Tochter. Oftmals auch Neid und Missgunst der Mutter gegenüber der Tochter, die sie nicht freilässt und es kaum zulassen kann, dass die Tochter nun das Leben führt, was sie selbst gerne geführt hätte. Mütter geben unbewusst patriarchale Muster, eine Unterdrückung und Abwertung des Weiblichen, an die Töchter weiter, dahinter steckt die eigene Mutterwunde. Zu diesem Thema werde ich später noch etwas sagen, denn es ist ein geschichtliches Thema, welches zu Kriegen und Krankheiten führt, denn Krankheit ist letztendlich nur der Ausdruck von Krieg gegen das Leben und Lebendige, der in uns tobt. Die Schilddrüse ist eine Evolutionsdrüse, die Drüse der Reifung und des Wachstums. Frauen, die mit Schilddrüsendysfunktionen zu tun haben, waren als Kind häufig in der Mutterrolle ihrer Mutter. Das trifft auch auf Frauen mit Krebs zu. Diese Kinder versorgen ihre Mütter emotional und stellen ihre eigene Entwicklung oder ihre eigenen Bedürfnisse völlig hinten an.

Das hat zur Folge, dass diese Kinder nicht wirklich eine Kindheit hatten und sehr überfordert waren. Später sind diese Kinder emotional ausgehungerte Menschen, die nicht gelernt haben, gut für sich selbst zu sorgen. Immer gibt es abhängige symbiotische Beziehungsmuster und die ewige Suche nach Anerkennung und Liebe. Oftmals sind diese Frauen in helfenden Berufen, weil sie ja früh gelernt haben, Mutter zu sein. Die Schilddrüse hat aber auch mit Weiblichkeit zu tun, mit Ausdruck und mit dem Aussprechen der Wahrheit. Diese Frauen haben ihr Leben lang andere versorgt und ihre eigenen Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse runtergeschluckt. Sie haben geschwiegen, sind verstummt und gerade für diese Frauen ist es wichtig, dass sie ihre Lebendigkeit wieder entdecken und ausleben. Oftmals konnte ich feststellen, dass diese Frauen, wie ich selbst auch, ganz wilde und lebendige Kinder waren, die verstummten. Wenn man bedenkt, dass die Stimmbänder direkt an der Schilddrüse liegen, wird deutlich, wie wichtig das Singen oder das
Tönen für diese Frauen ist. Nicht nur die physiologische Lage erklärt dies, sondern mit dem Singen und Tönen geben sie all dem Hinuntergeschluckten eine Stimme. Es geht zunächst darum, die männliche Seite zu lernen, also NEIN sagen zu lernen, sich abzugrenzen, etwas nach außen zu bringen. Bei chronischen Krankheiten, häufig auch bei Schilddrüsenerkrankungen, gibt es eine Abwertung des Weiblichen, sexuelle Gewalt im Familiensystem. Die Schuldmedizin arbeitet bei einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei Hashimoto in der Regel mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen. Eine Schilddrüse, die nicht mehr genügend Hormone produziert, stellt wegen einer Überforderung irgendwann ihre Arbeit ein. Oftmals sind die Schilddrüsen
so erschöpft, dass sie nicht mehr können. Häufig gleichen sie etwas aus, also Fehlfunktionen im Körper. Das ist die Spiegelung der Kindheit: überforderte Kinder, die versucht haben, dysfunktionale Familiensysteme auszugleichen und die irgendwann aufgeben und sich tot stellen. Die Gabe von Hormonen soll dazu führen, dass die eigene Produktion der Hormone in der Schilddrüse unterdrückt wird, um WACHstum zu vermeiden, da bei einer Unterfunktion häufig eine Struma entsteht, also eine zu große Schilddrüse. Nun wird mit der Gabe von Hormonen das Alte wiederholt. Man schluckt wieder etwas hinunter und möchte etwas ruhig stellen. Für mich ist es ein Ruf der Schilddrüse (Seele) wieder etwas zum Erwecken zu bringen, was schon lange begraben ist. Die Frage ist also, was kann ich tun, um meine Schilddrüse wieder zum Arbeiten zu bringen, und was will sie mir mitteilen? Häufig schreien die wilden Kinder von damals in der Schilddrüse und wollen, dass die Frauen wieder zu den wilden Frauen, die sie einst einmal waren, zurückkehren. Wenn man anfängt, die Sprache des Körpers zu verstehen, dann wird deutlich, wie intelligent er erschaffen wurde, überhaupt, wie intelligent die ganze Schöpfung ist. Autoimmunerkrankungen haben häufig damit zu tun, dass sich unterdrückte Wut gegen sich selbst richtet. Diese Erkrankungen verlaufen in Schüben und haben mit Entzündungsprozessen zu tun. Man sagt, dass Entzündungen mit unterdrückter Wut zu tun haben, also mit unterdrücktem Feuer. Es kann nicht richtig brennen und findet keinen Ausdruck. In Ahnenreihenaufstellungen konnte ich immer eine große Wut feststellen, die keinen Weg hinaus fand.
