Freudensprung – Wie das Wunschkind leichter zu dir kommt

Freudensprung – Wie das Wunschkind leichter zu dir kommt

Ein Kinderwunschratgeber von Namiah Bauer

Mein Interview in Namiahs Buch:

Was kann Stimmarbeit in der Kinderwunschzeit bewirken?

In einem Seminar habe ich mit einer Frau gearbeitet, bei der ich den Eindruck hatte, dass ihre Gebärmutter Zuwendung braucht und traurig wirkte. Manchmal ist es so, dass Klänge Geschichten erzählen.  Ich gab ihr für Zuhause ein paar Stimmübungen, in denen sie Kontakt zur Gebärmutter aufnahm und für sie sang. Ich begegnete ihr 6 Monate später wieder und es war nicht zu übersehen, dass sie schwanger war! Sie erzählte mir, dass sie vor unserer ersten Begegnung eine Fehlgeburt hatte und schon länger versuchte schwanger zu werden. Regelmäßig machte sie ihre Stimmübungen und wurde zwei Wochen später schwanger. Das war zwar das erste Mal, dass ich die Wirkung des Klanges bei Kinderwunschfrauen erleben durfte, aber nicht das einzige Mal. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass die Stimmarbeit auch bei Kinderwunschfrauen eine große Wirkung haben kann. Es gibt ja auch diese wundervolle Geschichte von einem afrikanischen Stamm, in dem die Frauen vor der Zeugung ein Lied für ihr Kind empfangen und dieses immer wieder singen und damit die Seele ihres Kindes einladen zu kommen. Das Singen ist die älteste Urform der Heilkunst. Ich glaube, dass wir letztendlich nur Hebammen sind und den Frauen zeigen, wie sie ihr Lied finden und singen können und es dann selbst tun.

Du sagst, dass Schilddrüse und Gebärmutter miteinander verbunden sind.  Wie kann ich mir das vorstellen?

Die Gebärmutter ist der erste und wichtigste Beziehungsraum für das Baby. Hier werden die Weichen für die Melodie des Lebens gestellt. Wir haben vergessen, dass alles in Beziehung zueinander steht. Sie spiegelt häufig einen Mangel und versucht etwas auszugleichen, was wir bereits als Kind oder Jugendliche versucht haben zu bewältigen. Aufgrund des fehlenden Raums für die eigene Entwicklung kommt es in der Regel auch zu einem fehlenden Kontakt zu sich selbst. Sie fordert im Grunde immer auf den Kontakt nach Innen bzw. zu sich selbst zu suchen. Dieser mangelnde Kontakt nach innen ist eine fehlende Beziehung zu sich selbst. Die Organe spiegeln uns das. Sie vergessen, dass sie miteinander verbunden sind und arbeiten nicht mehr zusammen. Wenn wir singen, werden wir an unseren ersten und wichtigsten Beziehungsraum erinnert, an die Zeit in der Gebärmutter, in der wir beschützt  und schwerelos waren und vollkommen versorgt wurden. Die Gebärmutter ist also der Beziehungsraum und die Schilddrüse reagiert sehr stark auf den fehlenden Beziehungsraum zu sich selbst. Jetzt ist es so, dass der Stimmklang den Kontakt nach innen braucht, also auch Raum benötigt, damit er sich frei entfalten kann. Die Schilddrüsen lieben es in der Regel, wenn wir singen. Sie liegt direkt an den Stimmbändern und es gleicht einer Selbstberührung, wenn wir den Klang nach innen leiten. Wir können über das Singen uns selbst das Geben, was wir nicht bekommen haben – Zuwendung und Zärtlichkeit.  Damit beginnen wir selbst etwas auszugleichen, was bisher die Schilddrüse versucht hat und irgendwann wegen Überlastung und Überforderung eingestellt hat.

Hilfe, ich kann nicht singen! Funktionieren die Klänge wirklich bei jeder Frau??

Ja, grundsätzlich kann jede Frau und jeder Mann singen! Das was wir nicht können oder nicht gelernt haben, ist, sich auszudrücken und oftmals gehört es zum Überlebensmuster der Frauen, sich zu verstecken, unsichtbar zu machen und möglichst nicht aufzufallen. Die Frauen haben regelrecht ihre Stimme verloren, vielmehr vergessen. Die eigene Stimme zu erheben bedeutet auch, in die eigene Größe zu gehen und sich zu zeigen. Was kann uns besser lehren in die eigene Größe zu kommen, das eigene Potential zu entfalten oder unsere Stimme zu erheben, als die Stimme selbst?

Es kann sein, dass wir anfänglich so leise singen, dass wir kaum gehört werden, krächzen und ächzen und nach kurzer Zeit heiser sind, aber wenn wir diesen Leistungsdruck zur Seite schieben und aufhören zu bewerten, dann kann tatsächlich jede Frau singen. Sie entfaltet sich am stärksten über die Beziehung zu sich selbst. Je mehr wir Kontakt wir zu uns selbst haben, desto freier kann sie schwingen. Dann wird Singen zu einem wahrlich sinnlichen Erlebnis, was uns zu Glücksgefühlen bringen kann, die wir zeitweise im Bauch der Mutter erlebten.

Fachartikel in der Verbandszeitschrift Lachesis: Stimme als Heilungsweg

Ein Fachartikel in der Verbandszeitschrift Lachesis Nr. 48:
Stimme als Heilungsweg

Stimmapparat & Schoßraum – eine alte heilige Verbindung

Mein Weg mit der Stimme begann schon früh: Ich kann mich erinnern, dass ich die Musik schon immer liebte. Wenn ich sie hörte, war ich in einer anderen Welt. Sie half mir zu überleben. Sehnsüchtig lauschte ich den benachbarten Kindern beim Üben ihres Instruments. Meine Sehnsucht wurde nicht gesehen oder erkannt. Musik oder Kultur spielte in meiner Familie keine Rolle. Meine Eltern waren so sehr mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt, dass sie die Bedürfnisse von drei kleinen Mädchen nicht wahrnahmen. Ich träumte jedoch schon früh vom Singen und sah mich auf der Bühne.

Ich war ein lebendiges Kind, frech, laut und lachte sehr viel. Meinen Vater provozierte ich gerne, der jedoch keinen Spaß verstand. Als Flüchtling während des zweiten Weltkrieges kämpfte mein Vater um sein nacktes Überleben. Was er da sah, ließ ihn bis zu seinem Tod nicht mehr los. Diese Bilder beschrieb er immer und immer wieder. Er hatte als Kind viel hungern müssen und die Beziehung zu seinem eigenen Vater war äußerst angespannt. Dieses lachende quietschlebendige Mädchen haben meine Eltern nicht ertragen. Traumatisierte Eltern halten keine Kinder aus, die vor Lebendigkeit strotzen, weil sie damit an ihre eigene verlorene Lebendigkeit erinnert werden. So gab es eine Situation mit meinem Vater, die dazu führte, dass ich aufhörte zu lachen und zu sprechen und den Ernst des Lebens erkannte. Das war der Grundstein meiner Schilddrüsendysfunktion, aber auch dem Glauben, dass ich nicht Lachen und Freude empfinden darf.

Die Folgen der transgenerationalen Traumaweitergabe sind Entwicklungs-, Bindungs- und Symbiosetraumen.

Größte und stärkste Wunden sind im kreativen Ausdruck.
Es ist also kein Zufall, dass ich heute mit der Stimme arbeite, die ich selbst als Kind mit ca. 4 oder 5 Jahren verlor. Mein eigener Ausdruck wurde zutiefst verletzt. Ich begann zu schweigen und mein ganzes Wesen zu unterdrücken. Das war der Beginn meines Überlebensprogramms. Nicht gesehen werden und keinen eigenen Raum für die eigene Entwicklung bekommen zu haben, führen zu einem verletzten kreativen Ausdruck. Das genau passiert bei einem Bindungs- oder Symbiosetrauma. Die Bedürfnisse des Kindes werden schon früh nicht adäquat befriedigt, weil die Mutter aufgrund ihrer eigenen Traumatisierung keinen emotionalen Kontakt zum Kind aufbauen kann. Das Kind versucht immer wieder den Kontakt zur Mutter zu finden und bekommt keine Resonanz. Man könnte auch sagen, dass das Leben mit dem Lied zwischen Mutter und Kind beginnt. Das Kind singt das Lied immer  ieder und erfährt keine Resonanz. Es geht mit seinem Kontakt immer nach Außen und läuft ins Leere. Das bedeutet auch, dass es den Kontakt nach Innen bzw. zu sich selbst schon sehr früh verliert, weil der Kontakt zur Mutter überlebenswichtig ist. Um diesen zu bekommen, verlässt das Kind sich selbst und verliert sich im Außen. Ohne einen Spiegel haben wir keine Möglichkeit zu wachsen und zu reifen. Oftmals übernehmen diese Kinder die Rolle ihrer Eltern und versorgen emotional Mutter und/oder Vater. Damit verzichten sie komplett auf ihre eigenen Bedürfnisse, sind unglaublich überfordert und einsam.
Prof. Ruppert spricht hier von einem kollektiven Trauma, von einer traumatisierten Gesellschaft.1 Ich kann das nur bestätigen und glaube, dass wir fast alle mehr oder weniger von einem Bindungs oder Symbiosetrauma betroffen sind. Viele, die besonders stark betroffen sind, finden sich später in helfenden, sozialen, heilenden oder therapeutischen Berufsfeldern. Das Bindungs- oder Symbiosetrauma ist auch gekennzeichnet von Abhängigkeitsmustern oder auch von einer Co-Abhängigkeit. Prof Ruppert sprach in einem Interview davon, dass ca. 95% der in den oben genannten Arbeitsfeldern Tätigen coabhängig sind. Damit wird das Überlebensmuster im beruflichen Kontext fortgeführt.2

Singen ist Selbstfürsorge pur!
Was wir alle nicht gelernt haben, ist gut für uns selbst zu sorgen. Als ich wieder zu singen begann, fühlte ich, wie es mich nährt und zwar von innen.
Ich hörte auf zu suchen und begann zu finden. Das war eine wichtige Umkehr in meinem Leben. Mein Hunger nach Lebendigkeit, Freude und Leichtigkeit begann ich mit dem Singen zu stillen. Zu dieser Umkehr gehörte der Weg nach innen, den ich über meine Stimme anfing zu beschreiten und ich habe auch erfahren, dass die Stimme Raum braucht, damit sich ihr Klang entfalten kann. Es gibt keine Techniken oder Methoden, die nur die Stimme ausbilden können. Stimmbildung beginnt im Körper!

Das Wort Trauma beinhaltet Traum und RAUM: T-RAUM-A
Ich begriff, Trauma ist ein nicht endender Traum und mangelnder RAUM. Ohne Raum gibt es auch keinen Zwischenraum. Ohne Raum und Zwischenraum sind wir identifiziert mit den traumatischen
Erlebnissen (unserer Eltern, Ahnen, …) und haben noch nicht erkannt, dass die Zeit des TRAUMAS vorbei ist.

 

Stimmapparat & Schoßraum – eine alte, heilige Verbindung
Vor vielen Jahren hatte ich ein Erlebnis, welches mir zeigte, worum es in meiner Arbeit mit der Stimme wirklich geht. Ich war bei einem Ausbildungswochenende in Obertongesang. Der Obertongesang war wieder mein Einstieg zum Singen. Es war, als ob sich ein Fenster öffnete und ich weilte in einem Zustand, in dem ich erkannte, dass alles was wir suchen, bereits in uns ist. Dieser Zustand hielt gut zwei Wochen an. Ich sah viel farbintensiver und es leuchtete alles in hellem Licht. Ich hörte, roch und schmeckte viel intensiver. Es war, als wenn ich das erste Mal richtig sehen und mit allen Sinnen wahrnehmen könnte. Ich war tief verwurzelt mit der Erde, war ganz tief mit meiner Gebärmutter und meinem Beckenboden verbunden, fühlte die starke Verbindung zwischen der Gebärmutter und Mutter Erde. Ich fühlte mich als ein Kind von Mutter Erde, der großen Mutter. Es war Frieden, tiefe Ruhe in mir, keinerlei Ängste, alle körperlichen Funktionen arbeiteten uneingeschränkt. Ich hatte keinerlei Symptome oder Beschwerden mehr, was meine Schilddrüse anbelangte. Es war, als ob der Stecker wieder in der Steckdose steckte und alle Verbindungen in meinem Körper wieder angeschlossen waren. Nicht nur die Netzwerke in meinem Körper waren wieder ausbalanciert, auch ich erlebte mich als Teil des Universums, als ob ich an den Kräften des Universums angeschlossen war. Es gab keinerlei Trennung. Ich war der Baum und der Baum war ich. Ich begriff, dass es Gott außerhalb von mir nicht gibt, sondern ich Gott bin, alles Gott ist, jede Pflanze, jeder Baum, alles. Ich erfuhr, dass Gott in mir zu finden ist, wenn es so was wie Gott gibt. Ich begriff auch, dass es den Tod nicht gibt, sondern wir nur die Form verändern. Ich begriff, dass das Paradies bereits da ist und ich es nun sehen kann. Die Farben waren so bunt, so intensiv, die Musik so wunderschön. Das müssen Menschen erfahren, die ein Nahtoderlebnis haben, dachte ich. Es gab nur das JETZT und ich war mit allem einverstanden, mit meiner Vergangenheit, meiner Gegenwart und meiner Zukunft und vor allen Dingen mit mir. Ich konnte mich vollkommen so annehmen, wie ich bin. Der Kampf, der Krieg gegen mich hörte auf. Es war unbeschreiblich, unvergesslich und ich war ganz da, ganz in meiner Präsenz, ganz geerdet und gleichzeitig mit dem Universum verbunden. Es hat Jahre gedauert, bis ich begriffen hatte, was da mit mir passierte. Als ich meiner Medizinfrau davon berichtete, jubelte sie und sagte zu mir: Komm Iris, das müssen wir feiern! Sie hatte mir nie erklärt, was da passierte. Meine Erfahrung ist, dass die Schamanen mit indigenen Wurzeln nicht über die Dinge sprechen. Was ich jedoch wusste, war, dass ich nach Hause gekommen war und das dies mit der Verbindung zwischen Stimmapparat und Schoßraum zu tun hatte, denn ich war vollkommen frei und erinnerte mich, wer ich wirklich bin. Kurz darauf erhielt ich die Botschaft, dass die Stimme die stärkste Medizin der Zukunft sein wird. Sie ist die älteste Medizin und wird nun wieder erinnert.

