Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor gut 3 Jahren meiner lieben Freundin Anna gesagt habe, dass sie keine Angst vor dem Tod zu haben brauche, denn dort wo sie hingehen wird, gibt es eine unbeschreiblich schöne Musik und bunte Farben. Das tröstete sie, denn sie hatte Krebs im Endstadium und hatte nicht mehr lange zu leben. Ich sagte ihr „Anna, ich weiss das, ich war schon mal dort“.

Wir sind Klang

Als ich vor fast 10 Jahren eine Art Nahtoderlebnis hatte, umgab mich eine zauberhafte und wunderschöne Musik, Gesänge, Chöre und bunte Farben. In diesen Zustand bin ich gekommen, nach dem ich besungen wurde und dieser Mensch genau die Musik gesungen hatte, die ich immer hörte, eben diese Gesänge, die es dort gibt. Dann folgte eine Nacht, in der sich meine Spirits zeigten und mir mitteilten, dass es meine Aufgabe sei, zu singen, zu besingen. Dieser besondere Zustand hielt ein paar Wochen an und es war die schönste Zeit meines Lebens. Ich hatte ein Erwachen, ohne meinen Körper zu verlassen. Ganz im Gegenteil, meine Seele zog ganz in meinen Körper ein. Was mir noch sehr eindrücklich im Gedächtnis geblieben ist, war, dass ich meinen Körper richtig fühlte, insbesondere meinen Bauch. Ich fühlte eine unglaubliche Kraft und Macht in meinem Bauch, eine uralte weibliche Kraft und ein uraltes Wissen. Ich hätte in diesem Zustand alles erklären können, die Physiologie, warum wir hier sind, unsere Geschichte, alles. Ich war angeschlossen an einer Wissensquelle. Ich wusste, dass es eine besondere Bedeutung für mein Frausein hatte.

Mein Erwachen

Auffallend war, wie klar ich alles gesehen hatte. Der Nebel war weg. Ich sah ohne den Nebel und mit unglaublich intensiven Farben. Alles war mit weißem Licht durchlichtet. Ich hörte unglaublich fein und immer Musik, die unbeschreiblich schön war. Ich schmeckte viel intensiver, es war, als ob ich das erste mal richtig sehen, hören, riechen und schmecken konnte. Es gab keinen Raum und keine Zeit. Ich dachte an den Baum und wurde zum Baum. Es gab keinerlei Trennung mehr. Ich fühlte die Verbindung zu allem. Was mich am meisten beeindruckte war, dass ich erkannte, dass Gott nicht außerhalb von mir existiert, sondern in mir ist. Ich erkannte, dass ich Gott bin, alles Gott ist, der Baum, der Vogel,… wir alle Teil eines großen Ganzen sind.

Frieden kehrte ein

Unglaublich schön war, dass ich tiefen Frieden fühlte. Der Kampf in mir hörte auf. Keine Widerstände mehr, nur noch Ruhe und Frieden und ein großes JA zu mir und meinem Leben. Erstmals konnte ich zu mir, vor allen Dingen zu meinem Körper JA sagen. Ich konnte meine Vergangenheit, meine Gegenwart und alles was noch kommen wird annehmen und JA dazu sagen. Ich war in Frieden mit allem, was mir geschehen war. Es war nach Hause kommen.

Ein anderer Blick auf mich und die Welt

Ich sah diese unglaubliche Schönheit dieser Welt und erkannte, dass ich bisher in einem Traum lebte und das was ich gerade erlebte, die Wirklichkeit ist. Es war wirklich ein Gefühl von aufwachen. Alles war verdreht und ich erlebte mich in einer anderen Welt. Einer Welt der Künste, Schönheit und Freude.

Ich habe Jahre gebraucht, um zu begreifen, was mir passierte. Lange Zeit konnte ich nicht darüber sprechen, aber ich erzählte es meiner schamanischen Lehrerin, die sofort wusste, was mit mir passierte. Sie sagte „Komm zu mir Iris, wir müssen das feiern“.

Manchmal hörte ich auch, dass es eine Gnade sei, sowas erleben zu können und man es nicht herbeiführen könne. Entweder es passiert einem oder eben nicht. Das konnte und wollte ich nicht glauben.