Wenn ich zurückblicke, war meine Oma sehr wütend, die oft ihre Wut an mir entlud, die selbst eine riesige Struma hatte. Oder mein Vater war voller Wut und deswegen in einer solchen Anspannung, dass wir Kinder immer Angst hatten, er könne jederzeit explodieren. Bei Autoimmunerkrankungen werden körpereigene Organe angegriffen und zerstört. Krebs stellt für mich die gesteigerte Form der Selbstzerstörung dar. Das passiert aber nicht, weil diese Menschen selbst „schuld“ sind oder sich selbst umbringen wollen. Wenn wir begreifen, dass in uns alle Traumata der letzten drei Generationen  gespeichert sind, dann wird deutlich, dass diese Erkrankungen nur den erfahrenen Krieg im Familiensystem spiegeln. Gerade chronisch kranke Menschen finden keine Heilung und suchen die Schuld oft bei sich selbst oder fühlen sich als Versager, wenn sie die Lösung nicht finden. Für mich ist es keine Frage, dass diese Krankheiten mit der transgenerationalen Weitergabe von Traumata zu tun haben. Denn sie führen uns in Gefühle, die wir bereits als Kind – oder die unsere – haben. Wir sind dem Krebs oder dem erkrankten Organ völlig ausgeliefert. Es macht einfach, was es will. Wenn ich Körper betrachte, die voller Metastasen sind, dann erschließt sich mir ein Bild von Bombenangriffen, die im Körper stattfinden. Wenn der Schmerz in einer Familie groß ist, braucht es mehrere Generationen, bis dieser geheilt ist. Menschen mit chronischen Erkrankungen sind aufgefordert, ihre Familien, ihre
Ahnen zu heilen, damit sie selbst heilen können. Davon bin ich inzwischen überzeugt. Die Krankheit weist darauf hin, dass im Familiensystem unterdrückte Gefühle weilen, die ans Licht gebracht werden wollen. Wenn wir begreifen, dass wir alle miteinander verbunden sind und unsere Ahnen immer bei uns sind, wird deutlich, welch schweres Erbe wir angetreten haben, aber auch, welche Heilungschancen sogenannte unheilbare Krankheiten haben. Traumatisierte Systeme sind immer erstarrte Systeme. Es ist eine Chance wieder etwas in den Fluss zu bringen. Das Symbiose- oder Bindungstrauma nennt man auch das Trauma der Liebe und wenn wir im Familiensystem die Liebe wieder in den Fluss, insbesondere zwischen Mütter und Töchter, bringen, wird tiefgreifende Heilung geschehen. Nun möchte ich weiter zurückgehen in unsere Geschichte der Frauen und des Weiblichen. Die Medizin wurde einst von den Frauen in die Welt gebracht. Sie sind Träger des Lebens, in ihnen wächst Leben heran. Sie gebären Leben. Sie sind Ausdruck des Lebendigen. Das Weibliche ist das Lebendige, die Entstehung allen Lebens. Es ist an Zyklen und an Prozesse gebunden, es wandelt und ist ständig in Bewegung, so wie die Natur auch. Deshalb sind wir, so wie wir erschaffen worden sind, auch Teil der Natur: unkontrollierbar, mächtig, unbändig, wild… Früher waren die Frauen wilde Frauen, eng verbunden mit der Natur und Mutter Erde. Sie waren lustvoll, unbändig, machtvoll und wissend. Das Männliche hatte Angst vor diesen machtvollen Frauen und wollte selbst gebären und genauso mächtig sein, so dass im Laufe der Jahre Macht über den weiblichen Körper ausgeübt wurde. Man versuchte ihn zu kontrollieren und unterdrückte das Weibliche, das Natürliche, letztendlich das Lebendige, das Leben selbst. Immer stärker werdende patriarchale gesellschaftliche Systeme führten zu einer Lebensverneinung, zu einer Erstarrung, zur Abtötung des Lebendigen. Krieg ist nichts anderes als Ausdruck dieses Lebensverneinenden, denn man tötet Leben. Es ist kein Geheimnis, dass in Zeiten von Kriegen massenhaft Frauen vergewaltigt wurden, das Weibliche massiv verletzt und unterdrückt wurde. Dabei spielt die sexuelle Lust keine Rolle,
vielmehr geht es um die Macht über die Frau, an der Wut und Zorn so ihren Ausdruck finden. Wenn wir nun Krankheiten betrachten, geschieht hier genau das Gleiche. Diese kollektiven Muster, insbesondere bei kollektiven Traumatisierungen, spiegeln die Zerstörung des Weiblichen, des Lebens. Viele erkrankte Frauen berichten mir, dass sie das Gefühl haben, im Leben keinen Platz zu haben und eigentlich keine Daseinsberechtigung haben.