Über die Stimme nach Hause kommen …
In meiner Stimmarbeit geht es heute darum, die heilige Verbindung zwischen Stimmapparat und Beckenboden (Schoßraum) wiederherzustellen. Im Grunde ist sie schon da, wir müssen sie nur erinnern. Ich habe viele Methoden auf meinem Heilungsweg ausprobiert, aber nichts war wirkungsvoller als das Singen oder Tönen; die Stimme führt uns in die absolute Tiefe. Sie vermag tiefsitzende alte Muster aufzulösen und wird in ihrer Wirkung immer noch völlig verkannt. Häufig sieht man sie als Beiwerk oder als unterstützendes Medium für eine andere Behandlung. Die Verbindung zwischen Stimmapparat und Schoßraum trägt das größte Potential der Wandlung, der Erinnerung und des nach Hause Kommens. Heilung ist für mich nichts anderes als Erinnern.

Parallelorgane und Parallelprozesse

                                                                                     

 

 

Weibliches Geschlechtsorgan und Stimmapparat

Die Ähnlichkeit zwischen dem weiblichen Geschlechtsorgan und dem Stimmapparat ist frappierend. Es gibt hier nicht nur Parallelorgane, sondern auch Parallelprozesse. Das bedeutet, wenn ich mit dem Stimmapparat arbeite, geschehen parallel Prozesse im Schoßraum und umgekehrt.

Es gibt folgende Parallelorgane:
Innenohr – Eierstöcke
Eustachische Röhren – Eileiter
Gebärmutter – Mundraum
Muttermund – Mund
Zunge – Klitoris/Eichel
Kehlkopf – Vagina/Penis
Zu den Parallelorganen gehören parallele Muskelgruppen und Faszien.

Das männliche Geschlechtsorgan ist letztendlich nur nach Außen gedreht, was ja auch zur männlichen Eigenschaft gehört. Das Männliche geht nach Außen und das Weibliche nach Innen. Jedoch fehlt den Männern ein entscheidender Raum und das ist die Gebärmutter, der erste und wichtigste Beziehungsraum. Deshalb fühlen sich Frauen mehr für die Beziehung verantwortlich als Männer.

Singen nährt uns und führt zurück in die pränatale Zeit
Wenn wir uns dieser wichtigen Verbindung zwischen Stimmapparat und Schoßraum bewusst werden, wird klar, dass das Singen unweigerlich zu unserer eigenen pränatalen Zeit zurückführt. Nicht nur das, wenn der Kehlkopf ungehindert frei schwingen kann, kommt er in diesen Zustand, der mit der pränatalen Zeit zu vergleichen ist und birgt das Potential des Versorgtseins, Genährt- und Beschützt-Seins und der Selbstregulation. Das bedeutet, dass er in diesem Zustand uns genau das zu geben vermag, wonach wir schon lange suchen, und was wir bei einem Bindungs- und Symbiosetrauma schmerzlich vermissten.

Der Unterschied ist, dass wir dieses Genährt- und Beschützt-Sein von unserer Mutter in ihrem Bauch bekommen haben. Beim Singen geben wir es uns selbst. Ungeachtet dessen, wie die Beziehung zwischen Baby und Mutter sich entwickelt, wird das Kind über die Nabelschnur genährt, es schwebt im Wasser und alle Prozesse regulieren sich von alleine. Im Bauch der Mutter waren wir in einem Zustand von Sog – nicht umsonst gibt es das Wort Säugling, was an Saugen erinnert.

In meiner Stimmarbeit geht es immer wieder darum, sensorische Stimulationen von Sog auszuüben, so dass wir den Kehlkopf in seinen ursprünglichen Zustand von Sog zurückführen. Das Kind ist im Bauch der Mutter mit ihr verbunden und wird von ihr versorgt. Ansonsten wäre das Kind nicht lebensfähig. Prof. Hüther sagt, dass es bei chronischen Krankheiten so wichtig ist, an die vorgeburtliche Zeit anzuknüpfen, in eine Zeit, in der es noch keine negativen Verschaltungsmuster gab.3 Genau dies tut jedoch das Singen, weshalb das Singen gerade für chronisch kranke Menschen von elementarer Bedeutung ist. Die Neurobiologie hat erforscht, dass die negativen Verschaltungsmuster und Synapsen in den ersten Lebensjahren gebildet werden, je nachdem, welche Erfahrungen ein Kind in seinem Umfeld macht. Festgestellt wurde auch, dass der Körper das Gehirn formt und nicht umgekehrt, weshalb wir neue Verschaltungen auch nur über den Körper und neue Erfahrungen erreichen können. In meiner Stimm-Balance© Prozessarbeit werden genau diese Faktoren berücksichtigt. Die neurobiologische Wirkung des Singens zeigt sich insbesondere bei neurodegenerativen Erkrankungen.

Der Kehlkopf – ein Wunderwerk
Der Kehlkopf ist ein autonomes Organ und ist mit allen Funktionen der Organe verbunden. Bei der Stimm-Balance Prozessarbeit kommt es zu Rückkoppelungen zwischen dem Kehlkopf und dem Gewebe. Die Rückkoppelung als Resonanz zu verstehen wird daher so wichtig. Bei einem Bindungstrauma fehlt die Resonanz auf das Lied des Kindes. In meiner Arbeit kommt es nun zu Resonanzen im ganzen Körper, so dass die Beziehung zwischen den verschiedenen Organen und Netzwerken erinnert wird. Wenn klar wird, dass alles in Beziehung zueinander ist und genauso die Natur funktioniert, wird deutlich, dass wir mit einem Bindungstrauma keine Beziehungen lernen und pflegen konnten (insbesondere zu uns selbst), weil wir keinen eigenen Raum bekommen haben. Beziehungen sind nichts anderes als Zwischenräume. Dazu braucht es jedoch Individuen, Menschen mit eigenen Identitäten und gelebte Autonomie. Der Kehlkopf kann als autonomes Organ diese Zwischenräume erlebbar machen, so dass wir tatsächlich fühlen, wie unser Gewebe immer lebendiger wird, wir in unsere Freude kommen und wir uns damit selbst ermächtigen. Wir machen die Erfahrung, dass wir über die Stimme sofort und einfach unsere Empfindungen verändern können. Er führt uns in eine Autonomie und Lebendigkeit, denn Trauma ist nichts anderes als die verlorene Lebendigkeit.

Kreativität und Ausdruck
In unserer Gebärmutter sitzt die Kreativität. Geschlechtsorgane stehen für die Selbstverwirklichung. Der Halsbereich steht für Ausdruck – Selbstausdruck. Beides gehört unbedingt zusammen und kann nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Deshalb glaube ich, dass eine reine Schoßraumarbeit uns nur bedingt weiterhilft. Es braucht unbedingt die Verbindung von beidem. Wenn klar wird, wie sehr wir in unserem kreativen Ausdruck verletzt wurden, kann der Ausdruck nicht vernachlässigt werden und wo drücken wir uns am dichtesten und tiefsten aus – über die Stimme!

Im Schoßraum sitzt unsere Lebensenergie, die wir über unsere Zunge steuern. Wenn wir uns selbst keinen Ausdruck geben, verlieren wir unsere Lebensenergie. Und die Zunge steht für die Sprache. Es gibt Sprichwörter wie „Sich die Zunge abbeißen …“ Es geht nicht nur darum, dass wir unsere Stimme wiederfinden, sondern auch darum, sie zu erheben!

Standing und Aufrichtung
Wenn der Kehlkopf ganz frei schwingt und man nicht versucht, ihn zu beeinflussen, denn er ist willentlich nicht zu steuern, dann kommt es nicht nur zur Entfaltung seines Potentials im klanglichen Sinne, sondern wir haben den größten Zugang zu unserem Potential und unserer Kreativität. Dazu braucht es einen Beckenboden, der wieder in seine ursprüngliche Funktion der Stütze zurückgeführt wird: Eine Übung mit dem Beckenboden beispielsweise lautet, das Steißbein nach innen zu führen und das Schambein hochzuziehen und dabei zu tönen. Das führt dazu, dass eine innere Aufrichtung der Wirbelsäule geschieht, das Zwerchfell entlastet wird und nicht mehr die Aufgabe der Stütze übernehmen muss. Mit einem Beckenboden, der wieder stützt, haben wir einen festen Stand und sind geerdet. Das ist nur möglich, wenn der Psoasmuskel gedehnt und beweglich ist. Man nennt den Psoasmuskel auch Traumamuskel und Sitz der Seele. Mit der oben beschriebenen Übung kann man diesen dehnen.

Dann kommen wir in eine Haltung, die der natürlichen Erdanziehung entspricht. Das führt zu mehr Raum im Schoßraum, was für schwangere Frauen auch wichtig ist, denn erst dann bekommt das Baby im Bauch richtig Platz und kann ankommen. Mit einem Beckenboden, der stützt, kommen wir im Leben an. Die Psoasmuskelgruppe umschließt und beschützt den Schoßtraum, wir werden frei in unserer Atmung und Bewegung. In dieser Verbindung Schoßraum und Stimmapparat wird nicht nur die Selbstregulation aktiviert, wir sind angeschlossen an eine höhere Kraft und lassen ES durch uns singen. In diesem Zustand sind wir in einem ständigen Erschaffen und Gebären. Schwangere gebären so freudvoll ihre Kinder und andere gebären sich selbst und ihr Licht.
In dieser heiligen Verbindung spiegelt sich unsere Schöpfung und wir kommen nach Hause.

Anmerkungen
1 Prof. Dr. Ruppert: https://www.rubikon.news/artikel/traumatisiertegesellschaft (es handelt sich hier um ein Interview bei „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“ mit dem Titel: Traumatisierte Gesellschaft vom 1.9.2017)
2 Prof. Dr. Ruppert im Interview beim Online Selbstheilungssymposium, Schwerpunkt Sucht von Anne Blumenthal
3 Prof. Dr. Dr. Hüther, Gerald: Reaktivierung von Selbstheilungskräften aus neurobiologischer Sicht. Quelle: symptome.ch – Symptome und Ursachen von Krankheiten – Blog mit Tipps zu Gesundheit

Über die Autorin:
Iris Hammermeister ist ausgebildet in physiologischer Stimmbildung, Gesang, systemischer Familien- & Traumatherapie. Sie ist Autorin, Stimm- & Körperforscherin, Sängerin & Musikerin. Ihr besonderes Augenmerk liegt auf der Verbindung zwischen Stimmapparat und Schoßraum/Beckenboden. Ihr Anliegen ist es, Menschen über die Stimme nach Hause und Musiker zu ihrem kreativen Potential zu begleiten.

Copyright
Text © Iris Hammermeister
Grafik & Bilder © Petra Winkelhardt

Mißbrauch durchzieht unser System

Mißbrauch durchzieht unser System

Was mir auffällt
Ich gebe gerne mein Wissen weiter, weil ich es wichtig finde. Meine Arbeit, meine Methoden, wenn man sie überhaupt so nennen kann, habe ich über viel Forschung, Arbeit an mir, viele Aus- und Fortbildungen, fortwährendes Entdecken,… entwickelt. Ich habe viel Geld und Zeit in mein Wissen investiert, mache im Grunde immer eine Fortbildung oder bilde mich ständig weiter. Dieses umfangreiche Wissen kommt nicht einfach so oder von alleine, sondern braucht viel Einsatz und Energie. Ich bin eine Vorreiterin, eine Pionierin meiner Branche.

Mangelnde Wertschätzung und Respekt

Es ist eine heilige Arbeit, wie die vieler Menschen, die mit Menschen arbeiten. Sie fordert meine ganze Präsenz, meine ganze Hingabe an den Menschen, mit dem ich gerade arbeite. Ich stelle mich als Instrument zur Verfügung, muss gut für mich sorgen, mich ständig reinigen,…
Ich biete kostenfreie Webinare an, früher viele Seminare, empfangene Rituale,… und häufig bekomme ich mit, wie die Übungen aufgeschrieben werden, um sie dann in die eigene Stimm- oder Körperarbeit einzusetzen, ohne wirklich eine Ausbildung bei mir gemacht zu haben. Das mißfällt mir und manchmal überlege ich dann, eben diese kostenfreie Angebote einzustellen und nur noch die Ausbildungen anzubieten, einfach, weil es dieses umfangreiche Wissen braucht, um gut mit diesen Übungen umgehen zu können. Aber, es zeigt mir auch, dass die meisten Menschen den Respekt vor heiligen Ritualen oder dieser besonderen Arbeit, die ich nun mal anbiete, verloren haben und das ist nicht nur bei mir so, sondern zeichnet sich immer mehr ab in unserer schnelllebigen Gesellschaft, in der man mal schnell was mitmacht, um es dann hoffnungsvoll gewinnbringend in die eigene Arbeit einfließen zu lassen. Das passiert auch mit Aufstellungen oder Schwitzhütten. Da besuchen die Menschen 2 Schwitzhütten und bieten sie dann selbst an. Meine Arbeit basiert nicht auf verschiedene Übungen, sondern ist ein Lebenswerk, ein Entdecken wie die Natur, wie wir Menschen funktionieren.
Ich bin mit meinem Wissen immer großzügig umgegangen, aber der Umgang damit lässt mich nachdenken, ob ich das so beibehalten werde.
Es braucht diese lange Ausbildung bei mir, um gut mit diesen wirkungsvollen Übungen umgehen zu können.
Es ist mein geistiges Gut, dass ich gut behandelt wissen will. Es ist mein Heiligtum, mein Schatz, welchen ich hüte und beschützen möchte, vor allen Dingen vor Mißbrauch.

Anfragen, die den Markt und das System spiegeln

Ja, es stimmt, dass meine entwickelte Stimmbildung Traumata auflösen kann. Das tut auch jede andere Stimmbildung, die den Körper miteinbindet und den Klang nach Innen führt. Es gibt auch andere ganzheitlich entwickelte Stimmbildungs- oder Gesangsmethoden, die diese Wirkung haben. Der Fokus meiner Arbeit liegt jedoch nicht darauf, Traumata zu lösen, sondern die Selbstorganisation der Stimme anzuregen, damit die Person leicht und frei singen und schwingen kann. Dass Stimmbildung letztendlich mehr als Stimmübungen sind, weiss jeder Stimmbildner, der sich mit Persönlichkeitentwicklung beschäftigt. Die Wirkungskraft von Stimmbildung wird völlig verkannt. Sie hat auch keinen sensationellen Namen und wird einfach profan Stimmbildung genannt, ohne den Zusatz Therapie etc., dabei ist sie oftmals viel wirkungsvoller, als Therapie. Ich erhalte häufig Anfragen von Frauen, die ihre Traumata aus der Kindheit heilen wollen und nach Einzelstunden fragen. Auch mit der Erwartung, dass es dann max. 3 Stunden, manchmal auch 1 Stunde reichen soll. Schnelle Lösungen werden gesucht. Wenn man über viele Jahre viel ausprobiert hat und sich noch in der Wiederholungsschleife bewegt, ist das auch nachvollziehbar. Erwartet wird auch, dass ich das Trauma löse, da ich schließlich viel Erfahrung und Wissen mitbringe. Dazu möchte ich sagen, dass meine Arbeit nicht den Fokus hat Traumata zu heilen. Das ist ein Nebengeschehen. Mein Fokus liegt auf Klang, auf die Selbstorganisation der Stimme, auf kreativen und künstlerischen Ausdruck. Ich biete keine Therapie an, sondern Stimmbildung. Ich kann sowieso keine Traumata für andere auflösen. Das kann nur Jeder / Jede selbst für sich tun.

In unserem Heilungsmarkt werden oft schnelle und einfache Lösungen verkauft. Möglichst Lösungen, wo der andere nichts tun muss, sondern man konsumieren kann. Am besten man kauft ein paar Kurse, lässt sich besingen oder Hände auflegen. Ich glaube nicht an diese Art der Heilung. Es ist eine alte Form der Heilkunst und entspricht nicht mehr dem neuen Paradigma. Wir müssen einfach selbst tun, unsere Komfortzone verlassen, Eigenveratwortung zeigen. Das ist leider mit viel Arbeit verbunden und auch unbequem, aber daran erkennt man auch, wer wirklich will. Es braucht das richtige Einlassen, letztendlich auf sich selbst. In der Gesangsbranche werden derzeit auch viele Methoden verkauft, die schnelle Lösungen versprechen, Kurzausbildungen, die mit Druck arbeiten. Dass wir so laut und kräftig singen können, stelle ich nicht in Frage, sondern, welche Langszeitfolgen werden diese schnellebigen Gesangsmethoden mit sich bringen? Auch hier, es muss schnell gehen und darf nicht viel kosten.

Kreativer und künstlerische Ausdruck

Darum geht es in meiner Arbeit und so ganz nebenbei, heilt er auch unsere größten Wunden, ohne den Fokus darauf legen zu müssen. Ich glaube einfach, dass unsere größten Wunden in unserem kreativen Ausdruck liegen. Wir wurden so zurechtgestutzt, dass uns Kreativität, Freiheit, Authentizität und Indvidualität abhanden gekommen sind und das macht auf Dauer einfach krank. Eine Folge dieses Zurechtstutzens ist auch der verlorene Zugang zum eigenen Körper. Die Massenanpassung an das System geschieht in allen Lebensbereichen und macht auch vor der künstlerischen Branche keinen Halt. Solange wir die Künste von Therapie oder Heilungsarbeit trennen und dies sich in Bezeichnungen wie Musiktherapie, Kunsttherapie, Heilgesang,… ausdrückt, haben wir immer noch vergessen, welche ursprüngliche Aufgabe die Künste mitbringen.

In meinen Seminaren oder auch in den Fort- und Ausbildungen erkenne ich viele Sängerinnen, die in der Tiefe ihres Herzens Sängerinnen sind, jedoch psychotherapeutisch arbeiten und ausgebildet sind. Der Gesang oder die Künste öffnen das Tor zu unserem eigenen Licht und die Berührung mit unserer Essenz. Das ist das, was letztendlich heilt. Wenn dieses Licht oder die Liebe wieder fließen kann. Die Aufgabe der Künste ist es, den göttlichen Funken zum Ausdruck zu bringen, das was wir wirklich sind. Wenn wir dann noch unseren Körper einbinden, ihn als Instrument betrachten, als Gefäß der Schöpfung, dann werden wir selbst zu Schöpferinnen. Ich sehe unseren Körper als Bewahrer und Beschützer unseres Lichtes. Wir erschaffen bei der verkörperten Improvisation – Improphysis jeden Augenblick neu, sind im Hier & Jetzt. Das ist die Königsdiziplin, die absolut größte Kunst und stärkste Kraft, die höchste Form künstlerischen Wirkens.

Copyright Iris Hammermeister

Es ist Zeit Dein ganz eigenes Lied zu singen

Es ist Zeit Dein ganz eigenes Lied zu singen
Die Zeit ist reif für Deine Wahrheit

Ich spüre es so deutlich, wie nie zuvor, dass es an der Zeit ist die Wahrheit auszusprechen, ehrlich zu sein und nicht etwas vorzugeben, was man nicht ist. Mit meinem Bühnenprojekt habe ich damit angefangen, auch in meinen Seminaren. Was bedeutet das eigentlich? Ich teile meine Ängste, meine Gedanken und Dinge, die noch nicht so gut funktionieren mit den Menschen. Das hat und kostet mich immer noch viel Überwindung. Ich hatte jedoch so genug von diesem Spiel etwas nach Außen zu “verkaufen” was ich nicht bin. Schon lange haben mich die Marketingstrategien im spirituellen oder heilerischen Markt so genervt, weil sie sich nicht von anderen Branchen wirklich unterscheiden. Was mich jedoch aufgeregt hat, war, dass man das “Neue” verkaufen will oder Angebote verkauft, die einen helfen sollen, in die eigene Kraft oder weiblich Kraft zu kommen oder zu heilen. Dazu nutzt man aber ein altes System des Marketings, man bedient sich dem alten Paradigma und will einen Paradigmenwechsel herbeiführen. Das kann einfach nicht funktionieren. Diese “Glanz und Gloria” Fotos, in denen alle strahlen und so tun, als ob sie keine Probleme mehr hätten, nach dem Motto “Ich habs geschafft. Das kannst Du auch, Du musst es nur wollen! Am Besten Du kaufst gleich meine Seminare und dann zeige ich dir, wie schnell und einfach Du dorthin kommst, wo ich jetzt auch bin…” einfach nur zum Kotzen. Damit mache ich meinen Kunden zum Objekt und will, dass er oder sie konsumiert und die Person ist mir egal. Das ist eine Form von Mißbrauch, die in unserer Gesellschaft ganz normal ist. Wir sind schließlich nur noch Konsumenten, die kaufen sollen…

Zeit für die Wahrheit

Ich habe lange nicht gewusst, wie ich es anders machen kann. Wie ich sichtbar werde, ohne diese Marketingstsrategien zu nutzen. Ohne etwas zu versprechen, was nicht funktionieren kann. Schnelle und einfache Lösungen gehören zu einem Marketingkonzept, was schnell verkaufen möchte. Das hat allerdings mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Wenn einem klar ist, dass wir bereits vor tausenden von Jahren unsere eigene Stimme verloren haben und eine ganze Wirtschaft davon profitiert, kann der Wandel oder die Lösung nicht schnell erfolgen. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht. Nicht nur Zeit, sondern auch Mut und Kraft, sich tatsächlich von diesem alten System und Paradigma zu lösen. Du fängst damit an, indem Du Deine ganz eigene Wahrheit aussprichst. “Glanz und Gloria” führt eben dazu, dass wir glauben, dass mit uns selbst etwas nicht stimmt. Jetzt haben wir schon so Vieles ausprobiert, haben ein Seminar nach dem anderen besucht, verschiedene Heilverfahren, Techniken, Kurse, Ausbildungen,… gemacht und dennoch scheint sich kein Durchbruch einzustellen. Warum aber klappt es bei den anderen und nicht bei mir?? Schon wieder habe ich versagt und ich kann es eben nicht… Wir suchen die Schuld bei uns selbst. Hast Du Dir mal Gedanken darüber gemacht, dass es gar nicht an Dir selbst liegen könnte? Du meditierst, polst Deine Glaubenssätze um, versuchst positiv zu denken, machst Yoga, Entspannungstraining, singst, tanzt,… hast schon so viel Gesangsunterricht genommen und immer noch klappt es nicht mit dem “hoch” Singen und Du bist einfach heißer nach deiner Gesangsstunde.

Zeit für Verkörperung

Warum stellst du Dich selbst in Frage und nicht Dein Gegenüber? Kann es sein, dass diese Person, die Dir angeblich hilft, selbst noch nicht an dem Punkt ist, wo sie Dich hinführen soll? Sie vielleicht hofft mit der Begleitung Deiner Person und anderer dorthin zu kommen, wo Du gerne hinmöchtest. Kann es sein, dass die meisten gar nicht so richtig wissen, was sie tun? Kann es sein, dass die meisten glauben bereits dort zu sein, erleuchtet, erwacht, geheilt, frei und unabhängig und noch gar nicht wirklich merken, dass sie dort noch gar nicht sind? Einfach, weil man sich selbst etwas vormacht, innerlich denkt, ich muss so tun, als ob oder sie einfach nicht wissen, wie es ist an diesem Ort zu sein? Selbsttäuschung ist weit verbreitet und das passiert immer wieder, wenn man noch nicht wirklich einen Zugang zur inneren Stimme hat. Mir fällt auf, wie unkritisch wir oft sind und wir uns oft verblenden lassen. Da gibt es manchmal Muster von Hörigkeit, Bewunderung, Aufschauen,… Sei kritisch und schau Dir genau an, mit wem Du arbeitest. Glaube nicht alles, was man Dir erzählt und am Klang der Stimme und im Ausdruck kannst Du hören oder sehen, ob Jemand wirklich authentisch ist und das lebt, was er oder sie sagt. Da gibt es nicht Viele. Vorzugeben was man nicht wirklich ist, ist auch ein Verrat an sich selbst. Das kennen wir gut und mussten es bereits als kleine Kinder tun, uns selbst verraten, um uns an das Umfeld anzupassen, an die Erwartungen anderer und haben damit unsere innere Stimme verloren. Die Wenigsten verkörpern wirklich das, was sie lehren und wissen. Wenn wir anfangen all das zu verkörpern, dann werden wir sichtbar und beginnen die Welt und uns selbst zu verändern. Erst dann, vorher sind es Theorien, ist es eine Vorstellung, eine Kopfgeburt, die nichts verändert. Deshalb drehen wir so viele Schleifen. Verkörpern ist auch gelebte Erfahrung und die brauchen wir ganz dringend, um unsere Verschaltungsmuster im Gehirn zu verändern. Es nützt nichts, wir müssen TUN und wenn uns das so große Angst macht, weil es wirkliche Veränderung bedeutet und man aus einem geschützen Raum hinausgeht, sich verletzbar macht. Mit meinem Bühnenprojekt gehe ich durch meine tiefsten und größten Ängste und gleichzeitig hole ich mir meine Lebendigkeit und Freude wieder zurück. Es ist wohl so, dass die größte Kraft direkt neben der größten Angst sitzt. Wir müssen da durch und das kannst Du nicht alleine. Dazu braucht es Begleiterinnen, die bereits ihr Wissen verkörpern und selbst durch ihre tiefsten Ängste gegangen sind, die ihr Licht angezündet haben und aus dem Ort der Fülle Dich begleiten.

Zeit für Ausdruck

Verkörpern ist auch Ausdruck. Er ist so elementar, um wieder zu unserer inneren Stimme zu finden. Er ist lebenswichtig. Wir sind alle so verletzt worden in unserem kreativen Ausdruck. Das ist auch mir passiert, massivst. Was bedeutet denn die Kreativität und diese auszudrücken? Das habe ich mich in den letzten Tagen immer wieder gefragt, auch weil ich fühle, dass die Kreativität ein wichtiger Punkt für Heilung ist.

Es ist ein tiefer Ort unserer Seele, in dem wir ständig neu erschaffen und Schöpfer unseres Lebens sind. Wir sind alle von Natur aus kreativ, wir erschaffen ständig neu und haben es nur vergessen. Aber, ich fühle auch, dass an diesem Ort der Kreativität, nicht nur bunte Farben zu sehen sind, auch viel Kraft dort weilt und unser Licht dort angezündet wird. Es ist ein Ort der Lebendigkeit, die wir verloren haben, weil wir als kleine Kinder schon so früh funktionieren mussten. Ich habe erfahren, dass dieser Ort in meiner Gebärmutter sitzt. Es ist so wichtig, dass wir diese mit unserer Stimme verbinden. Sie ist schon verbunden, wir haben es nur vergessen. Wenn wir Schoßraum und Stimmapparat wieder verbinden, dann schließt sich ein Kreis, dann leben wir unsere Weiblichkeit, dann verkörpern wir wieder die Frauen, die wir schon immer waren, frei wild und sinnlich. Weiblichkeit ist in aller Munde und es schießen immer mehr Angebote aus dem Boden. Was bedeutet es eigentlich und wie verkörpern wir unsere Weiblichkeit? Was ist denn gelebte Weiblichkeit? Worin drückt sich Weiblichkeit aus? Schoßraumarbeit und der Zugang zum Schoß ist ein Teil aus einem Ganzen und reicht nicht aus. Ich messe dem Ausdruck mehr Bedeutung bei, weil Ausdruck unser Lebenselexier ist, weil dieser eine Einheit mit der Kreativität bildet. Wenn Du beginnst das auszudrücken, was in Dir ist, egal ob es Ängste, Gefühle,… sind, dann holst Du wieder etwas zurück, was Du und wir alle schon lange verloren haben. Dazu braucht es Deine Wahrheit, das Aussprechen, Singen, Tanzen, Malen,… Deiner Wahrheit und damit beginnst Du Dein ganz eigenes Lied zu singen.

Wenn Du mehr darüber erfahren willst, wie es dazu kam, dass wir unsere wahre Stimme verloren haben, welche Bedeutung und Wirkungskraft die Stimme wirklich hat und Du mehr über die Wahrheit unserer Anatomie und Stimmfunktion erfahren willst, dann komme in meinen “Iris Hammermeister`s Voice-TV” Kanal bei Youtube. Hier wirst Du bald Videoserien sehen können, in denen ich auch über meine Geschichte und meinen Weg spreche.

Wenn Du Dein ganz eigénes Lied singen möchtest, Sängerin, Musikerin oder Künstlerin bist oder es schon immer werden wolltest, dann zeige ich Dir einmal im Monat mit einem kostenfreien Online-Workshop, wie Du Zugang zu Deiner wahren Stimme bekommst und Du Deinen kreativen Ausdruck lebst.

Es grüßt Dich herzlich, Deine Iris

21.9.2018, Copyright Iris Hammermeister

Wie Singen bei Bindungs- und Symbiosetrauma hilft

Ein Gastbeitrag in Newslichter

Von Iris Hammermeister. Warum ist das Singen eigentlich so wirksam oder warum wirkt es so gut bei einem Bindungs- oder Symbiosetrauma? Ein Bindungs- und Symbiosetrauma führt dazu, dass wir den Kontakt zu uns selbst und unsere Stimme verlieren. Wir haben keinen Raum für unsere eigene Entwicklung bekommen. Es ist dennoch alles da, was wir brauchen. Wir müssen nur darauf zugreifen können.

Immer mehr entdecke ich, dass das Singen in die pränatale Zeit zurückführt und erinnert. Die Verbindung zwischen Stimmapparat und Schoßraum ist der Schlüssel. Im Bauch der Mutter waren wir verbunden, versorgt, in einem schwebenden leichten Zustand, alles entwickelte sich von alleine. Ein Zustand von Sog, denn nicht zufällig gibt es die Bezeichnung Säugling, nuckeln Baby am Daumen oder saugen an der Brust. Im Bauch der Mutter waren wir mit ihr verbunden. Ich spreche nicht von Beziehung, sondern von der Verbindung, die trotz aller möglichen Widrigkeiten da war.

Singen gibt uns die Stimme zurück

Der Kehlkopf entfaltet sein größtes Potential, wenn er frei schwingen kann. Das Bezeichnende ist, dass er dann in einen Zustand kommt, der dem Zustand im Bauch der Mutter gleicht. Nicht nur das, er ist in seiner Grundfunktion auf Sog eingestellt. Er versorgt, nährt, gibt uns das Gefühl von Geborgenheit und schwebendem Zustand. Das ist genau das, was uns bei einem Bindungs- oder Symbiosetrauma gefehlt hat. Bei einem Bindungstrauma fehlt uns der Schutz, die Geborgenheit, das genährt werden. Genau das kann uns der Kehlkopf geben. Er ist zutiefst mütterlich und führt zu einer Nahrung von Innen, zu einer Berührung. Das ist Selbstfürsorge im höchsten Maße – das ist Selbstermächtigung, das ist Unabhängigkeit und Autonomie, die uns bei einem Bindungstrauma abhanden gekommen ist. Er gibt uns wieder unsere Stimme.

Nicht nur das. Trauma bedeutet auch verlorene Lebendigkeit. Durch die Berührungen von Innen, das Singen über das Aufsaugen des Klanges bringen wir das Gewebe in Vibration, lassen es regelrecht erwachen und wir werden wieder lebendig.

Damit der Kehlkopf frei schwingen kann, braucht er einen Beckenboden, der wieder seiner natürlichen Funktion der Stütze nachkommt. Der Beckenboden braucht einen gedehnten und beweglichen Psoasmuskel, dann entsteht Raum im Beckenbden, dann erden wir uns, bekommen einen festen Stand und eine innere Aufrichtung. Dann erst kann das Zwerchfell loslassen, es muss sich nicht mehr aufplustern und wir können frei atmen.

Der Kehkopf braucht den Beckenboden, den Schoßraum und wenn beide wieder in Verbindung sind, haben wir Zugang zu unserer Kreativität, zu unserem Potential und sind verbunden mit höheren Kräften. Dann sind wir in einem Zustand des Gebärens, des Erschaffens. Schwangere gebären Kinder und Nichtschwangere sich selbst und ihr Licht. In dieser heiligen Verbindung arbeitet die Selbstregulation und alle anderen Netzwerke und Ungleichgewichte im Körper werden ausgeglichen. Alles ist wieder in Beziehung miteinander. So können wir klingen und schwingen und kommen nach Hause.

Zur Person Iris Hammermeister – Institut für angewandte Improphysis®

Wie Singen bei Bindungs- und Symbiosetrauma hilft

Iris Hammermeister

Ich liebe die Musik, insbesondere den Gesang. In den Künsten finden wir die Lebendigkeit wieder. Alles ist Beziehung. Wir haben die Beziehung zur Natur, zu uns selbst, zum Ursprünglichen verloren. Die Stimme ist mit diesem Ursprünglichen verbunden und kann uns daran erinnern, uns zurückführen in einen SEINS-Zustand der Freude, Leichtigkeit und Schönheit. Wenn wir begreifen, dass das Leben selbst ein Kunstwerk ist, ES ständig erschafft und vergeht, dann sind wir Teil dieser Schöpfung und kommen nach Hause.

Die Verbindung zwischen Kehlkopf und unterem Beckenboden

Die Verbindung zwischen Kehlkopf und unterem Beckenboden
Ein ungeahntes Potential, insbesondere für chronisch kranke Menschen

Von Iris Hammermeister

Mein Forschungsgebiet liegt in der Verbindung zwischen Kehlkopf und unterem Beckenboden. Seit Jahren lehre ich über diese Verbindung und kann heute sagen, dass sie für mich das größte Potential für Wandlung darstellt. In dieser Verbindung spiegeln sich die Themen Bindung und Beziehung, die ein großes Wandlungspotential bereit hält.

Parallelen zwischen dem Stimmapparat und dem weiblichen Geschlechtsorgan

Es gibt eine frappierende Ähnlichkeit zwischen dem Stimmapparat und dem weiblichen Geschlechtsorgan. Beim Stimmapparat gehören die Ohren bzw. das Innenohr dazu. Das Hören hat eine wichtige Bedeutung, wenn es um die Wandlung von alten Mustern geht. Letztendlich wandelt der Klang durch ein anderes Hören um. Wir hören nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit anderen Sinnesorganen, beispielsweise nimmt unsere Haut als größtes Sinnesorgan den Klang auf. Der Kehlkopf könnte als 6. Sinnesorgan betrachtet werden.

 

Oben wie Unten – Parallelorgane

Meine Erfahrung ist, dass alle Veränderungen, die im Stimmapparat geschehen, auch parallel im unteren Beckenboden passieren oder umgekehrt. So kann man von parallelen Organen sprechen, wie beispielsweise Mund und Muttermund, Mundraum und Gebärmutter, Innenohr und Eierstock, Stimmlippen und Schamlippen, Kehlkopf und Vagina,…

Es ist kein Zufall, dass es diese Verbindung zwischen dem Kehlkopf und dem unteren Beckenboden gibt. Diese Verbindung besteht auch bei Männern in einer anderen Art.

Das bedeutet, dass die Stimme mit unserem Ursprung, mit unserem göttlichen Funken, mit unserer Lebensenergie, mit unserem Schöpfungsraum verbunden ist. Es ist auch kein Zufall, dass das weibliche Geschlechtsorgan so viele Parallelen zum Stimmapparat aufweist und das kollektive verletzte Weibliche im Schoßraum der Frauen verborgen liegt. Ich habe mich viel mit der Mutterwunde auseinandergesetzt und bin zum Ergebnis gekommen, dass das Singen Mütterlich ist, was uns wieder mit dem Gottesweiblichen verbindet, denn der Klang ist weiblich und der Ursprung des Universums.

Diese Verbindung spielt nicht nur eine große Rolle für den Fachbereich der Pränatalpsychologie, sondern auch für die Rückverbindung zur Essenz, die auch für Musiker und Künstler eine wichtige Grundlage des eigenen Schaffens ist. Ein Baby liegt im Bauch der Mutter genau in dieser Verbindung. Die Verbindung zeigt sich physiologisch über die Wirbelsäule und energetisch über ein Band, welches beides miteinander verbindet. Das Knochengewebe ist ein sehr schwingungsreiches Gewebe. Oben am Anfang der Wirbelsäule beginnt sie und unten im Schoßraum endet sie. Symbolisch stellt sie Anfang und Ende dar, Geburt und Tod. Die Wirbelsäule ist die Basis unseres Lebens. Das Knochengewebe ist das tiefste Gewebe, auf dem wir unser Leben aufgebaut haben. Oft geht es im Leben auch darum Rückrat zu haben und sich nicht brechen zu lassen, also wie stabil sind wir und stehen wir für uns selbst ein?

Getrenntsein ist eine Illusion – Wir waren immer verbunden

Wenn wir nun eine schwierige Mutterbindung erfahren haben, die letztendlich aufgrund der patriarchalen Kultur normal ist, geht es hier ja immer um das Gefühl der mangelnden Verbindung oder dem Gefühl des Getrenntseins. Das Singen bzw. die Stimme kann jedoch daran erinnern, dass wir in einer Verbindung waren und Trennung eine Illusion ist. Egal wie schwer eine Mutter traumatisiert war, das Kind ist im Bauch der Mutter immer mit ihr verbunden, sonst wäre es nicht lebensfähig, denn die Mutter versorgt das Kind auch über die Nabelschnur.

Der Körper formt das Gehirn am Anfang des Lebens

In dieser Zeit und in den ersten Lebensjahren formt der Körper das Gehirn. Erst später werden Synapsen im Gehirn gebildet, die davon abhängig sind, welche Erfahrungen das Kind in seinem Beziehungsgefüge gemacht hat. Das Gehirn schafft Netzwerke und Verschaltungen anhand der gemachten Erfahrungen (Bindung & Beziehung). Wenn diese überwiegend negativ waren, wovon bei einer traumatisierten Gesellschaft und der transgenerationalen Weitergabe von Traumata auszugehen ist, wird das Schmerzzentrum im Gehirn gebildet. Dieses ist vor allen Dingen im Ruhezustand aktiv und bei chronisch kranken Menschen besonders stark. Das bedeutet, dass negative Gedanken ständig im Kopf kreisen, die wiederum negative Gefühle wie Angst und Schmerz zur Folge haben. Das Gehirn sendet in den Körper bestimmte Botenstoffe, die süchtig machen, also das Suchtzentrum im Gehirn ansprechen. Der Körper schreit förmlich nach diesen Botenstoffen, wenn er diese nicht bekommt, so dass das negative Denken und Fühlen auch zu einem Zwang geworden ist, den man nicht so einfach abstellen kann. Diese Denkstruktur sichert das Überleben, so dass sich das Gehirn in einem anhaltenden Überlebensmodus befindet. Diese Synapsen bzw. Negativ-Verschaltungen verhindern jedoch die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Sie verdecken den ursprünglichen Zustand der Verbindung und Erschweren ein Herankommen an die frühe pränatale Phase, in der diese Synapsen noch nicht vorhanden waren. Manchmal verhindern diese Negativ-Verschaltungen auch das Empfinden von Schmerz, gerade bei chronisch kranken Menschen. Die Folge ist das Nicht-Wahrnehmen, dass etwas nicht in Ordnung oder aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bei einer chronischen Erkrankung findet keine Selbstorganisation der Selbstheilungskräfte mehr statt, der Körper ist überfordert.

Positive Erfahrungen bilden neue Synapsen

„Die im Lauf unseres bisherigen gemachten Erfahrungen im Leben von Unverbundenheit, von Unvereinbarkeit, Unverständnis und Hilflosigkeit müssen durch solche Erfahrungen überlagert werden, die an ursprünglich, zumindest, während der frühen Kindheit  vorgeburtlich oder postnatal gemachte Erfahrungen von Kohärenz, von Verbundenheit und von eigener Gestaltungsfähigkeit anknüpfen.“  * Siehe Quellenangabe

Das bedeutet, dass die Verbindung zwischen Kehlkopf und unterem Beckenboden über die eigene Stimme ermöglicht, an die Verbindung zur Mutter in der vorgeburtlichen Zeit zu erinnern und ein ungeheures Potential darstellt. Somit auch für chronisch kranke Menschen die Möglichkeit besteht, ihre Selbstheilungskräfte wieder zu aktivieren und an die gemachte Erfahrung von Verbundenheit dieser vorgeburtliche Zeit anknüpfen können. Wir verbinden uns mit dem älteren Teil des Gehirns zurück und können damit die später entstandenen Verschaltungen durch negative Erfahrungen in den Beziehungen umgehen.

Um den Teufelskreis der Negativ-Verschaltungen zu unterbrechen müssen neue Synapsen und Verschaltungsmuster im Gehirn gebildet werden. Dazu braucht es positive Erfahrungen, die den Körper miteinbinden, auch das Zusammenspiel zwischen Körper, Psyche und Denken. Es muss das was bereits gut funktioniert weiter ausgebaut werden. Dazu gehört auch, dass die Person einen Raum bekommt und gesehen wird, die Erfahrung macht etwas Besonderes zu sein, also ein Individuum, ein Subjekt. Positives Denken, Affirmationen, Glaubenssätze umprogrammieren, kognitive Angebote – dazu gehören auch therapeutische Angebote – können keine nachhaltige Veränderung bewirken.

Schaffung (Erinnern) von Räumen und Zwischenräumen für lebendige Prozesse

Die Stimm-Balance Prozessarbeit beinhaltet alle wichtigen Aspekte der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neurobiologie. Über die differenziert geführte Stimulation werden Beziehungen (Zwischenräume) zum Klang-, Körper-, und Nervensystem aufgebaut. Es geht hier immer um die Schaffung von Zwischen-Räumen, in der sich die Selbstorganisation der Singstimme und des Körpers entfalten kann. Zwischen-Räume schaffen bedeutet nichts anderes als Beziehungen zu ermöglichen (weibliches Prinzip!), in denen lebendige Prozesse geschehen können. Der Organismus bzw. die Selbstheilungskräfte reorganisieren sich selbst. Der Fokus liegt auf das was bereits da ist (Tonumfang, Klangvolumen, sensorische Wachheit,…) und gut funktioniert und wird weiter ausgebaut. Die Stimm-Balance ist erfahrungsbasiert und ermöglicht so die Bildung neuer Synapsen. Zudem wird beim Singen die rechte Gehirnhälfte (Zuständig für Gefühle, Intuition,…) aktiviert, als auch die linke und rechte Gehirnhälfte miteinander verbunden. Die Stimulation der Sensomotorik befördert die Erinnerung an die Zeit der Verbundenheit in der vorgeburtlichen Zeit. Zudem schüttet das Singen Oxytocin aus, ein Glückshormon, welches auch während der Schwangerschaft, Geburt und beim Sterben ausgeschüttet wird.

Der Beckenboden – unser Zuhause

Im Beckenboden ist unser Zuhause, der Ort der Kreativität. So sehe ich auch für die Kreativitätsentwicklung und im künstlerischen Wirken eine wichtige Aufgabe die Verbindung zum Beckenboden aufzunehmen. Im Schoßraum entsteht Leben, also Schöpfung pur, in der wir immer wieder neu erschaffen und kreieren. Die Verbindung zwischen Kehlkopf und Beckenboden gleicht also dem Schöpfungsprinzip des ständigen Erneuerns und Vergehens. Dort treffen sich Gebären und Sterben und es ist kein Zufall, dass das Oxytocin genau beim Singen, Sterben und Gebären ausgeschüttet wird…

Quellenangabe:*

Titel: Reaktivierung von Selbstheilungskräften aus neurobiologischer Sicht“,
Autor: Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther,
Quelle: symptome.ch – Symptome und Ursachen von Krankheiten – Blog mit Tipps zu Gesundheit

© Text Copyright Iris Hammermeister
© Bilder Copyright Improphysis® – Iris Hammermeister
Lehrmaterial – Improphysis® – Stimm-Balance
Nutzung des Bildmaterials nicht erlaubt!

Das Institut für angewandte Improphysis® bietet eine Ausbildung in Stimm-Balance an, die im September 2018 startet. Hierbei geht es auch im die Verbindung zwischen Stimmapparat und Beckenboden, als auch um Bindung und Beziehung.

Eine Fortbildung in Stimm-Balance für Fachfrauen aus der Pränatalpsychologie und Bindungsanalyse ist derzeit in Vorbereitung.

Demnächst finden Sie weitere Artikel zu den Themen:

  •  Stimme, Bindung und Beziehung.
  • Wieso kann die Stimme bzw. der Kehlkopf so wirkungsvoll ausbalancieren?
  • Was haben Räume und Zwischenräume mit Weiblichkeit zu tun und welche Rolle spielt dabei die Stimme?
  • Welche Bedeutung hat der Psoasmuskel  in der Stimmbildung und in der Traumaarbeit und wie kann die Stimme auf den Psoasmuskel  Einfluss nehmen?

Heilung der Mutterwunde über die eigene Stimme

Heilung der Mutterwunde über die eigene Stimme
In dem Interview „Emanzipation mal anders betrachtet“ beschreibt Apotheker Carsten Pötter seine Sicht auf Frauenleiden und deren Hintergründe, die sich ganz augenscheinlich nicht auf „aus dem Ruder gelaufene Hormone“ reduzieren lassen . Iris Hammermeister sieht das ähnlich. Sie absolvierte klassische Ausbildungen in Klavier, Violine, Gesang, Gitarre und Flöte. Zudem ist sie Pädagogin und Wirtschaftsinformatikerin. Ihr eigener Prozess schließlich führte sie an Themen wie Trauma und ungelebte Weiblichkeit heran. Stetige Weiterbildungen rund um Stimmbildung, ganzheitlichen Gesangsunterricht sowie körperorientierte Traumaarbeit und systemische Familientherapie trugen zu einem umfassenden Wissen über Körper, Geist und Seele des Menschen bei. Die Bedeutung von transgenerationalen/transgenerationellen traumatischen Erfahrungen in der Kausalkette von Erkrankungen gehört zu ihren Forschungsgebieten. Iris Hammermeister ist seit Jahren als Therapeutin, Dozentin, Autorin von Fachartikeln und Veranstalterin von Seminaren tätig. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Auseinandersetzung mit der „Mutterwunde“. Was sie darunter versteht, welche Schlussfolgerungen sie aus ihrer umfassenden Arbeit mit Menschen zog, und was die eigene Stimme als therapeutisches Mittel bewirken kann, ist der Themenschwerpunkt dieses Beitrages.
FRIEDA im Gespräch mit Iris Hammermeister
FRIEDA:
Wie kamen Sie von der Wirtschaftsinformatik zu dem , was Sie heute machen?
Iris Hammermeister:
Die Wirtschaftsinformatik war das Ausleben meiner Begabung mit Zahlen. Häufig haben musisch begabte Menschen ja auch mathematische Fähigkeiten. Ich nutzte diese Kenntnisse eher im Bereich der Existenz- und Unternehmensberatung, die ich im Auftrag von Arbeitsagenturen durchführte. Als ich sehr erfolgreich war, gab es traumatische Erlebnisse, die dazu führten, dass ich krank wurde und mein Leben hinterfragte. Trotz vieler Erfolge spürte ich eine Leere und war nicht wirklich glücklich. Materielle Güter führten nicht zu einer Zufriedenheit, wie ich zunächst gedacht hatte. Da fragte ich mich, was noch im Leben kommen muss, damit ich zufriedener werde, denn die Bestätigung und Anerkennung meiner Arbeit reichte nicht aus. Ich arbeitete immer mehr. Irgendwann rutschte ich in einen Burnout und war völlig erschöpft. Dann machte ich einen Schnitt und gab alles auf. Nicht freiwillig, ich konnte nicht mehr, mein Körper war am Ende. Ich erkannte, wie sehr ich mich mit der Rolle der erfolgreichen Unternehmerin identifizierte und glaubte zu sterben, wenn ich das alles aufgäbe. Es war eine harte Zeit der Erkenntnis der Illusionen, die mir bewusst wurden.
FRIEDA:
Sie haben sich intensiv mit Traumata beschäftigt, ein Thema, das meiner Ansicht nach viel zu wenig bei der Diagnostik von seelischen und körperlichen Problemen in Betracht gezogen wird. Wie Sie im Vorgespräch erwähnten, begann die Auseinandersetzung damit bei Ihnen mit dem Thema Kriegs-Trauma. Nicht nur aus der familiensystemischen Aufstellungsarbeit ist ja heute bekannt, dass traumatische Erfahrungen von Generation zu Generation weitergegeben werden können. Was haben Sie dazu herausgefunden?
Iris Hammermeister:
Ich war ein sehr lebendiges, wildes und lachendes Kind, das voller Lebensfreude war. Dann gab es mit ca. vier Jahren einen Bruch in meinem Leben und ich verstummte. Mir sind zwei Brüche im Laufe des Lebens wieder passiert. Bei einem ging es um meine erste große Liebe und beim anderen um eine
berufliche Erfahrung, die mir passierte, als ich sehr erfolgreich war. Bei beiden Brüchen kam es zu körperlichen Symptomen. Beim ersten Bruch rutschte ich in eine Schilddrüsenunterfunktion und beim zweiten brach eine Hashimoto Thyreoiditis bei mir aus. Es hatte bei allen Brüchen immer mit Verrat zu tun. Ich kann mich erinnern, wie mein Körper förmlich erstarrte. Auch schon als vierjähriges Kind gab es eine Situation, die so traumatisch war, dass ich mich noch an den Schock in mir erinnere.
Immer wenn ich laut und lebendig war, auch erfolgreich als Unternehmerin, habe ich von meinem Umfeld eine „Ohrfeige“ bekommen, so als ob ich keine Freude empfinden oder keinen Erfolg haben darf. Hinzu kamen Verhaltensweisen und Empfindungen, die mir aufgefallen waren. Beispielsweise einen Angst vor Hunger, so dass ich Konserven hortete und auch Lebensmittel wegwerfen musste, weil ich sie vergaß und nicht nutzte. Bis heute gibt es in mir das Gefühl, dass ich da, wo ich lebe, nicht bleiben kann, und immer auf der Suche nach einem neuen Platz bin. Meine Brüche haben dazu geführt, dass ich mich auf die Suche nach meiner eigenen Familiengeschichte begab. Ich hatte über viele Jahre keinen Kontakt zu meinem Vater. Er existierte quasi nicht in meinem Leben. So nahm ich Kontakt zu ihm auf und besuchte ihn regelmäßig. Er erzählte viel von seinen Kriegserlebnissen, davon, dass er hungern und als kleiner Junge mit seiner Familie aus Westpreußen flüchten musste. Ich träumte manchmal Szenen von Flucht, die ich selbst nicht erlebt hatte, die mir jedoch sehr nachgingen. Es waren Szenen, die mein Vater mir dann später erzählte, die er erlebte! Da ich schon immer eine Suchende war und den Dingen auf den Grund gehen will, machte ich mir Gedanken, was wohl mit all den Soldaten des 2. Weltkrieges passiert ist, die den Krieg überlebt haben und zurückgekommen sind. Ich fragte mich, wo all diese traumatischen Erlebnisse geblieben sind. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Literatur oder Forschungsergebnisse finden und war sehr überrascht , dass es dazu nichts gab und die Soldaten wohl sich selbst überlassen wurden. Jahre später gab es dann Bücher von Sabine Bode oder Fachtagungen zu Traumata, auch Ausbildungen. Zu meiner Zeit der Ausbildung in Familientherapie waren Traumata oder die transgenerationale Weitergabe von Traumata kein Thema. Noch später dann wurden Bücher von Prof. Dr. Franz Ruppert veröffentlicht, der viel über die mehrgenerationale Psychotraumatologie geschrieben hat, etwa auch über das Symbiosetrauma. Endlich bestätigten sich meine Ahnungen und ich selbst erkannte mich mit meinen Symptomen und Mustern wieder und der großen Schwierigkeit, ein autonomes Leben zu führen. Ich erkannte mein Überlebensmuster und mein Symbiosetrauma. Es war ein langer und schmerzvoller Weg der Erkenntnis auf der Suche nach mir selbst. Ich verließ meinen Wohnort, zog in die Eifel, weit weg von meiner Mutter, und brauchte Ruhe und Erholung, weil ich in all den Jahren des vielen Arbeitens und Flüchtens in diesen Burnout rutschte. Ich hatte einfach das Gefühl, wenn ich jetzt nicht gehe , dann werde ich von meiner Mutter völlig aufgefressen und verschwinde ganz. Ich las Bücher von Alice Miller „Das Drama des begabten Kindes“ und nahm mir endlich Zeit für mich selbst. Ich wollte herausfinden, was mir meine Krankheit sagen möchte, was ich überhaupt im Leben möchte und warum ich hier bin.
Irgendwann wurde mir bewusst, dass meine therapeutische und sozialpädagogische Arbeit die Fortführung meines Überlebensmusters war. Für andere zu sorgen, Dinge zu regeln und sich selbst völlig aus dem Blick zu verlieren war das Eine. Das Andere war, dass ich diesen Job auch machte, um Liebe und Anerkennung zu bekommen, letztendlich von meinen Klienten. Liebe und Anerkennung, die ich mir im Grunde von meinen Eltern gewünscht hatte. Damit wurde mir bewusst, dass ich versuchte, einen scheinbaren Mangel aufzufüllen und ich damit etwas ersehnte, was ja auch meine Klienten suchten und von mir haben wollten – letztendlich eine Mutter. In der Mutterrolle war ich gut und geübt, hatte ich schließlich von Kindesbeinen an die Mutterrolle für meine Mutter eingenommen. Schmerzlich war für mich zu erkennen, dass ich meine Klienten damit missbrauchte und die Beziehung zu ihnen abhängige Muster zeigten, letztendlich symbiotische Muster. Ich konnte daher die Arbeit nicht mehr fortführen und wollte aus dem helfenden Bereich aussteigen. Ich wiederholte mit meinen Klienten mein Symbiosetrauma, letztendlich wiederholten auch meine Klienten ihr eigenes Symbiosetrauma
mit mir. Ich begab mich auf der Suche nach Heilung und probierte alles aus, was der esoterische, aber auch der sonstige alternative Markt so hergaben. Egal ob nun Schulmedizin, Psychotherapie, Geistheilung, energetische Heilweisen, Homöopathie – ich weiß nicht mehr, was ich alles ausprobierte, doch es half nur vorübergehend. Heute weiß ich auch warum. Im helfenden Bereich arbeiten sehr viele Menschen, insbesondere Frauen, die vom Symbiosetrauma betroffen sind, es selbst jedoch nicht wissen. Es gibt kein Bewusstsein über Trauma oder die transgenerationale Weitergabe von Traumata. Häufig suchen Menschen in helfenden Bereichen selbst Heilung. Es gibt in der Gesellschaft auch kaum ein Bewusstsein über den Körper und über die Weitergabe traumatischer Erlebnisse über unsere Gene, über neurobiologische Zusammenhänge, über Körperweisheit und Körperwissen (…). Der Körper wird oftmals vergessen, gerade im spirituellen oder esoterischen Bereich, was wiederum ein typisches Symptom für Trauma ist. Es werden gute Gefühle verkauft oder Methoden, die Heilung versprechen – und man merkt nicht, dass die meisten Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, oft nicht wissen, was sie tun, und was Heilung eigentlich bedeutet. Dazu könnte ich noch vieles schreiben, denn auch im sogenannten alternativen Heilungsmarkt werden vermännlichte, patriarchale Muster deutlich, die nicht zur Heilung führen können, wenn man begreift, woher Krankheit kommt.
Wichtige Schritte auf meinem Heilungsweg waren eine Entgiftung, eine körperliche Reinigung, die ich über sechs Jahre ayurvedisch durchführte. Hinzu kam das Singen, eine physiologische Stimmbildung des Lichtenberger Instituts für angewandte Stimmphysiologie, die die Selbstregulation meines Körpers wieder in Gang brachte.
FRIEDA:
Was haben gerade Schilddrüsen- und Autoimmunerkrankungen, die ja eklatant zugenommen haben, denn mit intergenerationellem Trauma und ungelebter Weiblichkeit (der Mutter) zu tun?
I. H.:
In meiner Arbeit konnte ich bei Frauen, die Schilddrüsen-, Autoimmunerkrankungen oder Krebs haben, immer eine Verbindung zu traumatisierten Familiensystemen ziehen. Chronische Erkrankungen nennt man auch Systemerkrankungen. Es ist der ganze Mensch erkrankt, wobei ich Krankheit als solche auch noch anders definiere. Wenn wir nicht nur den Körper, den Geist und die Seele als ein System betrachten, sondern auch Familien als ganze
Systeme oder die Gesellschaft, dann drückt das für mich sehr deutlich aus, dass es sich um kranke Systeme handelt, die der Körper oder die Seele  versucht über Krankheiten auszudrücken. Letztendlich ist Krankheit immer ein Versuch etwas zu heilen, oder auf ein Ungleichgewicht hinzuweisen.

Bei all diesen Erkrankungen konnte ich immer eine schwierige Verbindung zur Mutter feststellen bzw. traumatisierte Mütter, die keine Verbindung zu sich selbst hatten aufgrund ihrer eigenen Traumatisierung oder des traumatisierten Familiensystems. Wenn Mütter keine Verbindung zu sich selbst haben und sich abgetrennt erleben, dann können sie auch keine emotionale Bindung zu ihrem Kind aufbauen. Letztere ist jedoch für ein Kind lebensnotwendig, so dass diese Bindungsstörung schon früh zu einem Überlebenskampf des Kindes führt. Wenn ein Kind kein Gegenüber hat, weil die Mutter emotional nicht anwesend ist, dann läuft es mit seinen Handlungen immer ins Leere. Für die eigene Entwicklung braucht es jedoch einen Spiegel, ein Gegenüber. Diese Kinder fühlen sich in ihrer Existenz oft bedroht, sehr einsam und verlassen. Der Körper führt ein Notfallprogramm aus und versucht das Überleben zu sichern. Das bedeutet schon sehr früh im Leben eines Kindes chronischen Stress, letztendlich chronische Traumatisierungen und Überlebensstrategien. Das ganze System dieses Menschen steht unter Stress und das über viele Jahre. Heute weiß man, dass die Hauptursache für Krankheiten Stress ist. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen konnte ich immer diesen Stress in ihrem System spüren, wobei ja auch Diagnosen alleine Stress bedeuten. Spürbar sind für mich auch immer ganz große Ängste, Sterbensängste, Angst vor dem Alleinsein, Versagensängste und eine chronische Anspannung. Die Angst vor dem Tod ist oft ausgeprägt, sicher auch, weil dieser Mensch schon früh sein Überleben sichern musste und die Situation ja tatsächlich lebensbedrohlich war. Menschen mit Krebs haben häufig schon Jahre vor dem Krebs häufig Angst vor Krebs gehabt. Diese Menschen bleiben in ihrem Überlebensmodus. Jedoch hat man ja auch erforscht, dass Traumata über die Gene weitergegeben werden und die Erfahrungen und Muster der letzten drei Generationen in unserem Körper gespeichert sind. Das bedeutet, dass bereits im Mutterleib oftmals schon Überlebensinformationen über die Gene im Körper des Kindes angelegt wurden. Das bedeutet ferner, dass man mit bestimmten Informationen auf die Welt kommt und eine traumatisierte Mutter, die ebenfalls im Überlebensmodus weilt, nicht in der Lage ist, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen – und so wiederholt sich das Bindungstrauma von Generation zu Generation. Wenn wir nun die deutsche Geschichte anschauen wird deutlich, dass beispielsweise in meiner Generation (ich bin 1967 geboren) der 1. und 2. Weltkrieg in meinen Zellen gespeichert ist. Wenn ich Deutschland betrachte, dann sehe ich eine kollektive Traumatisierung. Zum Überleben gehört, dass man das Fühlen unterdrückt und sich tot stellt. Wenn nun Kinder sehr lebendig und lebensfroh waren und sie vor Lebensfreude strotzten, ist das für eine traumatisierte Mutter nicht auszuhalten, weil sie dadurch an ihre verlorene Lebendigkeit und Freude erinnert wird. Mir wurde als sehr wildes Kind schnell meine große Lebendigkeit und Freude ausgetrieben, bis ich verstummte und aufgab. Dass ist mir im späteren Leben immer wieder passiert, wenn ich mich zeigte, erfolgreich, lebensfroh und stark, gab es immer Personen, die versuchten, mir dieses zu nehmen, bis ich dieses Muster selbst fortführte und mir selbst meine Freude nicht gestattete oder boykottierte. Es ist ein innerliches Sterben und Erstarren. Da spielt die Mutter eine erhebliche Rolle, denn Kinder sind immer solidarisch zu ihren Eltern. Kinder lieben ihre Eltern bedingungslos. Kinder spüren den Schmerz ihrer Eltern und versuchen, diesen für sie zu tragen, denn sie haben Angst, ihre Mutter oder ihren Vater zu verlieren. Töchter haben häufig Loyalitätskonflikte und Probleme damit, erfolgreicher, schöner oder glücklicher zu sein als die Mutter. Es ist ein absolutes Tabuthema, aber unbewusst gibt es eine Konkurrenz zwischen Mutter und Tochter. Oftmals auch Neid und Missgunst der Mutter gegenüber der Tochter, die sie nicht freilässt und es kaum zulassen kann, dass die Tochter nun das Leben führt, was sie selbst gerne geführt hätte. Mütter geben unbewusst patriarchale Muster, eine Unterdrückung und Abwertung des Weiblichen, an die Töchter weiter, dahinter steckt die eigene Mutterwunde. Zu diesem Thema werde ich später noch etwas sagen, denn es ist ein geschichtliches Thema, welches zu Kriegen und Krankheiten führt, denn Krankheit ist letztendlich nur der Ausdruck von Krieg gegen das Leben und Lebendige, der in uns tobt. Die Schilddrüse ist eine Evolutionsdrüse, die Drüse der Reifung und des Wachstums. Frauen, die mit Schilddrüsendysfunktionen zu tun haben, waren als Kind häufig in der Mutterrolle ihrer Mutter. Das trifft auch auf Frauen mit Krebs zu. Diese Kinder versorgen ihre Mütter emotional und stellen ihre eigene Entwicklung oder ihre eigenen Bedürfnisse völlig hinten an.

Das hat zur Folge, dass diese Kinder nicht wirklich eine Kindheit hatten und sehr überfordert waren. Später sind diese Kinder emotional ausgehungerte Menschen, die nicht gelernt haben, gut für sich selbst zu sorgen. Immer gibt es abhängige symbiotische Beziehungsmuster und die ewige Suche nach Anerkennung und Liebe. Oftmals sind diese Frauen in helfenden Berufen, weil sie ja früh gelernt haben, Mutter zu sein. Die Schilddrüse hat aber auch mit Weiblichkeit zu tun, mit Ausdruck und mit dem Aussprechen der Wahrheit. Diese Frauen haben ihr Leben lang andere versorgt und ihre eigenen Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse runtergeschluckt. Sie haben geschwiegen, sind verstummt und gerade für diese Frauen ist es wichtig, dass sie ihre Lebendigkeit wieder entdecken und ausleben. Oftmals konnte ich feststellen, dass diese Frauen, wie ich selbst auch, ganz wilde und lebendige Kinder waren, die verstummten. Wenn man bedenkt, dass die Stimmbänder direkt an der Schilddrüse liegen, wird deutlich, wie wichtig das Singen oder das
Tönen für diese Frauen ist. Nicht nur die physiologische Lage erklärt dies, sondern mit dem Singen und Tönen geben sie all dem Hinuntergeschluckten eine Stimme. Es geht zunächst darum, die männliche Seite zu lernen, also NEIN sagen zu lernen, sich abzugrenzen, etwas nach außen zu bringen. Bei chronischen Krankheiten, häufig auch bei Schilddrüsenerkrankungen, gibt es eine Abwertung des Weiblichen, sexuelle Gewalt im Familiensystem. Die Schuldmedizin arbeitet bei einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei Hashimoto in der Regel mit der Gabe von Schilddrüsenhormonen. Eine Schilddrüse, die nicht mehr genügend Hormone produziert, stellt wegen einer Überforderung irgendwann ihre Arbeit ein. Oftmals sind die Schilddrüsen
so erschöpft, dass sie nicht mehr können. Häufig gleichen sie etwas aus, also Fehlfunktionen im Körper. Das ist die Spiegelung der Kindheit: überforderte Kinder, die versucht haben, dysfunktionale Familiensysteme auszugleichen und die irgendwann aufgeben und sich tot stellen. Die Gabe von Hormonen soll dazu führen, dass die eigene Produktion der Hormone in der Schilddrüse unterdrückt wird, um WACHstum zu vermeiden, da bei einer Unterfunktion häufig eine Struma entsteht, also eine zu große Schilddrüse. Nun wird mit der Gabe von Hormonen das Alte wiederholt. Man schluckt wieder etwas hinunter und möchte etwas ruhig stellen. Für mich ist es ein Ruf der Schilddrüse (Seele) wieder etwas zum Erwecken zu bringen, was schon lange begraben ist. Die Frage ist also, was kann ich tun, um meine Schilddrüse wieder zum Arbeiten zu bringen, und was will sie mir mitteilen? Häufig schreien die wilden Kinder von damals in der Schilddrüse und wollen, dass die Frauen wieder zu den wilden Frauen, die sie einst einmal waren, zurückkehren. Wenn man anfängt, die Sprache des Körpers zu verstehen, dann wird deutlich, wie intelligent er erschaffen wurde, überhaupt, wie intelligent die ganze Schöpfung ist. Autoimmunerkrankungen haben häufig damit zu tun, dass sich unterdrückte Wut gegen sich selbst richtet. Diese Erkrankungen verlaufen in Schüben und haben mit Entzündungsprozessen zu tun. Man sagt, dass Entzündungen mit unterdrückter Wut zu tun haben, also mit unterdrücktem Feuer. Es kann nicht richtig brennen und findet keinen Ausdruck. In Ahnenreihenaufstellungen konnte ich immer eine große Wut feststellen, die keinen Weg hinaus fand.
Wenn ich zurückblicke, war meine Oma sehr wütend, die oft ihre Wut an mir entlud, die selbst eine riesige Struma hatte. Oder mein Vater war voller Wut und deswegen in einer solchen Anspannung, dass wir Kinder immer Angst hatten, er könne jederzeit explodieren. Bei Autoimmunerkrankungen werden körpereigene Organe angegriffen und zerstört. Krebs stellt für mich die gesteigerte Form der Selbstzerstörung dar. Das passiert aber nicht, weil diese Menschen selbst „schuld“ sind oder sich selbst umbringen wollen. Wenn wir begreifen, dass in uns alle Traumata der letzten drei Generationen  gespeichert sind, dann wird deutlich, dass diese Erkrankungen nur den erfahrenen Krieg im Familiensystem spiegeln. Gerade chronisch kranke Menschen finden keine Heilung und suchen die Schuld oft bei sich selbst oder fühlen sich als Versager, wenn sie die Lösung nicht finden. Für mich ist es keine Frage, dass diese Krankheiten mit der transgenerationalen Weitergabe von Traumata zu tun haben. Denn sie führen uns in Gefühle, die wir bereits als Kind – oder die unsere – haben. Wir sind dem Krebs oder dem erkrankten Organ völlig ausgeliefert. Es macht einfach, was es will. Wenn ich Körper betrachte, die voller Metastasen sind, dann erschließt sich mir ein Bild von Bombenangriffen, die im Körper stattfinden. Wenn der Schmerz in einer Familie groß ist, braucht es mehrere Generationen, bis dieser geheilt ist. Menschen mit chronischen Erkrankungen sind aufgefordert, ihre Familien, ihre
Ahnen zu heilen, damit sie selbst heilen können. Davon bin ich inzwischen überzeugt. Die Krankheit weist darauf hin, dass im Familiensystem unterdrückte Gefühle weilen, die ans Licht gebracht werden wollen. Wenn wir begreifen, dass wir alle miteinander verbunden sind und unsere Ahnen immer bei uns sind, wird deutlich, welch schweres Erbe wir angetreten haben, aber auch, welche Heilungschancen sogenannte unheilbare Krankheiten haben. Traumatisierte Systeme sind immer erstarrte Systeme. Es ist eine Chance wieder etwas in den Fluss zu bringen. Das Symbiose- oder Bindungstrauma nennt man auch das Trauma der Liebe und wenn wir im Familiensystem die Liebe wieder in den Fluss, insbesondere zwischen Mütter und Töchter, bringen, wird tiefgreifende Heilung geschehen. Nun möchte ich weiter zurückgehen in unsere Geschichte der Frauen und des Weiblichen. Die Medizin wurde einst von den Frauen in die Welt gebracht. Sie sind Träger des Lebens, in ihnen wächst Leben heran. Sie gebären Leben. Sie sind Ausdruck des Lebendigen. Das Weibliche ist das Lebendige, die Entstehung allen Lebens. Es ist an Zyklen und an Prozesse gebunden, es wandelt und ist ständig in Bewegung, so wie die Natur auch. Deshalb sind wir, so wie wir erschaffen worden sind, auch Teil der Natur: unkontrollierbar, mächtig, unbändig, wild… Früher waren die Frauen wilde Frauen, eng verbunden mit der Natur und Mutter Erde. Sie waren lustvoll, unbändig, machtvoll und wissend. Das Männliche hatte Angst vor diesen machtvollen Frauen und wollte selbst gebären und genauso mächtig sein, so dass im Laufe der Jahre Macht über den weiblichen Körper ausgeübt wurde. Man versuchte ihn zu kontrollieren und unterdrückte das Weibliche, das Natürliche, letztendlich das Lebendige, das Leben selbst. Immer stärker werdende patriarchale gesellschaftliche Systeme führten zu einer Lebensverneinung, zu einer Erstarrung, zur Abtötung des Lebendigen. Krieg ist nichts anderes als Ausdruck dieses Lebensverneinenden, denn man tötet Leben. Es ist kein Geheimnis, dass in Zeiten von Kriegen massenhaft Frauen vergewaltigt wurden, das Weibliche massiv verletzt und unterdrückt wurde. Dabei spielt die sexuelle Lust keine Rolle,
vielmehr geht es um die Macht über die Frau, an der Wut und Zorn so ihren Ausdruck finden. Wenn wir nun Krankheiten betrachten, geschieht hier genau das Gleiche. Diese kollektiven Muster, insbesondere bei kollektiven Traumatisierungen, spiegeln die Zerstörung des Weiblichen, des Lebens. Viele erkrankte Frauen berichten mir, dass sie das Gefühl haben, im Leben keinen Platz zu haben und eigentlich keine Daseinsberechtigung haben.
Der kollektive Schmerz der Frauen, der in unseren Gebärmüttern gespeichert ist, ist riesig. Patriarchale Systeme wirken trennend. So ist auch unsere Medizin auf patriarchalen Mustern aufgebaut, trennend. Immer mehr Frauen werden entwurzelt und über ihre Körper wird verfügt. So werden schnell Schilddrüsen oder Gebärmütter entfernt, die Organe, die das Weibliche symbolisieren. Es gibt kaum noch natürliche Geburten, immer mehr Kaiserschnitte. Die natürlichen zyklischen Vorgänge werden den Frauen immer mehr genommen. Dazu gehören auch die Pille bzw. Hormonbehandlungen. Patriarchale Systeme sind inzwischen eng mit dem Kapitalismus verknüpft, was sich in allen Lebensbereichen zeigt. In Deutschland gibt es eine regelrechte Krebsindustrie. Die Lobby der Pharmaindustrie ist riesig. Obwohl man weiß, dass konventionelle Krebsbehandlungen nur bedingt helfen, wird fleißig viel Geld dafür ausgegeben. Unser Gesundheitssystem arbeitet unheimlich stark mit der Angst.
Auch ganzheitliche und alternative Heilungsweisen werden kommerzialisiert oder aus einem Gesamtzusammenhang genommen und für westliche Ausbildungssysteme passend gemacht. Man verkauft schamanische Ausbildungen und lehrt schamanische Techniken, die damit ihre Kraft verlieren, weil sie nichts mehr mit der eigentlichen Lehre oder Philosophie zu tun haben. In allem wird die verlorene Achtung und der verloren Respekt gegenüber dem Leben deutlich und das Leben als etwas Heiliges nicht mehr geehrt. So verlieren die Frauen immer mehr den Bezug zu ihrem Körper, zu altem Wissen, zu
ihrem Zentrum, der Gebärmutter und lassen über sich bestimmen. Und so hat man die heiligen Rituale der indigenen Völker für sich genutzt und kommerzialisiert und zeugt auch hier mangelnden Respekt gegenüber diesen Völkern mit ihren heiligen Ritualen. Es wird deutlich, wie sehr wir uns von unserer eigentlichen Natur entfernt haben. Mich macht das oft wütend, weil ich weiß, dass viele Stämme Hunger leiden müssen und man ihnen alles genommen hat und sich genau das in anderer Form wiederholt. Wann begreifen wir endlich , dass wir all das uns selbst antun und wir ein Teil von allem sind? In fast allem wiederholen sich das Lebensverneinende und die Unterdrückung des Weiblichen, die Zerstörung des eigenen Lebens, des Lebendigen.
FRIEDA:
Bei den von Ihnen genannten Symptomen arbeiten Sie mit der Stimme. Wie kann man sich das speziell vorstellen und welche Resultate hat das?
I. H.:
Ich arbeite mit keiner Methode, die ich bei allen Frauen gleich anwende. Es ist so, dass ich anhand des Stimmklangs hören kann, wo der Körper diesen Menschen hinführen möchte oder wo sich gerade Gewebe für Resonanz zur Verfügung stellt. Ich habe schon immer eine außergewöhnliche Wahrnehmung mitgebracht und kann das Körpergewebe sehen, sehe Klänge auch in Farben oder rieche manchmal Töne. Ich habe also eine sehr feine
Wahrnehmung, vertraue auf meine gute Intuition und bekomme anhand innerer Bilder und Sätze, die zu mir kommen, gezeigt, wie ich den Prozess der Singenden oder Tönenden entfalten kann. Das ist etwas sehr Weibliches. Ich arbeite also, indem ich meiner Intuition folge und der Frau auch Raum gebe, etwas selbst zur Entfaltung zu bringen, dem Prozess, der sich zeigen will, Raum gebe. Ich weiß, dass die Lösung bereits in uns ist und es geht darum, dass ich der Frau nicht sage, was ihr Problem ist oder was sie tun oder lassen soll, nach dem Motto „Ich weiß, was gut für dich ist!“, sondern ich vertraue auf die Weisheit ihres Körpers und zeige ihr, wie sie diese erkennen und nutzen kann. Das bedeutet, dass ich die Frauen zu einer anderen Wahrnehmung hinführe, zu einem anderen Hören und zu einer Körperwahrnehmung. Es geht darum, dass sie wieder einen Zugang zu ihrem Körper finden und ihm auch wieder vertrauen…
Das vollständige Interview können Sie hier lesen: Frieda-Online

© Text Copyright Beate Wiemers – Frieda Online

Hier eine Stellungnahme zu meinem Interview. Ich erkläre was die Arbeit mit der Mutterwunde bewirkt hat und warum ich mich davon verabschiedet habe:

Heilung individueller und kollektiver Traumata über die eigene Stimme

Heilung individueller und kollektiver Traumata über die eigene Stimme

Von lebensverneinenden zu lebensbejahenden Mustern

Erschienen in der Clio Nr. 86/17 vom Feministischen Frauengesundheitszentrum e.V. Berlin

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Einführungskurs beim Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie. In diesem Einführungsseminar mussten wir alle einzeln „vorsingen“. Die Gründerin des Instituts, Gisela Rohmert, hatte einen schweren Brocken vor sich, nämlich mich. Ich bekam kaum einen Ton heraus. Mein Hals war wie zugeschnürt und ich hörte mich selbst sehr laut, dabei fragten sich alle anderen, ob ich überhaupt singe. Ich ächzte und krächzte, und es kostete mich große Überwindung, einen Ton hinauszulassen. Frau Rohmert war sichtlich bemüht, mir unbedingt ein Erfolgserlebnis verschaffen zu wollen. Eine Frage, die sie mir stellte, werde ich nie vergessen. Sie fragte mich, ob ich mir überhaupt vorstellen könne, dass man mit dem Singen hartnäckige und tiefsitzende Muster verändern könne? Ich zögerte und dachte, Singen? Das kann doch gar nicht sein, dass es so tiefsitzende Muster verändert, und gleichzeitig bekam ich Hoffnung, denn ich hatte auf dem Weg meiner Heilungssuche schon so vieles ausprobiert. Doch Frau Rohmert sagte mit einem klaren Blick, dass tiefgreifende Veränderungen meiner Muster möglich sind. Sie sprach dies mit einer solchen Überzeugung, dass ich ihr Wissen und ihre Erfahrungen nicht anzweifeln konnte.
Blockaden – Traumata, die schon über Generationen wirken
Als systemische Familien- und Traumatherapeutin arbeitete ich in eigener Praxis und beschäftigte mich intensiv mit der transgenerationalen Weitergabe von Traumata. Das war zu einer Zeit, in der es noch keine Literatur beispielsweise von Sabine Bode gab. Ich fragte mich, was mit all den traumatisierten Soldaten passierte, die den 1. und 2. Weltkrieg überlebt hatten, unsere Väter, Großväter,… Es gab tatsächlich keine Forschungen oder Literatur darüber. Jahre später wurden die Bücher von Sabine Bode veröffentlicht und auch Prof. Dr.Franz Ruppert fand mein Interesse, denn er hatte einem speziellen Trauma einen Namen gegeben, dem „Symbiosetrauma“. Er nannte es auch das Trauma der Liebe.
Das Symbiosetrauma
Was versteht man unter dem Symbiosetrauma? Grundsätzlich sind Mutter und Kind immer symbiotisch miteinander verbunden. Wenn jedoch die gesunden symbiotischen Bedürfnisse in der frühen Kindheit nicht befriedigt werden, kommt es zu einem Symbiosetrauma und zu seelischen Verstrickungen des Kindes. Die Mutter selbst ist traumatisiert und daher von sich selbst abgeschnitten und nicht in der Lage, eine emotionale Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Zwischen Mutter und Kind gibt es einen Klang, ein Lied, welches immer wieder über eine Pendelbewegung gespielt wird. Das Kind sendet aus, die Mutter empfängt und erwidert den Klang des Kindes, gleichbedeutend mit Beziehung. So gibt es hier eine Wechselbeziehung, wenn die Mutter gesund und vital ist. Eine traumatisierte Mutter kann den Klang ihres Kindes nicht empfangen und damit nicht in Resonanz gehen und diesen auch nicht erwidern. So sendet das Kind immer wieder aus und empfängt nichts. Mit seinen Handlungen läuft es immer wieder ins Leere. Da das Kind symbiotisch verbunden und abhängig von der Mutter ist, braucht es die Resonanz der Mutter für die eigene Entwicklung. Wenn dies nicht geschieht,
bedeutet dies für das Kind schon sehr früh Stress, chronischen Stress und es beginnt zu überleben, denn die Resonanz der Mutter ist überlebenswichtig. Das Kind fühlt sich in seiner Existenz bedroht. Um zu überleben, sucht es den ständigen Kontakt im Außen und verliert den Kontakt zu sich selbst. Es
erfährt keine sichere Bindung und Geborgenheit und kann kein Urvertrauen entwickeln. Dieses Trauma wird über Generationen weitergegeben und ist z.B. in Deutschland bedingt durch die beiden Weltkriege über mehrere Generationen unbewusst weitergereicht worden – bis heute. Daher spricht
Prof. Ruppert von einer traumatisierten Gesellschaft, weil wir aufgrund unserer Geschichte so gut wie alle traumatisiert sind – mit unterschiedlichen Intensitäten und Auswirkungen. Alice Miller beschreibt in ihrem Buch „Das Drama des begabten Kindes“ letztendlich genau diesen Schmerz des Kindes,
wenn es sich selbst überlassen wird und keine sichere Bindung erfährt. Mit dem Buch ihres Sohnes Martin Miller „ Das wahre Drama des begabten Kindes“ wird deutlich, dass sie ihre erfahrenen Traumata an ihren Sohn weitergegeben hatte, also selbst genau das tat, wovor sie viele Eltern warnte.
Ich teile die Ansicht von Prof. Ruppert und vielen anderen Kollegen, dass wir in einer traumatisierten Gesellschaft, ja sogar einer traumatisierten Welt leben, denn Kriege gibt es seit vielen Tausenden von Jahren. Es ist schon so normal geworden, dass wir es kaum noch merken, wie dysfunktional wir
leben in einer dysfunktionalen Welt.
Woran erkenne ich, dass ich traumatisiert bin?
Die Nicht-Beziehung zu einer traumatisierten Mutter ist gekennzeichnet von einer emotionalen Distanz, dem Gefühl, die Mutter nicht erreichen zu können. Oftmals auch von mangelnder Empathiefähigkeit der Mutter, die mehr damit beschäftigt ist, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und
dieses manchmal über das Kind versucht. Bei einem Symbiosetrauma haben Betroffene häufig die Schwierigkeit, Nähe zuzulassen, auch wenn sie sich danach sehnen. Eine Abgrenzung ist kaum möglich. Die Verschmelzung in Form von Abhängigkeiten zu anderen Menschen wird dort wiederholt und auch ersehnt. Häufig werden süchtige Beziehungen geführt, die ein autonomes Leben unmöglich machen. Es ist eine ewige Suche nach Identität, da das Kind auf die eigene Entwicklung verzichten und sich extrem an die Bedürfnisse der Mutter anpassen musste, wissen diese Kinder später als Erwachsene kaum, wer sie sind und welche Bedürfnisse sie haben. Sie waren häufig damit beschäftigt, die Mutter (in Teilen auch den abwesenden Vater) emotional zu versorgen, dass sie den Blick auf sich selbst verloren haben. Häufig fühlen sich diese Menschen abgeschnitten von anderen Menschen, alleine, und haben keinen Kontakt zu sich selbst.
 
Symbiosetrauma und chronische Erkrankungen
In meiner eigenen Geschichte und der vieler chronisch kranker Menschen, die mich aufsuchen, konnte ich immer ein starkes Symbiosetrauma feststellen. Häufig sind es auch komplex traumatisierte Familiensysteme, also auch chronisch traumatisierte Familiensysteme, aus denen sie stammen. Diese Menschen haben nicht gelernt, gut für sich selbst zu sorgen, Nein zu sagen und sich gut abzugrenzen. In den meisten Fällen wissen sie noch nicht einmal, was das überhaupt bedeutet bzw. wie sie dies bewerkstelligen können. Sie haben es ja nie gelernt.
Die Geschichte der Frauen und die Mutterwunde
In meiner Beschäftigung mit Autoimmunerkrankungen, Krebs und Schilddrüsendysfunktionen zeigten bisher alle betroffenen Frauen ohne Ausnahme eine schwierige Mutterbindung. Eine totale Überforderung als Kind und eine frühe Verantwortungsübernahme. Meistens wurden sie zur Mutter der eigenen Mutter. Keinen eigenen Raum bekommen zu haben, drückt sich auch in der Unterdrückung des Weiblichen aus, die vor vielen Tausenden von Jahren mit dem Patriarchat begann. Die Abwertung des Weiblichen stellt gleichzeitig die Abwertung des Lebens dar. Das Weibliche in Gestalt von gebärenden Frauen schenkt Leben. Die Gewalt an Frauen bezeugt gleichzeitig eine grundsätzliche Missachtung und Geringschätzung gegenüber dem Leben und allem Lebendigen. Es sind exakt diese lebensverneinenden Muster, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sie wirken bis in unsere Tage, in denen die Kriegsenkel_innen die Ängste und Traumata der Kriegskinder durchleben – die ihrer Mütter und Großmütter, die diese in den Kriegen erlitten, jedoch nie bewältigt haben. Diesen uralten Schmerz des Weiblichen nenne ich Mutterwunde, die von Generation zu Generation über Mutter und Tochter weitergegeben wird. In den USA ist die Mutterwunde bereits ein bekannter Begriff. Bethany Webster arbeitet damit und bietet Seminare für Frauen an. Um allerdings Räume für das Weibliche zu schaffen, braucht es die Fähigkeit, Nein zu sagen, sich abzugrenzen, und dies
wiederum sind Qualitäten, die das Männliche kennzeichnen. Mir ist mir immer wieder aufgefallen, dass viele Menschen mit Krebs oder Autoimmunerkrankungen hochsensibel sind und die ungelösten Traumata ihrer Familie förmlich aufsaugen und sich damit identifizieren.
Die Chancen von Trauma
Die Mutterwunde ist zwar schmerzvoll, sie bietet jedoch zugleich große Chancen für Entwicklung, Veränderung und Wachstum eines jeden betroffenen Menschen. Die Menschen mit Symbiosetrauma lernen früh, immer wieder neu anzufangen, und beweisen damit ein Durchhaltevermögen. Eine
chronische Erkrankung fordert immer und immer wieder ein tieferes Eintauchen in den Prozess. Nur in dieser geistig-seelischen-körperlichen Tiefe können diese Menschen sämtliche Facetten des Lebens erfahren, spüren, begreifen und transformieren. Für die Kriegsenkelgeneration sehe ich die große Chance, eine eigene Identität zu bilden und nicht mehr den totalen Gehorsam nachzuahmen, der ein eigenes autonomes Leben und damit ihre Wünsche und Träume verhindert. Dieser Traumaheilungsprozess fördert die Resilienz und lässt sie stark werden. Wenn es gelingt, eine eigene bzw. überhaupt eine
Identität zu entwickeln, wieder in Kontakt zu sich selbst zu kommen, sich treu zu sein und auf sein Herz zu hören, dann sind dies die besten Voraussetzungen für eine friedlichere Welt, und die Genesung des einzelnen ist zugleich ein Stückweit die Genesung des Ganzen.
Lied zwischen Mutter und Kind und der Stoffwechsel
Zurückkommend auf den Anfang, kann ich die Aussage von Frau Rohmert bestätigen. Ja, mit dem Tönen oder Singen ist es tatsächlich möglich, tiefsitzende und hartnäckige Muster zu verändern. Die Wirkung des Singens hatte ich selbst total verkannt und ich schenkte ihr bis zu diesem Tag im Odenwald keinerlei Beachtung. Allerdings habe ich erfahren, dass diese Wirkung nur dann so wirkmächtig sein kann, wenn ich begreife, dass der
Klang bereits da ist. Dazu gehört unbedingt das Wissen, dass der Kehlkopf und seine umliegenden Organe eine Sogwirkung haben. Das habe ich während meiner Seminarbesuche beim Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie erfahren dürfen. Dies bedeutet, dass der Kehlkopf nicht Klang produziert und nach Außen gibt, sondern dass dieser bereits da ist und von diesem empfangen wird. Im Kehlkopf treffen sich Weiblich und Männlich über das Empfangen des Klanges und das Hinausgebens des Tones. Es ist das Geben und Nehmen, eben diese Pendelbewegung, wie auch zwischen Mutter und Kind. Der Kehlkopf ist mit allen Geweben und dem Nervensystem verbunden und kann das Körpergewebe auf Empfang umstellen. Er kann dem Nervensystem zeigen, dass die Not vorbei ist. Durch die Vibrationen im Gewebe erwacht dieses regelrecht und aufgestaute Traumaenergie kann abfließen. Dies geschieht manchmal durch Schütteln und Zittern. Dazu braucht es keine Traumakonfrontation und kein Wissen über das, was geschehen ist. Es ist eine sehr behutsame Art, bis in tiefste Schichten vorzudringen, denn gespeicherte Traumata sind wie Traumafelder im Körpergewebe tief verankert. Die Rückkoppelung zwischen Kehlkopf und Körpergewebe führt dazu, dass durch die hochschwingenden Obertöne eingebrannte Muster verändert werden, auch auf neuronaler Ebene. Die Impulse über die Stimme führen dazu, dass nach einer Sitzung oder einem Seminar diese Prozesse weitergehen und das System sich selbst in seine natürliche Ordnung zurückbringt. Die Veränderungen sind sofort spürbar und sehr einfach.
Wir alle können damit beginnen zu Tönen, in dem Bewusstsein, dass der Klang bereits da ist und der Ton eingesaugt wird.
Der Kehlkopf ist mit der Gebärmutter, mit dem Schoßraum verbunden. Alles was im Hals geschieht, passiert auch im Schoßraum und umgekehrt. Eine schöne Übung ist, die Hände auf den unteren Bauch zu legen und sich vorzustellen, dass der Klang über die Hände in den Schoßraum gelangt. Beob-
achten Sie, was passiert und wohin der Klang Sie führt. Es ist immer eine Reise, die der Klang mit uns macht.
Stimm-Balance ist eine Prozessarbeit, die bisher mit Einzelnen durchgeführt wird. Jedoch beginne ich damit, diese auf Gemeinschaften und Kollektive zu übertragen. Meine Erfahrungen zeigen, dass damit auch generationsübergreifende und kollektive Traumata integriert werden können.
Iris Hammermeister
ist Sängerin, Stimmbilderin, Familien- und Traumatherapeutin. Sie hat die Stimm-Balance Prozessarbeit entwickelt, die sie in Einzelsitzungen und Seminaren anbietet. Derzeit schreibt sie ein Buch über die Heilung der Mutterwunde mit der eigenen Stimme. Es erscheint 2018 im Neue Erde Verlag.
Weitere Informationen: www.stimm-balance.de
Literatur
Sabine Bode: Kriegsenkel – Die Erben der vergessenen Generation, Klett-Cotta Verlag, 2013, 22. Auflage
Prof. Dr. Ruppert: https://www.rubikon.news/artikel/traumatisierte-gesellschaft (es handelt sich hier um ein Interview bei „Rubikon – Magazin für die
kritische Masse“ mit dem Titel: Traumatisierte Gesellschaft vom 1.9.2017)

© Text Copyright Iris Hammermeister

Dein Seelen-Lied

Dein Seelen-Lied

Eine wundervolle Geschichte über einen afrikanischen Stamm, in welchem jeder Mensch mit einem Seelenlied auf die Erde kommt.

Das Seelen-Lied

Es heißt, es gibt einen Stamm in Afrika, bei dem das Geburtsdatum des Kindes nicht der Tag ist, an dem es geboren wird, auch nicht der Tag, an dem es empfangen wurde, sondern der Tag, an dem das Kind erstmals als Gedanke im Kopf seiner Mutter erschien. Und wenn eine Frau beschließt, dass sie das Kind empfangen wird, geht sie aus dem Dorf hinaus und setzt sich unter einem Baum, und sie lauscht in sich hinein, bis sie das Lied des Kindes hören kann, das durch sie geboren werden will. Und nachdem sie das Lied des Kindes gehört hat, kehrt sie zurück zu ihrem Mann, welcher der Vater des Kindes sein wird, und lehrt auch ihn das Lied. Wenn sie sich dann lieben, um das Kind körperlich zu empfangen, dann singen sie gemeinsam das Lied des Kindes, als eine Einladung.

Wenn die Mutter schwanger ist, lehrt sie auch die Hebammen und die alten Frauen des Dorfes das Lied zu singen, so dass die Menschen um sie herum während der Geburt das Lied des Kindes singen können, um es zu begrüßen. Und dann, wenn das Kind aufwächst, haben auch die anderen Dorfbewohner sein Lied gelernt. Wenn das Kind fällt und seine Knie schmerzen, schließt es jemand in die Arme und singt sein Lied dazu. Wann immer das Kind etwas Wunderbares tut, wenn es durch die Riten der Pubertät geht, wenn es heiratet – auch dann singen die Menschen des Dorfes sein Lied, um seine Seele zu ehren.

In diesem afrikanischen Stamm gibt es noch eine weitere Gelegenheit, zu der die Dorfbewohner für das Kind singen: Wenn diese Person zu irgendeinem Zeitpunkt während seines oder ihres Lebens, ein Verbrechen begeht, wird sie in das Zentrum des Dorfes gerufen und die Menschen seiner Gemeinschaft bilden einen Kreis um sie herum. Und dann singen sie behutsam das Lied für diese Person. Der Stamm fühlt, dass sein Verhalten nicht nach Bestrafung ruft, sondern nach Liebe und nach Erinnerung an die wahre Identität seiner Seele.

Ein Freund, so sagen sie, ist jemand der das Lied deiner Seele singt, wenn du es selbst vergessen hast.

Und auf diese Weise geht das Kind durch sein Leben. In der Ehe singen die Partner ihre Lieder füreinander – und sie singen sie gemeinsam. Und schließlich, wenn unser Kind eines Tages auf dem Sterbebett liegt, bereit, diese Welt zu verlassen, dann kommen die Dorfbewohner zusammen, und sie singen – ein letztes Mal – das Lied für diese Person.

Frei nach Alan Cohen, aus dem Buch „Wisdom of the Heart“

10.5. – 13.5.18 Fachtagung “Transgenerationale Trauma-Weitergabe”

Mit der Stimm-Balance Prozessarbeit sind transgenerationale, als auch individuelle Traumata ohne Traumakonfrontation auflösbar, sowohl für Einzelne, als auch für größere System wie Kollektive.

Fachtagung “Transgenerationale Trauma-Weitergabe”
Vom 10.05. – 13.05.2018 in Wasmuthhausen bei Coburg.
Veranstalterin: Heilpraktikerinnen Berufsverband Lachesis e.V.

Ich freue mich, dass ich meine Stimm-Balance Prozessarbeit bei dieser Fachtagung vorstelle. Als ausgebildete Familien- & Traumatherapeutin lag mein Praxisschwerpunkt in der Erforschung der Auswirkungen beider Weltkriege auf nachfolgende Generationen. Mit der Stimm-Balance Prozessarbeit sind transgenerationale, als auch individuelle Traumata ohne Traumakonfrontation auflösbar, sowohl für Einzelne, als auch für größere System wie Kollektive. Mein Fokus lag hier insbesondere auf den Zusammenhang zwischen chronischen Erkrankungen, wie Autoimmune Erkrankungen, Schilddrüsendysfunktionen, Krebs und traumatisierte Familiensysteme.

Flyerdownload: Lachesis Fachtagung