Bedingungslose Liebe

Dieser Zustand hielt ein paar Wochen an und es war unglaublich und unbeschreiblich. Viele denken oder sagten auch zu mir, in diesem Zustand könne man nicht dauerhaft sein, weil man die Bodenhaftung verlieren würde, außerdem sei man einsam, weil man ja in diesem Zustand alleine sei und andere ihn nicht nachvollziehen können. Das erlebte ich jedoch ganz anders. Ich war total in meiner Präsenz, im Hier und Jetzt. Ich fühlte mich stark und geerdet, gleichzeitig auch verbunden mit dem Kosmos. Es gab keine Trennung mehr zwischen diesen beiden Welten. Es gab kein Innen mehr, kein Außen, kein Oben und Unten, Es war alles gleichzeitig da und ich war so in Liebe mit mir. Ich fühlte, dass ich Liebe bin, so dass ich wusste, diese bedingungslose Liebe der größte Schutz bedeutet, den man genießen kann. Diese Kraft der bedingungslosen Liebe ist so stark, dass es auch starke körperliche Auswirkungen gab. Tatsächlich war es so, als ob der Stecker wieder in der Steckdose angeschlossen war, alle Leitungen und Verbindungen in meinem Körper frei waren. Ich hatte in dieser Zeit keinerlei Symptome oder Beschwerden. Mein Körper regenerierte, alles begann zu heilen.

Die Glasglocke

Dieser Zustand war eine Art Seins-Zustand, weil  es in dieser Zeit keine Emotionen oder Gefühle gab. Es war anders. Auch gab es Ruhe in meinem Kopf, keine tausenden Gedanken, die einem ständig durch den Kopf gehen. Mein Verstand war ruhig und hatte nicht mehr die Oberhand.

Doch dann fiel ich nach ein paar Wochen wieder in den Schlaf zurück. Es gab noch ein paar Lektionen für mich zu lernen. Diesen Schlaf beschreibe ich auch als Glasglocke, die sich über mich stülpte. Diese Glasglocke begleitete mich bereits seit meinem 5. Lebensjahr. Mit dem Beginn der Glasglocke verlor ich auch meine Stimme und ich hörte auf zu sprechen. Diese Glasglocke führte dazu, dass ich mich eng fühlte und getrennt von allem. Wenn ich während des Schreibens daran denke, merke ich, wie mir das Atmen schwer wird. In dieser Glocke ist es nebelig, dumpf und tot. Unter dieser Glocke ist Kontakt nicht möglich, nicht zu mir, nicht zu anderen, nicht zum Kosmos. Unter dieser Glocke erfahren wir uns jedoch als Menschen und machen Erfahrungen, die uns auf unsere Aufgabe vorbereiten. In diesem Erwachen war diese Glocke jedoch weg. Es gab diese Trennung nicht mehr und das wirkliche Leben geschieht außerhalb dieser Glocke. Ich hatte meinen Kokon verlassen, spannte meine Flügel auf und alles in mir weitete sich. Es gab kein Gefühl der Enge oder des Zusammenfaltens mehr.

Mein Erinnern

Heilung ist nichts anderes als Erinnern. Wir sind hier her gekommen, um uns zu erinnern, wer wir wirklich sind. Nachdem ich in den letzten Tagen das Buch von Anke Evertz „Neun Tage Unendlichkeit“ gelesen habe, war ich tief bewegt. Ich habe mich wieder erinnert an diese Zeit, denn das was sie beschrieb, hatte viele Parallelen zu meinem Erwachen damals. Es tat so gut, eine Bestätigung zu bekommen, von den Dingen, die ich wahrnehme und erfahre. Nicht nur das, ich begriff, dass alle meine schmerzvollen Erfahrungen die beste Vorbereitung für meine Aufgabe waren. Mein Vater begegnete mir und ich sah unsere Beziehung und all die Liebeswunden, die er mir zufügte, mit einem anderen Blick. Ich spürte nach langer Zeit wieder diese Liebe zwischen uns, die es schon immer gab. Ich habe beim Lesen dieses Buches viele Tempos verbraucht, viele Tränen geweint. Und es stellt sich ein JA ein, ein JA zu meinen erlebten Schmerzen, ein JA zu meiner Vergangenheit, ein JA zu mir und meinem Körper, ein JA zu meiner Aufgabe. Ich spüre, wie die Widerstände schmelzen und ich mich hingebe, dem Leben, der Liebe und mir selbst. Es ist ein Aufatmen, ein Durchatmen, ein Loslassen und ein friedvolles Gefühl.  Ich weiß nun, warum ich all das erlebt habe und welche Geschenke dahinter verborgen liegen.

Da wartet was ganz Großes auf mich

Mehr erfährst Du im 2. Teil dieses Blogartikels!

copyright Text: Iris Hammermeister