Der kollektive Schmerz der Frauen, der in unseren Gebärmüttern gespeichert ist, ist riesig. Patriarchale Systeme wirken trennend. So ist auch unsere Medizin auf patriarchalen Mustern aufgebaut, trennend. Immer mehr Frauen werden entwurzelt und über ihre Körper wird verfügt. So werden schnell Schilddrüsen oder Gebärmütter entfernt, die Organe, die das Weibliche symbolisieren. Es gibt kaum noch natürliche Geburten, immer mehr Kaiserschnitte. Die natürlichen zyklischen Vorgänge werden den Frauen immer mehr genommen. Dazu gehören auch die Pille bzw. Hormonbehandlungen. Patriarchale Systeme sind inzwischen eng mit dem Kapitalismus verknüpft, was sich in allen Lebensbereichen zeigt. In Deutschland gibt es eine regelrechte Krebsindustrie. Die Lobby der Pharmaindustrie ist riesig. Obwohl man weiß, dass konventionelle Krebsbehandlungen nur bedingt helfen, wird fleißig viel Geld dafür ausgegeben. Unser Gesundheitssystem arbeitet unheimlich stark mit der Angst.
Auch ganzheitliche und alternative Heilungsweisen werden kommerzialisiert oder aus einem Gesamtzusammenhang genommen und für westliche Ausbildungssysteme passend gemacht. Man verkauft schamanische Ausbildungen und lehrt schamanische Techniken, die damit ihre Kraft verlieren, weil sie nichts mehr mit der eigentlichen Lehre oder Philosophie zu tun haben. In allem wird die verlorene Achtung und der verloren Respekt gegenüber dem Leben deutlich und das Leben als etwas Heiliges nicht mehr geehrt. So verlieren die Frauen immer mehr den Bezug zu ihrem Körper, zu altem Wissen, zu
ihrem Zentrum, der Gebärmutter und lassen über sich bestimmen. Und so hat man die heiligen Rituale der indigenen Völker für sich genutzt und kommerzialisiert und zeugt auch hier mangelnden Respekt gegenüber diesen Völkern mit ihren heiligen Ritualen. Es wird deutlich, wie sehr wir uns von unserer eigentlichen Natur entfernt haben. Mich macht das oft wütend, weil ich weiß, dass viele Stämme Hunger leiden müssen und man ihnen alles genommen hat und sich genau das in anderer Form wiederholt. Wann begreifen wir endlich , dass wir all das uns selbst antun und wir ein Teil von allem sind? In fast allem wiederholen sich das Lebensverneinende und die Unterdrückung des Weiblichen, die Zerstörung des eigenen Lebens, des Lebendigen.
FRIEDA:
Bei den von Ihnen genannten Symptomen arbeiten Sie mit der Stimme. Wie kann man sich das speziell vorstellen und welche Resultate hat das?
I. H.:
Ich arbeite mit keiner Methode, die ich bei allen Frauen gleich anwende. Es ist so, dass ich anhand des Stimmklangs hören kann, wo der Körper diesen Menschen hinführen möchte oder wo sich gerade Gewebe für Resonanz zur Verfügung stellt. Ich habe schon immer eine außergewöhnliche Wahrnehmung mitgebracht und kann das Körpergewebe sehen, sehe Klänge auch in Farben oder rieche manchmal Töne. Ich habe also eine sehr feine
Wahrnehmung, vertraue auf meine gute Intuition und bekomme anhand innerer Bilder und Sätze, die zu mir kommen, gezeigt, wie ich den Prozess der Singenden oder Tönenden entfalten kann. Das ist etwas sehr Weibliches. Ich arbeite also, indem ich meiner Intuition folge und der Frau auch Raum gebe, etwas selbst zur Entfaltung zu bringen, dem Prozess, der sich zeigen will, Raum gebe. Ich weiß, dass die Lösung bereits in uns ist und es geht darum, dass ich der Frau nicht sage, was ihr Problem ist oder was sie tun oder lassen soll, nach dem Motto „Ich weiß, was gut für dich ist!“, sondern ich vertraue auf die Weisheit ihres Körpers und zeige ihr, wie sie diese erkennen und nutzen kann. Das bedeutet, dass ich die Frauen zu einer anderen Wahrnehmung hinführe, zu einem anderen Hören und zu einer Körperwahrnehmung. Es geht darum, dass sie wieder einen Zugang zu ihrem Körper finden und ihm auch wieder vertrauen…
Das vollständige Interview können Sie hier lesen: Frieda-Online

© Text Copyright Beate Wiemers – Frieda Online

Hier eine Stellungnahme zu meinem Interview. Ich erkläre was die Arbeit mit der Mutterwunde bewirkt hat und warum ich mich davon verabschiedet habe: